von Jens Gravenkötter

Nach Glencore-Xstrata: Ist Cliffs der nächste Übernahme-Kandidat?

Fusion von Bergbau-Konzern Xstrata und dem weltgrößten Rohstoff-Händler Glencore

Fusion von Bergbau-Konzern Xstrata und dem weltgrößten Rohstoff-Händler Glencore

Erwartungsgemäß haben der Bergbau-Konzern Xstrata und der weltgrößte Rohstoff-Händler Glencore heute die Fusion bekannt gegeben.

Für die noch ausstehenden 66% der Aktien zahlt Glencore rund 41 Mrd. Dollar.

Der neu entstehende Konzern ist mit einer Marktkapitalisierung von fast 90 Mrd. Dollar viertgrößter Rohstoff-Konzern der Welt.

Xstrata-Aktionären wird je Anteilsschein 2,8 Glencore-Aktien geboten, was einer Prämie von 15% gegenüber dem Kurs vom 1.Februar, dem Tag vor Bekanntwerden der Fusions-Pläne, entspricht. Da schon gestern Details zum Deal bekannt wurden, haben sich die Aktienkurse der beiden Unternehmen heute nicht wesentlich verändert.

Branche erwartet zunehmende Übernahme-Aktivität

Es ist zu erwarten, dass die Fusion den Auftakt einer weiteren Übernahme-Welle im Rohstoff-Sektor markiert. Konkurrenten wie Vale, BHP Billiton oder Rio Tinto werden nicht tatenlos zusehen, wie Glencore und Xstrata den Abstand auf die Branchengrößen verkleinert.

Die Rohstoff-Giganten werden ihrerseits zukaufen, um die Aufholjagd zu stoppen. Ins Visier geraten dabei Rohstoff-Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe.

Der Übernahme-Sensor hat bereits die in London notierte Anglo American als aussichtsreichen Kandidaten ins Spiel gebracht – aber auch in Nordamerika finden sich einige Übernahme-Ziele.

Cliffs Natural Ressources: Unternehmen deutlich günstiger als die Konkurrenz

Laut des amerikanischen Datenanbieters Bloomberg ist Cliffs Natural Ressources ein einfaches Ziel. Nordamerikas größter Eisenerz-Förderer ist im Vergleich zu allen anderen Minen-Konzern des Kontinents sehr billig.

Der Abschlag gegenüber den Konkurrenten mit einer Marktkapitalisierung von über 5 Mrd. Dollar liegt bei 70%. Das wird bei den größeren Rohstoff-Konzernen Begehrlichkeiten wecken.

Diesmal kein Bluff: Übernahme-Szenario ist realistisch

Selbst wenn ein Bieter für den Übernahme-Kandidaten eine 30%-Prämie auf den Tisch legt, dann wäre der Übernahme-Preis - gemessen am Free Cashflow – immer noch günstiger, als alle anderen Minen-Konzerne aktuell an der Börse bewertet sind. Die Frage ist nur, ob Cliffs dann zustimmen würde.

Wie bereits in früheren Ausgaben erwähnt, wäre eine isolierte Betrachtung der Bewertung zu pauschal, um einen Übernahme-Kandidaten zu identifizieren.

Unternehmen können auch günstig sein, weil es große Probleme gibt. Research in Motion, Nokia und Hewlett Packard wurden im vergangenen Jahr schnell aufgrund der günstigen Bewertung zu Übernahme-Kandidaten ausgerufen – passiert ist jedoch nichts.

Bei Cliffs ist das anders: Wenn sich in der Rohstoff-Branche eine Übernahme-Welle andeutet und die günstige Bewertung nicht auf wesentliche operative Probleme beruht, dann muss man das Unternehmen im Auge behalten.

Fakten von Gerüchten trennen

Einige dubiose US-Internetforen spekulieren bereits, dass im Hintergrund Übernahme-Verhandlungen laufen oder dass ein Verkaufsprozess kurz bevorsteht. Als Indiz wird angeführt, dass sich Cliffs darauf angesprochen in Schweigen hüllt.

Solche Gerüchte sind Unsinn. Schweigen ist neutral zu bewerten und das Unternehmen muss sich nicht für Spekulationen rechtfertigen. Wenn Cliffs dementieren würde, dann müsste das Unternehmen zukünftig immer wieder zu irgendwelchen Gerüchten Stellung nehmen.

Auch ein Dementi ist für Konkurrenten eine wichtige Information - und im Übernahme-Geschäft zählt Verschwiegenheitspflicht. Wenn etwas aussagekräftig ist, dann sind das die fundamentalen Daten - und die sagen, dass eine Übernahme sinnvoll wäre. Nicht mehr und nicht weniger.

 
 
Bildquelle: Peter Saeckel - Fotolia

Autor:

Jens Gravenkötter

Spezialgebiet von Jens Gravenkötter sind Firmenübernahmen.

Jens Gravenkötter informiert Sie über anstehende Firmenübernahmen und Übernahmen im täglich kostenlosen Newsletter Übernahme Sensor.