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Ölpreise: Warum ist Öl aus Europa und den USA unterschiedlich teuer?

Gleich ob aus Sicht eines Anlegers oder Verbrauchers, wer nach dem Preis für Rohöl schaut, findet immer 2 Angaben. Zum einen den Ölpreis für Brent, zum anderen den Ölpreis WTI. Brent und WTI sind die zwei wichtigen Referenzöle von insgesamt 250 Sorten.

Für Europa ist das Nordseeöl Brent Crude Oil maßgeblich. Für die USA die Marke WTI (West Texas Intermediate). Der Name Brent geht auf eines der großen Ölfelder in der Nordsee zurück, von wo aus es über eine Pipeline nach Großbritannien geleitet und dann weiter verteilt wird. WTI-Öl fließt in die zentralen US-Lagertanks in Oklahoma und geht von dort zu den Abnehmern und Raffinerien.

Ölpreis Brent und WTI – 2 Welten

Gebildet werden die Ölpreise für Brent und WTI über Angebot und Nachfrage bzw. den Handel mit Futures. Brent-Positionen werden hauptsächlich an der Londoner Warenterminbörse ICE Futures gehandelt, WTI an der New York Mercantile Exchange (NYMEX). Die verschiedenen Fälligkeitstermine dieser Terminkontrakte verursachen dabei unterschiedliche Kurse und fortlaufende Änderungen beim Ölpreis. Grundlage ist der Preis pro Barrel (159 Liter) und zwar in US-$.


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Für die europäischen Verbraucher kommt die Währungsdifferenz zum Euro hinzu. Deshalb wird der Ölpreis Brent meist sowohl in US-$ als auch in € angegeben. Ist der Euro schwächer, verteuert sich der Preis entsprechend.

Von der Kursentwicklung profitieren

Anleger wiederum, die beispielsweise über ETCs (Exchange Traded Commodities), also Rohstoff-ETFs oder Zertifikate in Öl investieren, können auch in US-$ handeln. Weil die Öl-Indizes aber auf Futures basieren, die eine begrenzte Laufzeit haben, besteht das Risiko, dass der folgende Kontrakt teurer wird und die Rendite kürzt – ein Minusgeschäft also, auch wenn die Notierung steigt.

Da sich der Ölpreis für Brent mal mehr, mal weniger stark von dem für WTI unterscheidet, gibt es auch die Möglichkeit, über spezielle Zertifikate von der Preisdifferenz zu profitieren. Dabei kann man wahlweise auf einen Anstieg von Brent oder WTI setzen, oder auch auf eine Annäherung der Preise – das Ganze sogar mehrfach gehebelt.

Das allerdings ist mit hohem Risiko verbunden. Geht nämlich die Preisschere weiter auseinander und überschreitet einen bestimmten Wert, werden die Positionen mit Verlust geschlossen. Wenn dabei institutionelle Investoren mit hohen Summen im Spiel sind, wird in der Folge die Preisdifferenz am Markt noch größer.

Brentpreis mit geopolitischer Risikoprämie

Tatsächlich wurde der Ölpreis für Brent 2010 spürbar teurer, und das obwohl es einen etwas höheren Schwefelgehalt und somit eine schlechtere Verarbeitungsqualität hat als WTI-Öl. Mit der wesentliche Grund ist die Nähe und Abhängigkeit Europas von den Krisenherden und Ölfeldern in Nahost oder Nordafrika. Das Nordseeöl deckt nur einen Bruchteil des Bedarfs. In dem Zusammenspiel enthält der Ölpreis für Brent eine gewisse Risikoprämie, die von Rohstoffanalysten auf bis zu 10 US-$ geschätzt wird.

Allgemein hängt der Preis natürlich auch von der Konjunktur im europäischen Raum ab. Der Gedanke, bei hoher Nachfrage etwa auf billigeres amerikanisches Öl zurückzugreifen, wäre aber wegen der hohen Transportkosten abwegig. Davon abgesehen verteuert sich der WTI-Preis schnell, wenn hohe Lagerbestände in den USA durch eine dort höhere Nachfrage oder neue Raffineriezuleitungen abgebaut werden.

Rückblick und Ausblick in die Zukunft

Die erste Preisnotierung für Brent gab es nach dem Förderstart in der Nordsee 1975. Europa wollte sich wegen der vorangegangenen Ölkrise von der Erpressbarkeit durch die OPEC lösen. Danach schwankte der Preis bis 2003 zwischen anfänglich 13,8 US-$ und rund 28 US-$. Anschließend zog er rapide an und fiel nach Höchstständen von über 100 US-$ ab Sommer 2014 auf unter die Hälfte.

Die Zukunft des Brent-Öls hängt von der Rentabilität der Förderungen ab. Ist der Preis zu niedrig, steht der Betrieb einiger Plattformen infrage. Zudem ist das Fördermaximum von jährlich 250 Mio. Tonnen seit Ende der 1990er Jahre längst überschritten.

19. November 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.