Der Molkerei-Konzern Theo Müller hat heute offiziell bekannt gegeben, was bereits am vergangenen Freitag auf dem Parkett die Runde machte. Für 337 Mio. Euro sichert sich das Unternehmen den schottischen Konkurrenten Robert Wiseman Dairies (RWD).
Der Übernahme-Kandidat aus Glasgow war mit 6 Molkereien und 14 Distributionszentren in Großbritannien, der größte britische Frischmilch-Produzent. Unternehmensangaben zufolge beläuft sich der Marktanteil auf über 30%.
Müller hebt Vorteile des Deals vor
RWD ist die einzige britische Molkerei die flächendeckend liefert. Für den Müller-Konzern ist der Zukauf ein wichtiger Schritt, um in Großbritannien zu wachsen. Müller-Chef Heiner Kamps sagte, dass sich die beiden Unternehmen gut ergänzen und durch den Deal Vorteile für Lieferanten, Mitarbeiter und Kunden entstehen.
Zudem teilen die beiden Molkereien Unternehmergeist, Tradition und Kultur eines Familienunternehmens. Die Äußerungen lassen darauf schließen, dass Müller mit hohem Synergie-Potenzial rechnet und geringe Integrationskosten erwartet.
Branchenkenner bleiben skeptisch
Die Übernahme eröffnet Müller auf der Insel großes Wachstumspotenzial. Zu den RWD-Kunden gehören Supermarktketten wie Tesco, Sainsbury oder Co-op. Im vergangenen Jahr lieferte die Molkerei 1,5 Mrd. Liter Milch aus und generierte einen Umsatz von rund 1,1 Mrd. Euro.
Ob der Deal jedoch die erwarteten Kosteneinsparungen bringen kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Einige Branchenkenner sehen für Müller - trotz des Wachstumspotenzials -keinen hohen Mehrwert in dem Deal.
Aktionäre einmal mehr die Gewinner
RWD-Aktionären kann es egal sein, welche Ziele Müller mit dem Übernahme-Kandidaten verfolgt. Sie erhalten ein Angebot in Höhe von 390 Pence je Aktie. Der Preis beinhaltet eine satte Übernahme-Prämie von 60% gegenüber dem Kurs vom vergangenen Donnerstag.
Selbst gegenüber dem Freitags-Schlusskurs – als die Übernahme sich schon sehr stark andeutete und die Aktie anfeuerte – beträgt die Prämie 18%. Erneut hätte es sich gelohnt, selbst nach einem rasanten Kursanstieg noch kurzfristig einzusteigen.
Es wird erwartet, dass die Übernahme planmäßig über die Bühne geht. Der Vorstand hat dem Deal bereits zugestimmt und empfiehlt den Aktionären die Angebotsannahme. Auch die Gründerfamilie, die rund 35% der Aktien hält, will das Angebot annehmen. Insgesamt kommt Müller bereits auf 55% der RWD-Aktien.
Hat Müller einen Deal mit Pepsi in der Pipeline?
Müller ist schon seit einigen Jahren auf Expansionskurs und betreibt außerhalb Deutschlands noch nennenswerte Geschäfte in Italien, den Niederlanden und Israel. Im Oktober vergangenen Jahres kamen zudem Gerüchte auf, dass Müller eine Allianz mit PepsiCo in Amerika plant. Bisher hat sich da jedoch noch nichts getan.
Es wäre aber nicht verwunderlich, wenn Müller in diesem Jahr sowohl in Großbritannien als auch in Amerika wächst. Zwei Baustellen sind nicht zu viel. Der Welt-Konzern PepsiCo dürfte ein interessanter Partner für die Bayern sein. Denn Pepsico bringt direkt eine Reihe von Kunden mit und würde den Markteintritt zum Kinderspiel werden lassen.



