Die Luftangriffe der Alliierten auf Ziele in Libyen haben den Ölpreis wieder nach oben getrieben.
Die Angst, Japans Industrie werde wegen der Erdbebenschäden weniger Öl verbrauchen, ließ den Ölpreis nur kurzzeitig fallen.
Auf längere Sicht wird aber in Japan wegen des Wiederaufbaus der Ölbedarf wieder anziehen. Wie auch immer: In den kommenden Wochen müssen wir mit hohen Schwankungen am Ölmarkt rechnen.
Ölpreis wird keine extremen Notierungen bringen
Extrem hohe Notierungen halten wir zum jetzigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich. Grund ist der geringe Anteil Libyens an der weltweiten Ölförderung, der lediglich 2% beträgt. Selbst der komplette Ausfall der libyschen Produktion kann auf Dauer keine starken Auswirkungen auf den Ölpreis haben.
Hinzu kommt, dass mit Saudi-Arabien längst ein anderer leistungsstarker Lieferant die Erhöhung seiner Förderquote zugesagt hat. Sollte es allerdings auch dort und in anderen Förderländern in Nahost zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen, wäre das ein Horrorszenario für die Weltwirtschaft.
Langfristig folgen die Kurse dem Ölpreis
Ungewöhnlich ist derzeit die Kursentwicklung der großen Ölkonzerne. Normalerweise spiegeln sich steigende Ölpreise in steigenden Aktienkursen wider.
Denn höhere Preise führen in der Regel zu höheren Umsätzen und Gewinnen. Doch gilt diese Regel derzeit nicht für alle Ölmultis. Besonders die Kurse europäischer Konzerne wie OMV (6502), ENI (6506) und Total (6510) tendieren seitwärts oder geben nach.
Anders die Aktie von Chevron (6508), die auf Jahressicht im Gleichschritt mit dem Ölpreis läuft. Der Abstand der Kurse der europäischen Produzenten zum Ölpreis ist so groß wie seit Beginn der Finanzkrise 2008 nicht mehr.
Krise in Nordafrike belastet Konzerne
Dass die Konzerne nicht vom steigenden Ölpreis profitieren, liegt daran, dass die Belastungen durch die Krise in Libyen überwiegen. Dabei geht es weniger um geringere Gewinne, die Margen in Nordafrika und im Nahen Osten sind sowieso niedrig, als vielmehr um die Produktionsmenge.
Wenn die ohnehin wachstumsschwachen Europäer Produktionsverluste haben, sind sie für Anleger uninteressant. Es stellt sich jetzt die Frage, ob die Ölförderer, die in Nordafrika und dem Nahen Osten stark engagiert sind, ein dauerhaftes Problem haben, oder ob sich die Lage in absehbarer Zeit entspannen wird. Wir gehen von letzterem aus.
Historisch betrachtet sind die Aktien der Ölkonzerne immer dem Ölpreis gefolgt. Unter diesen Bedingungen bieten sich für Anleger Chancen, falls die Kurse die bestehende Lücke zum Ölpreis schließen.
Das Risiko, dass der Ölpreis mittelfristig deutlich fallen könnte, ist zudem gering. Die Weltkonjunktur ist intakt und sollte die Nachfrage hoch halten. Einen Preis von deutlich unter 100 $ pro Barrel halten wir in diesem Jahr für unwahrscheinlich.
Ausrüster profitieren von hohen Investitionen
Die Ölkonzerne stehen aber weiterhin vor dem Problem, dass sie ihre schwindenden Reserven ersetzen, gleichzeitig aber aufpassen müssen, dass ihr Portfolio nicht zu stark von politisch instabilen Ländern abhängt. Entsprechend steigt das Interesse an Öl- und Gasvorkommen in Nordamerika.
Dabei handelt es sich hauptsächlich um Tiefseevorkommen und Ölsand.
Je höher der Ölpreis und je intensiver die Fördertechniken weiterentwickelt werden, desto interessanter werden diese Vorkommen. Die Förderung rentiert sich ab einem Preis von 85 $ pro Barrel. Nutznießer technisch anspruchsvoller Projekte sind in erster Linie Ausrüster wie Halliburton (6512) oder Schlumberger (6513).
Deren Kundschaft wird dieses Jahr rund 500 Mrd $ in den Ausbau bestehender Förderstätten und in die Exploration neuer Vorkommen investieren.



