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Obamas Energiepolitik: Von der grünen Revolution zum Ölexporteur

2008 zog Barack Obama als „Grüner Messias“ in den Wahlkampf. Er wollte die Klima- und die Energiepolitik der USA grundlegend ändern. Der Ausbau alternativer Energien und die Reduktion schädlicher Treibhausgase hatten für ihn oberste Priorität.

Obamas erste Amtszeit neigt sich dem Ende. Es ist Zeit, auf die vier vergangenen Jahre zurückzublicken: Hat Obama Wort gehalten? Wie hat das Präsidentenamt seine Einstellung verändert? Wie möchte er die energiepolitische Zukunft der USA gestalten?

Fulminanter Start: 60 Milliarden US-Dollar für die grüne Revolution

Frisch im Amt verabschiedete Obama Anfang 2009 umgehend ein 800 Milliarden US-Dollar schweres Konjunkturpaket („American Recovery and Reinvestment Act“), um der amerikanischen Wirtschaft nach der Finanzkrise wieder auf die Beine zu helfen.

Von den 800 Milliarden US-Dollar entfielen knapp 60 Milliarden US-Dollar auf Energieeffizienzprogramme, den Ausbau eines intelligenten Stromnetzes und Steuererleichterungen für erneuerbare Energien. Obama hatte mit dieser üppigen Förderung der grünen Revolution fürs Erste Wort gehalten.

Umfassendes Klima- und Energiepaket scheitert im Kongress

Das Herzstück Obamas Energiepolitik konnte jedoch nie realisiert werden.

So wollte Obama mit seinem Energiegesetz die Strombetriebe und die Industrieunternehmen zu einer effizienteren Nutzung der Energieressourcen zwingen. Auch sollten verbindliche Ziele festgelegt werden, welcher Anteil des amerikanischen Energieverbrauchs durch alternative Energien gedeckt werden muss.

Das Gesetz wurde zwar im Juni 2009 vom Abgeordnetenhaus bewilligt, aber vom Senat abgelehnt. Im Senat stellten die Demokraten nämlich keine Mehrheit und es gelang ihnen nicht, genügend republikanische Senatoren von dem Gesetz zu überzeugen.

Obamas Energiepolitik vollzieht Wendung

Nach dieser schmerzhaften Niederlage unternahm Obama keine ernsthaften Versuche mehr, die grüne Revolution voranzutreiben. Im Gegenteil: Obama setzte nach dem Debakel wieder auf bewährte Energieträger wie Atomkraft und die Förderung von Rohöl und Erdgas.

Atomkraftwerke bieten laut Obama den Vorteil, dass sie klimaneutral Energie erzeugen, wobei keine Schadstoffe in die Atmosphäre geblasen werden. Anfang dieses Jahres erhielt der Energieversorger Southern Energy von Obama daher die Genehmigung, ein neues Kernkraftwerk zu bauen.

Zum ersten Mal seit 30 Jahren wird damit in den USA wieder ein neuer Reaktor gebaut. Das Projekt hat ein Investitionsvolumen von 14 Milliarden US-Dollar und soll 25.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Der Staat subventioniert das Projekt, indem er für Kredite des Energieversorgers Southern Energy im Volumen von 8 Milliarden US-Dollar bürgt.

Neue Fördertechniken ermöglichen hohe Öl- und Gasfördermengen

Zusätzlich soll in den USA zukünftig deutlich mehr Öl und Gas gefördert werden als es bisher der Fall ist. Ermöglicht wird das durch eine neue vertikale Tiefbohrtechnik. Sie ermöglicht den Abbau bisher unerreichbarer Öl- und Gasvorkommen, die sich im Schiefergestein gebildet haben.

Um die Ressourcen aus dem Schiefergestein zu lösen, wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien mit Hochdruck in die Erde gepumpt. Dieses verursacht Risse im Erdreich und bahnt so den Ressourcen einen Weg nach oben. Es wird geschätzt, dass die USA dank der neuen Technik statt 600.000 Barrel Rohöl zukünftig 3.000.000 Barrel Rohöl pro Tag fördern können.

Laut des Energieministeriums liegen in der amerikanischen Erde außerdem 23,4 Billionen Kubikmeter Gas, die in den nächsten Jahren abgebaut werden sollen. Im Moment werden 14% der amerikanischen Öl- und Gasförderung aus im Schiefergestein liegenden Vorkommen gedeckt. Dieser Anteil soll bis 2035 auf 45% ausgebaut werden.

Mittelfristig könnten die USA damit wieder zu einem Öl- und Gasexporteuer werden.

Obama meint es ernst

Obama wird seine neue pragmatische Energiepolitik unbeirrt weiter verfolgen.

So erteilte er erst kürzlich die Genehmigung zum Bau der umstrittenen Keystone-XL-Pipeline, die das aus Schiefergestein gewonnene Öl- und Gas auf direktem Wege in die Raffinieren nach New Mexico bringen soll.

Obama erhofft sich von der Ausweitung der Förderung einen Rückgang der Benzinpreise, die im Moment bei einem US-Dollar pro Liter liegen. Für amerikanische Verhältnisse ist das Benzin damit außergewöhnlich teuer. Bei den Amerikanern regt sich daher Unmut über das teure Fahrvergnügen.

Da Obama aber auf die Wählerstimmen der Autofahrer angewiesen ist, hat er sich entschieden zu reagieren. Insgesamt möchte Obama daher den Energiemix aus möglichst vielen verschiedenen  Energieträgern zusammen setzten, um der Industrie und den Amerikanern möglichst günstige Energiepreise zu bescheren und gleichzeitig den Ausstoß von Schadstoffen weiter zu reduzieren.

30. August 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ludwig Buhmann
Von: Ludwig Buhmann. Über den Autor

Ludwig Buhmann analysiert für die GeVestor-Leser politische Entwicklungen rund um den Globus.