von Volker Gelfarth

Opec und IEA erwarten weniger Ölnachfrage

Opec erwartet eine geringere Nachfrage nach Öl

Opec erwartet eine geringere Nachfrage nach Öl

Die 12 Opec-Mitgliedsländer, die für rund 40% des weltweiten Ölangebots stehen, rechnen in diesem Jahr mit einer täglichen Nachfrage von 87,99 Mio Barrel.

Im August lautete die Prognose noch 88,14 Mio Barrel. Sollte sich die US-Wirtschaft schlechter entwickeln als erhofft, wird der Ölbedarf noch weiter sinken.

2012 erwartet die Opec eine tägliche Nachfrage von 89,26 Mio Barrel. Die frühere Prognose lag 40.000 Barrel höher. Auch die Internationale Energieagentur IEA hat ihre Bedarfsprognosen gesenkt. Diese lauten jetzt für dieses und nächstes Jahr 89,28 und 90,69 Mio Barrel.

Frieden in Libyen wird den Ölpreis drücken

Hinsichtlich der Entwicklung des Ölpreises ist auch entscheidend, wann Libyen wieder mit voller Kraft fördern wird. Die Opec geht von täglich 1 Mio Barrel Öl in 6 Monaten aus. In 12 bis 18 Monaten sollen es dann 1,5 Mio Barrel sein.

Auf jeden Fall wird die künftige Regierung in Libyen ein großes Interesse daran haben, die Förderung so schnell wie möglich hochzufahren. Denn das vom Bürgerkrieg gezeichnete Land hängt von den Öleinnahmen ab und braucht dringend Devisen.

Nach Berechnungen des IWF stammten im vergangenen Jahr 95% der Exporterlöse Libyens aus dem Verkauf von Öl und Gas.

An einer zügigen Produktionsaufnahme sind natürlich auch die Ölkonzerne mit einem bedeutenden Libyen-Engagement interessiert: OMV, Total, Repsol und besonders ENI. Immerhin stammen 15% der gesamten Fördermenge der Italiener aus Libyen. Die Ölproduktion in Libyen ist durch den Krieg von zuvor 1,6 Mio Barrel am Tag auf jetzt 60.000 Barrel praktisch zum Erliegen gekommen.

Eine Wiederaufnahme der Produktion würde das Ölangebot vor allem in Europa deutlich erhöhen und könnte daher zu weiteren Preisrückgängen führen. Experten halten sogar eine Produktionsausdehnung über das Niveau vom Jahresbeginn hinaus für denkbar.

Anfang der 1970er-Jahre hatte Libyen 3 Mio Barrel Öl am Tag gefördert. Mit einer Regierung, die sich ausländischen Investoren gegenüber stärker öffnet, wäre auch eine Rückkehr zu solchen Produktionsmengen möglich.

Nach Opec-Schätzungen befinden sich 47 Mrd Barrel Öl unter der libyschen Wüste. Das sind rund 3% der weltweiten Ölreserven. Derzeit werden auf der Welt etwa 31 Mrd Barrel im Jahr gefördert. Selbst wenn Libyen wieder auf Vorkriegsniveau Öl produziert, hätte es damit nur einen Anteil von knapp 2%.

Jede Million Barrel Öl spielt jedoch eine wichtige Rolle und kann den Preis erheblich beeinflussen.

Fazit

Fast alle der hier besprochenen Konzerne haben im 1. Halbjahr vom hohen Ölpreis profitiert. Lediglich bei Ölgesellschaften mit einem hohen Libyen-Anteil stagnierte der Gewinn oder ging zurück. Als weiterer Belastungsfaktor erwies sich bei den Europäern und Petrochina (6515) ein starkes Raffineriegeschäft. Total verkleinert die Sparte, BP (6504) zieht sogar die Abspaltung der Raffinerien in Erwägung.

Halliburton und Schlumberger werden langfristig von steigenden Ausgaben der Ölmultis für Erschließungsvorhaben profitieren.

Exxon, Shell und Co. haben gar keine andere Wahl, als technologisch anspruchsvolle und teure Projekte anzugehen. Denn einfach zu erschließende Quellen sind in zunehmendem Maß ausgeschöpft oder werden von mächtigen Staatskonzernen kontrolliert.

Unsere Favoriten bleiben Chevron und Occidental sowie Gazprom und Lukoil.

 
 
Bildquelle: Mike Kiev - Fotolia

Autor:

Volker Gelfarth

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Unterbewerte Aktien mit erwarteter Outperformance stellt er im kostenlosen Value Telegramm vor.