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Nukleartechnologie in Kasachstan: Das schwierige sowjetische Erbe

Taikonur veranschaulicht sehr schön den Wandel, der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Zu sowjetischen Zeiten waren russische Geologen die einzigen Bewohner. Nach dem Zerfall der Sowjet Union verwaiste die Stadt zunächst, doch inzwischen wächst die Bevölkerung wieder. Es sind insbesondere die Kasachen selbst, die in die Stadt ziehen, denn hier gibt es gut bezahlte Arbeitsplätze.

Allein die Inkai Mine beschäftigt 500 Mitarbeiter, die durchschnittlich 1.200 US Dollar pro Monat verdienen, für kasachische Verhältnisse ein kleines Vermögen, denn eine Vergütung dieser Höhe übersteigt den Landesdurchschnitt um mehr als das Doppelte.

Insgesamt sechs Minen in der Region buhlen um die besten Arbeitskräfte und locken mit entsprechend hohen Vergütungen. Darunter auch die South Inkai Mine von Uranium One, die der kanadische Uranproduzent als Joint Venture zusammen mit Kazatomprom betreibt.

In der Inkai Mine wird das Uran wie in den meisten kasachischen Minen mit dem sogenannten In-Situ-Verfahren gewonnen. Bei diesem Nukleartechnologie-Verfahren werden in der Steppe keine Schächte und Tunnel errichtet, sondern Bohrungen niedergebracht in die später eine saure Lösung eingeleitet wird.

Die Lösung dringt in das Erz ein und „wäscht“ das Uran heraus. Dank dieses modernen Verfahrens können die Gefahren des Untertagebergbaus für die Bergleute ebenso vermieden werden wie die hohen Kosten die den Unternehmen für die Renaturierung aufgegebener Minen und Tagebaue entstehen.

Ausländische Nukleartechnologie gefragt

Viele ausländische Unternehmen möchten gerne in der Region tätig werden und von ihrem Rohstoffreichtum profitieren. Doch die Kasachen haben längst durchblicken lassen: Reine Portfolioinvestitionen wird es nicht mehr geben. Wer heute noch zum Zuge kommen will, der muss wesentlich mehr bieten als Geld und die Entwicklung einer Lagerstätte. Gesucht werden Co-Investoren, die moderne Nukleartechnologien in die Partnerschaft einbringen und es den Kasachen langfristig ermöglichen die eigene Position innerhalb des Uranbrennstoffzirkels zu verbessern.

Ziel ist es innerhalb der Wertschöpfungskette weitere Bereiche selbst abzudecken. Kazatomprom erwarb zu diesem Zweck einen Anteil von 10% am US amerikanischen Reaktorhersteller Westinghouse. Kasachstan will den gesamten Prozess der Uranbrennelementeherstellung bis 2020 beherrschen. Das ehrgeizige Ziel beinhaltet auch den Bau eines Reaktors am Kaspischen Meer.

Ein weiterer Meilenstein wird die Errichtung einer Anlage zur Umwandlung des in Inkai produzierten Yellowcake in Gas sein, ein Schritt, der der Anreicherung von Uran unmittelbar vorausgeht. Eine Durchführbarkeitsstudie für das Projekt wollen Cameco und Kazatomprom noch in diesem Jahr abschließen.

Ein klares Bekenntnis zu Uran und Kernenergie

Über größere Uranreserven als Kasachstan verfügt nur noch Australien. Doch während sich die Menschen in Down Under mit diesem naturgegebenen Standortvorteil schwer tun und eine Art „Hassliebe“ zum Uran entwickelt haben, setzen die Kasachen eindeutig auf die positiven Aspekte des Rohstoffs Uran und sehen in ihm eine strategische Chance sich selbst und ihr Land weiterzuentwickeln.

Ausländische Hilfe ist dabei notwendig, doch wird diese anders als in in anderen Ländern nur in soweit in Anspruch genommen als sie die eigenen Wachstums- und Weiterentwicklungsabsichten stützt. Damit wird sichergestellt, dass Rohstoffe nicht nur ausgebeutet werden, sondern vor allem der langfristigen Entwicklung eines Landes dienen.

2. Juli 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.