Liebe Leser,
ärgern Sie sich auch so über die aktuelle Preispolitik der Ölkonzerne?
Beim Blick auf die Preistafeln an einer Tankstelle hab ich mir erst gestern verwundert die Augen gerieben.
Auf dem Weg zum Supermarkt ging es ich an der Tankstelle vorbei und ein Liter Diesel kostete 1,32 Euro. Das ist aber echt günstig, dachte ich noch. Knappe 15 Minuten später ging ich wieder an der Shell-Tankstelle vorbei und traute meinen Augen nicht: Der Liter Diesel kostete auf einmal 1,44 Euro. Das entspricht einer Erhöhung um 9% in nur wenigen Minuten.
Der Mitarbeiter erklärte mir, dass häufig am Abend um 21 Uhr die Preise angepasst werden. Für mich ist nun klar, dass ich auf jeden Fall vor 21 Uhr zur Tankstelle fahre, um so in den Genuss von niedrigeren Preisen zu kommen. Klar ist aber auch: Auf dem aktuellen Preisniveau verdienen die großen Ölkonzerne richtig viel Geld. Und das haben in dieser Woche zahlreiche Firmen bestätigt.
Ob Exxon Mobil, die Nummer eins in den USA oder Royal Dutch Shell, die Nummer eins in Europa: es ging kräftig nach oben mit den Gewinnen. Bei Exxon waren es die stärksten Gewinne seit 2008, als der Ölpreis jedoch bei 150 Dollar pro Barrel notierte. Exxon hat im zweiten Quartal 10,7 Mrd. Dollar verdient.
Das entspricht einem Plus von 41%. Bei RoyalDutch Shell fiel der Gewinnsprung mit 97% sogar noch deutlich größer aus. Auch schon vorher hatten ConocoPhilips und auch BP gute Zahlen präsentiert. Die großen Ölfirmen erzielen aktuell auch die großen Gewinne.
Doch trotz massiver Investitionen gelingt es den großen Konzernen kaum, die Produktion noch weiter zu steigern. Viele Ölfirmen müssen sogar leichte Produktionsrückgänge hinnehmen. Das gilt für Conoco Philips mit einem Minus von 90.000 Barrel bei der Öl- und Gasproduktion. Bei Shell lag das Minus sogar bei 100.000 Barrel am Tag.
Trotz des massiven Gewinnanstiegs waren jedoch die Ergebnisse bei Exxon Mobil etwas schwächer als erwartet. Das lag an dem massiven Wachstum der Investitionen, die auf 10,3 Mrd. Dollar gestiegen sind. Das bedeutete ein Zuwachs von 58% im Vergleich zum zweiten Quartal 2010.
In den vergangenen Wochen kam der Ölpreis jedoch etwas unter Druck. Das hohe Preisniveau zuvor hatte schon Folgen für den Verbrauch in den USA: Im Mai ist der tägliche Verbrauch in der größten Volkswirtschaft der Welt um 2,5% oder 464.000 Barrel pro Tag gesunken. Auf der anderen Seite sind die Lagerbestände zuletzt immer wieder angestiegen.
Erst in der vergangenen Woche gab es hier einen Zuwachs von 2,3 Mio. Barrel.
Insofern stellt sich schon die Frage, ob die Ölfirmen im zweiten Halbjahr 2011 weiterhin so sprudelnde Gewinne erzielen können? Aktuell ist das schwer einzuschätzen. Immerhin erweitern aber die großen Konzerne ihre Ertragschancen.
So haben Exxon Mobil und auch Royal Dutch Shell die Erdgasaktivitäten erweitert.
Noch bringt das keine großen Gewinne. Aber das kann sich schon bald ändern. Erdgas gehört zu den Energieträgern mit Zukunft. Warum das so ist, werde ich Ihnen in einer neuen Serie schon bald hier im Privatfinanz-Letter vorstellen.
Ein schönes Wochenende
wünscht Ihnen
Heiko Böhmer
Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“



