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Ölpreis-Rückgang: Folgen und stille Gewinner

Der Januar 2016 geht als der schwächste Börsenstart seit 25 Jahren in die Geschichte ein. Mit einem Minus von knapp 10% hat der DAX im Januar seinen kompletten Jahresgewinn 2015 wieder verloren.

Bisher waren es die trüben Wirtschaftsaussichten in China, die für die derzeitigen Börsenturbulenzen zur Erklärung herhalten mussten.

Seitdem aber klar ist, die Wirtschaft in China ist robuster als erwartet, tritt der fallende Rohölpreis in den Vordergrund, um den schwachen Aktienmarkt zu erklären. In den Köpfen vieler Anleger deutet ein fallender Ölpreis immer auch auf eine Wirtschaftskrise oder zumindest eine schwache Konjunktur hin.

Denn wenn die Wirtschaft nicht läuft, wird auch weniger Öl nachgefragt.

Sorge um den Ölpreis ist übertrieben

Schaut man ein paar Jahre zurück, so scheint sich diese These zu bestätigen. 1998/99 gab es die Asien- und die Russlandkrise, 2007/08 ereignete sich die amerikanische Subprime-Krise mit dem Zusammenbruch der Lehman Bank.

In beiden Zeiträumen ist auch jeweils der Ölpreis stark gefallen. Generell ist die Annahme, eine schwache Konjunktur bedeutet auch eine geringere Nachfrage nach Öl richtig.

Doch was bei der jetzigen Ölpreisdiskussion oftmals vergessen wird: Der Ölpreis fällt nicht aufgrund sinkender Nachfrage, sondern aufgrund eines Überangebots an Öl.

Noch nie wurde so viel Öl gefördert wie jetzt.

Die Öllagerstätten sind voll. Schaut man aber genauer hin stellt man fest, nicht nur die Förderquoten sind hoch, sondern auch die Nachfrage, insbesonders aus China.

Chinas Öl-Importe auf Rekordniveau

Die Öl-Importe im Reich der Mitte waren 2015 auf einem neuen Allzeithoch.

China importierte zum ersten Mal in der Geschichte im Durchschnitt mehr als 7 Mio. Barrel Öl pro Tag in das eigene Land!

Das ist eine gewaltige Menge und zeigt den enormen Rohstoffhunger, der trotz der schwächeren Wirtschaft nicht abreißt. Die nachfolgende Grafik verdeutlicht Ihnen diesen Umstand:

Weltweite Ölproduktion und -verbrauch

öl-chart

Die blaue Linie zeigt Ihnen die weltweite Produktion an Rohöl, die schwarze Linie spiegelt den Verbrauch wieder. Ein grüner Balken über der Nullline bedeutet, es wird mehr Öl produziert als verbraucht.

Hier sehen Sie ganz deutlich, seit Anfang 2014 wird mehr Öl produziert als verbraucht.

Schätzungen zufolge wird sich die Situation erst wieder im 1. Quartal des nächsten Jahres umkehren. Was Sie aber auch sehen, der Ölverbrauch (schwarze Linie) nimmt nicht ab, sonder weiter zu.


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Nicht die schwache Nachfrage, sondern das hohe Angebot an Rohöl ist der Grund für den Preisverfall.

Aktienkurse und Ölpreis fallen im Einklang

Noch vor wenigen Jahren, als der Ölpreis die Marke von 100 $ pro Barrel nach oben durchbrach, drohte das die Weltwirtschaft zu ersticken. Jetzt auf einmal sinken die Aktienmärkte im Gleichklang mit den Öl-Notierungen. Wie kann das sein?

Zum einen fallen die Börsenindizes, weil darin Aktien von Unternehmen enthalten sind, die von einem hohen Ölpreis profitieren. Allen voran die Indexschwergewichte und Ölmultis Exxon und Chevron.

Viele Ölmultis können bei Rohölpreisen um die 30 $ nicht mehr kostendeckend arbeiten.

Statt wie üblich Milliardengewinne abzuwerfen, drohen einige Unternehmen in Schieflage zu geraten. „Auf uns rollt eine riesige Pleitewelle von Ölförderern und Minen-Betreibern zu“, sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. Aber auch ganze Länder könnten in Schieflage geraten.

Der Ölpreisverfall und die Konsequenzen

Venezuela, Nigeria oder Aserbaidschan droht die Staatspleite. Länder, die von Ölexporten abhängig sind, häufen riesige Defizite durch die fehlenden Öleinnahmen an. Sogar Saudi-Arabien gerät bereits in eine defizitäre Situation. Finanzinstitute bangen um die Rückzahlung ihrer Kredite.

Denn die Erschließung neuer Ölquellen ist in der Regel kreditfinanziert.

Die Rückzahlung der Kredite oder die Bedienung von Zinsverpflichtungen werden naturgemäß immer schwieriger, je geringer die Einnahmen aus den Ölverkäufen werden. Das alles sind Gründe, die an der Börse Unsicherheit auslösen. Denn so eine Marktkonstellation kannten wir bis dato nicht.

Bisher war es immer so, dass aufgrund einer schwachen Wirtschaft oder einer größeren Krise der Ölpreis aufgrund sinkender Nachfrage zurückging.

Auf einmal aber ist es der Ölpreis selbst, der die Börsen weltweit verunsichert und in den Köpfen einiger Anleger die nächste Krise auslösen wird.

So profitieren Sie vom niedrigen Ölpreis

Bei aller Sorge um den Ölpreis wird schnell vergessen, dass der geringe Ölpreis für viele Länder eine gewaltige Konjunkturspritze bedeutet. Die Länder, die Öl exportieren leiden, doch für alle anderen ist der niedrige Ölpreis ein Segen.

Das erleben Sie selbst jedes Mal an der Tankstelle.

Plötzlich bleibt uns mehr Geld für andere Dinge. Es gilt: Größter Profiteur des niedrigen Ölpreises ist der Konsum.

Das Geld welches wir, was andere Menschen aber auch ganze Staaten derzeit einsparen, wird nicht etwa in den Sparstrumpf gesteckt, sondern direkt wieder ausgegeben. Airlines, die Reisebranche aber auch der Einzelhandel profitiert vom ansteigenden Konsum der Verbraucher.

Profiteure vom Ölpreisrückgang: 1. Beispiel

Der dänische Schmuckhersteller PANDORA verkauft derzeit so viel Schmuck wie nie zuvor. Millionen Menschen überall auf der Welt besitzen bereits PANDORA Schmuck und jede Sekunde wird ein neues PANDORA Schmuckstück verkauft.

Der Boom ist so groß, dass PANDORA seine Produktion in Thailand erweitern muss, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden.

Erst seit 2011 ist PANDORA auch auf dem chinesischen Markt tätig.

Im letzten Jahr wurde eine Kooperation mit der Oracle Investment Group aus Hongkong geschlossen, um das Filialnetz in China zu erweitern. Der chinesische Schmuckmarkt ist mit einem Volumen von 705 Mrd. Hongkong Dollar (83 Mrd. €) der größte der Welt und wächst mit einer traumhaften Wachstumsrate von rund 20% im Jahr.

Diese Zahlen beruhen noch auf Daten VOR dem großen Ölpreisverfall. Jetzt, wo den Konsumenten mehr Geld zur Verfügung steht und sich die einkommensstarke Mittelschicht in China stark entwickelt, wird auch die Nachfrage nach Schmuck weiter ansteigen

Profiteure vom Ölpreisrückgang: 2. Beispiel

Ganz China feiert derzeit das chinesische Neujahrsfest. Millionen Menschen reisen zu den Feiern in ihre Heimatdörfer. Es wird geschätzt, dass in diesem Jahr zum Neujahrsfest rund 2,9 Milliarden Inlandsreisen gemacht werden, ein Anstieg von 20% gegenüber dem Vorjahr.

Aber auch die Anzahl derjenigen, die eine Fernreise antreten wird mit knapp 6 Millionen Reisen einen neuen Rekord aufstellen.

Doch nicht nur zum Neujahrsfest reisen die Chinesen in Scharen.

Der chinesische Reisemarkt boomt mit Wachstumsraten von bis zu 20% wie kaum ein anderer Markt. Bis 2020 soll sich die Anzahl der Fernreisen auf über 200 Millionen nahezu verdoppeln. Die Chancen stehen gut, dass diese Marke schon eher durchbrochen wird, dem niedrigen Ölpreis sei Dank.

Kaum eine andere Branche profitiert vom billigen Öl wie die Reisebranche. So geben Airlines ihre Ersparnisse bei den Treibstoffkosten teilweise an die Passagiere weiter. Billig-Airlines boomen und immer mehr Menschen können sich eine Reise leisten.

Davon profitiert Chinas größter Online-Reisevermittler Ctrip.com als unangefochtener Marktführer am stärksten.

Profiteure vom Ölpreisrückgang: 3. Beispiel

Minor International ist ein thailändisches Unternehmen das weltweit über 135 Hotels, 1.787 Restaurants, hauptsächlich in Asien, aber auch Afrika, dem Nahen Osten, Australien und Kurzem auch in Europa betreibt.

Hinzu kommen einige Retailgeschäfte und 3 Einkaufszentren in Thailand.

Es ist durchaus erwartbar, dass Minor für 2015 wieder Rekordergebnisse erzielt hat. Denn durch die weltweite Expansion, die das Ziel hat, bis 2020 mehr als 50% vom Umsatz und Gewinn außerhalb Thailands zu generieren, gelingt es Minor International immer wieder dem ansonsten schwachen Wirtschaftswachstums Thailands zu trotzen.

Minor International geht dabei sehr strategisch vor und expandiert nur in Regionen, in denen es langfristig Sinn macht. Insgesamt ist der Tourismus eine Branche mit stetigem Wachstum. Weltweit wurde 2015 mit 1,2 Milliarden Reisenden ein neuer Rekord aufgestellt.

Laut Welttourismusorganisation der Uno (UNWTO) sind das 4,4% mehr als im Vorjahr und das sechste Jahr in Folge mit einem Wachstum von über 4%. Die Region Asien gehörte zu den beliebtesten Reisezielen weltweit.

Fazit: Sie sehen, der konstant niedrige Ölpreis hat nicht nur schlechte Seiten für die Wirtschaft. Bestimmte Branchen werden gerade durch den Ölpreisverfall mit neuer Kraft versorgt und können diese für nachhaltiges Wachstum und Expansionen nutzen.

Halten Sie also immer die Augen auf!

11. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Dröge. Über den Autor

Andreas Dröges Leidenschaft sind Schwellenländer. Seine langen Aufenthalte in Schwellenländern wie Thailand und Indonesien machen ihn zum Markt- und Menschenkenner und sein Wissen eröffnet Anlegern neue Perspektiven.