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Nach Pleite: Können Sie der Immobilien-Schwarmfinanzierung noch trauen?

Wenn Sie in den letzten Monaten in Immobilien investiert haben, kamen Sie an dem Diskussionsthema „Crowdfunding“ kaum vorbei. Immer wieder wurde die relativ neue Investmentform als Alternative zu herkömmlichen Anlageobjekten angepriesen. Dass es sich hier aber eher um eine Option für Wagemutige handelt, zeigten die letzten Wochen – denn nun sind die ersten Deals geplatzt.

Was ist passiert?

Offiziell beim Amtsgericht München Insolvenz beantragt hat ein Bauvorhaben mit 7,5 Millionen Euro Investitionsvolumen. In Berlin-Tempelhof sollte eine Wohnanlage mit 52 Mikro-Appartements entstehen – eigentlich ein äußerst zukunftsträchtiges Konzept. Über die Plattform Zinsland.de hatten etwa 300 private Investoren 1,25 Millionen Euro in das Projekt eingebracht.

Die Anleger bangen nun zurecht um ihr Geld. Dies ist die erste Immobilienpleite im Deutschland, die per Crowdfunding Gelder gesammelt hatte.

Die Gründe der Insolvenz liegen im Dunklen, fest steht, dass der kaufmännische Leiter plötzlich und unerwartet das Unternehmen verlassen hat und es eine dreimonatige Verzögerung am Bau durch die neue Regelung bei der Entsorgung von Styropor gegeben hatte – eigentlich aber keine ausreichenden Gründe für einen Insolvenzantrag.

Wo liegen die Probleme beim Crowdfunding?

Wenn Sie sich für Crowdfunding interessieren, sollten Sie wissen, dass es sich dabei in der Regel um Nachrangdarlehen handelt. Trotz der formal festen Verzinsung, die oft mit hohen Beträgen lockt (im vorliegenden Fall etwa mit 7 bis 9 Prozent), existiert ein Ausfallrisiko – auch bei scheinbar vielversprechenden Projektentwicklern wie hier: Es handelte sich um einen erfahrenen Architekten, relativ solide Eigenkapitalquoten und die Appartements waren sogar bereits im Vorfeld verkauft worden.

Ein Projekt also, das einen Anleger nicht misstrauisch werden lässt. Kritisiert wird, dass die Eigenkapitalsituation letztlich anders ausfiel, als im Vorfeld angekündigt: laut Plan rund 2,2 Millionen Euro (rund 29 Prozent), tatsächlich aber nur eine Million Euro, von denen die Hälfte durch das Crowd-Darlehen abge­löst worden sei.

Ein weiteres Problem ist, dass Sie als Anleger keinerlei Recht auf Mitsprache bei jeglichen Unternehmensentscheidungen haben.

Wer prüft die Projekte?

Wird der Berliner Fall das rasante Wachstum der Immobilien-Schwarmfinanzierung abbremsen und Anleger zum Nachdenken bringen? 2011 sprachen wir hier noch über ein Jahresvolumen von 1,4 Millionen Euro, 2016 waren es bereits unglaubliche 63,8 Millionen und von Januar bis August 2017 war mit 107,9 Millionen ein erneutes Wachstum von 213 Prozent zu verzeichnen.

Allerdings gibt es hier wenig Kontrolle durch die Finanzaufsicht, so dass die privaten Geldgeber weitestgehend ungeschützt anlegen. Eine Kontrolle erfolgt lediglich durch die Crowdfunding-Plattformen.

Erst wenn ein Mindestvolumen von 2,5 Millionen Euro überschritten wird, unterliegen die Projekte der gesetzlichen Pflicht zur ausführlichen Prospektierung ihrer Geldanlageangebote.

Fazit

Für risikofreudige Investoren kann Crowdfunding nach wie vor eine interessante Alternative bieten – aber selbst bei ausgiebiger Prüfung lässt sich ein Zahlungsausfall nicht ausschließen.

Daher sollten Sie niemals so viel investieren, dass der Verlust Ihnen wirklich wehtut – egal, wie vielversprechend das Projekt aussieht. Das Beispiel Tempelhof zeigt es: Hier hätte theoretisch nichts gegen eine Anlage gesprochen, und doch müssen die Investoren nun zittern.

9. Oktober 2017

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Maria Schädlich
Von: Maria Schädlich.

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