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Naturheilpraxis in Eigentumswohnung ist zustimmungspflichtig

Für die meisten ist es nicht strittig, dass in einer Eigentumswohnung eine Naturheilpraxis geführt werden darf. Denn: Grundsätzlich hat ein Wohnungseigentümer das Recht in seiner Eigentumswohnung täglich bis zu fünf Besucher zu empfangen. Jedoch muss für die Führung einer Naturheilpraxis in einer Wohnungseigentümergemeinschaft die Zustimmung des Verwalters sowie der gesamten WEG eingeholt werden.

Der Fall: Eigentumswohnung genutzt als Naturheilpraxis

Dass die Nutzung einer Eigentumswohnung als Praxis eines Heilpraktikers für die anderen Wohnungseigentümer einen unverhältnismäßig großen Nachteil darstellen kann, stellte das Landgericht in München in einem Urteil im Januar des Jahres 2015 klar.

Regelmäßig muss die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft eingeholt werden, zumindest dann, wenn dies in der Gemeinschaftsordnung so vorgesehen ist.


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Ausgangspunkt des Rechtsstreits war, dass in einer WEG  ein Wohnungseigentümer seine Eigentumswohnung als Heilpraktiker- bzw. Naturheilpraxis nutzte. Ein anderes Mitglied der Eigentümergemeinschaft fühlte sich dadurch scheinbar gestört und reichte schließlich hiergegen eine Unterlassungsklage ein.

Die Entscheidung des Gerichts: Zustimmung der WEG erforderlich

Und zwar mit Erfolg! Das Landgericht in München entschied den Rechtsstreit zu Gunsten des Klägers. Der verklagte Wohnungseigentümer durfte seine Eigentumswohnung durchaus gewerblich nutzen oder zu eben diesem Zweck auch vermieten.

Aber: Maßgeblich war jedoch auch, ob hierdurch für andere Wohnungseigentümer ein über das in § 14 Nr. 1 Wohnungseigentumsgesetz (WEG) vorgegebene Maß hinaus Beeinträchtigungen entstanden. Nach § 4 Abs. 2 Satz 1 der Gemeinschaftsordnung der Eigentümergemeinschaft bedurfte eine gewerbliche oder sonstige berufliche Nutzung einer Eigentumswohnung zwar der schriftlichen Einwilligung des Verwalters. 

Es war davon auszugehen, dass dieses Erfordernis der Einwilligung in solchen Fällen gelten sollte, in denen es nicht eindeutig war, ob Störungen möglich sind oder nicht.

Nutzung der Wohnung als Naturheilpraxis: Zustimmung des Verwalters erforderlich

Die Nutzung der streitgegenständlichen Wohnung als Heilpraktiker- bzw. Naturheilpraxis rechtfertigte die Annahme, dass diese Nutzung über eine solche zu Wohnzwecken hinausgeht. Die Nutzung bedurfte daher der Einwilligung des Verwalters bzw. der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft, welche unstreitig nicht vorlag.

Die Nutzung einer 2,5 Zimmer Wohnung zum Betrieb einer Heilpraktiker- bzw. Naturheilpraxis stört typischerweise mehr als eine reine Nutzung zum Wohnen. Es kam dabei nicht darauf an, dass ein Wohnungseigentümer grundsätzlich das Recht hätte in seiner Eigentumswohnung täglich bis zu fünf Besucher zu empfangen.

Besucherverkehr in kleiner Wohnanlage fällt mehr ins Gewicht

Denn ein ausgeprägter Besucherverkehr mit wechselnden erkrankten Personen ist keine typische Wohnnutzung einer 2,5 Zimmer Wohnung. In einer kleinen Wohnanlage mit vielleicht 10 Wohneinheiten fällt ein Patientenaufkommen von fünf Personen am Tag zudem mehr ins Gewicht als in einer Wohneigentumsanlage mit 100 Wohnungen (LG München I, Urteil v. 26.01.15, Az. 1 S 9962/14 WEG).

8. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Marc Popp. Über den Autor

Marc Popp ist als Rechtsanwalt in Bonn tätig. Als Fachautor hat er bereits zahlreiche Beiträge zum Immobilien-, Makler-, Miet-, Wohnungseigentums- und Versicherungsrecht verfasst.