Im späten Mittwochhandel fielen die Kurse an US-Aktienmärkten plötzlich wie im Fahrstuhl rund 3 %.
Zuvor stiegen die Aktienindizes leicht in Vorwegnahme positiver Marktreaktionen auf die Erklärung des Federal-Reserve-Vorsitzenden Ben Bernanke.
400 Milliarden US-Dollar für kurzfristige Anleihen
Bereits zuvor wurde die Erwartung der „Operation Twist“ im Markt eingepreist. Bei diesem Manöver verkauft die Fed für 400 Milliarden US-Dollar kurzfristige Anleihen am Kapitalmarkt und kauft dafür zweijährige Anleihen.
Mit diesem „Dreh“ verhindert die Fed, dass ihre Bilanzsumme schrumpft. Doch viele Beobachter und Marktteilnehmer hatten eigentlich auf ein weiteres Quantitative Easing (QE3) gesetzt oder gar auf eine Absenkung des Zinses auf nicht verliehene Mittel, die die Banken bei der Notenbank angelegt haben.
Man hoffte, die Fed würde die Banken zur Kreditvergabe zwingen. Es dauerte ein bisschen, bis die Daten in den Maschinen verarbeitet waren. Doch dann kam die Verkaufswelle.
Breiter Kursrückgang an den Märkten
Am Donnerstag breitete sich die Verkaufswelle auf die asiatischen und europäischen Börsen aus. Der DAX fiel am Donnerstag um –5 % und der Hang-Seng-Index in Hongkong um
–4,85 %. Die US-Futures deuteten bereits frühzeitig auf einen tiefroten Handelsbeginn am Donnerstag in den USA hin.
Die amerikanischen Börsen eröffneten mit einem Abschlag von ca. –3 %. Ernüchterung macht sich breit, nachdem sich die Hinweise auf eine weltweite Konjunkturabschwächung mehren und die Notenbank keine aggressive Gegenmaßnahme einläutete.
Weltweite Konjunkturdaten trüben sich ein
Die weltweiten ökonomischen Daten trüben sich allmählich ein. Beispielsweise zeigt der vorläufige Industrie-Einkaufsmanagerindex der HSBC einen breiten Abschwung der chinesischen Wirtschaft an. Auch für die europäische Wirtschaft zeigen Indikatoren auf eine Kontraaktion der Wirtschaftstätigkeit im September. Somit deutet sich eine synchrone Abschwächung in den USA, Europa und Asien an.
In dieses Bild fügt sich der dramatische Appell des Internationalen Währungsfonds (IWF) nahtlos ein. Dieser forderte die beiden großen Notenbanken – die Federal Reserve und die EZB – dazu auf, den sich anbahnenden Abschwung zu bekämpfen.
So soll die EZB ihren Leitzins senken und die Käufe von Anleihen der südlichen Eurostaaten unvermindert fortführen. Der IWF-Volkswirt Olivier Blanchard sieht die Weltwirtschaft an eine „gefährliche Phase“ angelangt. Vor kurzem hat der amerikanische Finanzminister Geithner die deutsche Regierung zu einer schuldenfinanzierten Wirtschaftsankurbelung aufgefordert.
Die schlimmste Befürchtung: Deflation
Durch die Sparmaßnahmen im südlichen Europa fehlt es nun an Kaufkraft. Es wird verzweifelt nach neuen Schuldnern gesucht, die zusätzliche Nachfrage schaffen. Da der
US-Senat dem Präsidenten hier Schranken auferlegte und China die Kreditvergabe drosselt, droht der Welt die Schrumpfung der Kreditvolumen, also eine Deflation.
Auch die Analysen des Investmentteams des größten Anleihenhändlers Pimco sehen die Welt auf einem schmalen Grat zwischen Deflation und hoher Inflation. Eine zu starke Sparpolitik und eine beschränkte Kreditvergabe der Staaten bergen die Gefahr, dass sich das globale Gleichgewicht in den deflationären Bereich verschiebe.
Das wäre genau das, was Japan in den letzten 20 Jahren erlebt hat. Die andere Lösung, gezielte hohe Inflation, wird aber in Europa auf harten Widerstand der Deutschen, Finnen, Niederländer usw. stoßen.



