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Outperformance-Zertifikate: Gewinnhebel nur bei Kursgewinnen

Sie wollen Ihre Gewinne mit einem Hebel steigern? Dann kommen natürlich Optionsscheine und Hebel-Zertifikaten dafür in Frage. Allerdings gehen Sie mit solchen Anlagen auch ein entsprechend hohes Risiko ein – ein Totalverlust ist dabei nicht ausgeschlossen.

Falls Ihnen dies zu riskant ist, bieten Ihnen Outperformance-Zertifikate eine interessante Alternative. Hier fällt die Hebelwirkung zwar nicht ganz so hoch aus, dafür sind die Risiken deutlich geringer.

Hebelwirkung nur in die „richtige“ Richtung

Bei Outperformance-Zertifikaten wirkt der Hebel, also der Faktor mit dem die Kursveränderungen des zugrunde liegenden Basiswerts (Aktie oder Index) multipliziert werden, nur auf steigende Kurse. Bei sinkenden Kursen des Basiswerts partizipieren Sie an den Verlusten 1:1.

Eine Gewinnobergrenze existiert dabei nicht. Oberhalb des Basiswerts haben Sie mit Outperformance-Zertifikaten also immer einen höheren Kursgewinn als mit der jeweiligen Aktie.

So funktionieren Outperformance-Zertifikate

Jedes Outperformance-Zertifikat besitzt 2 wichtige Kennzahlen: die Partizipationsrate und den Basispreis.

Die Partizipationsrate gibt den Hebeleffekt des Zertifikats an. Eine Partizipationsrate von 200% bedeutet, dass alle Kursgewinne des Basiswerts mit dem Faktor 2 multipliziert werden.

Ausgangsgröße ist dabei der Basispreis. Er legt das Startniveau des Basiswerts bei Auflage des Zertifikats fest. Vom Basispreis aus nehmen Sie mit einem Outperformance-Zertifikat an allen Kurssteigerungen in Höhe der Partizipationsrate teil. Kursverluste des Basiswerts bildet das Zertifikat 1:1 ab.

Je höher die Dividendenrendite des Basiswerts, desto höher fällt auch Ihre Partizipationsrate aus. Eine Partizipationsrate von 150% (entspricht einem Hebel von 1,5) macht beispielsweise aus einem Gewinn von 50% mit dem Basiswert einen Gewinn von 75% mit dem Outperformance-Zertifikat.

Der Outperformance-Mechanismus wirkt erst am Laufzeitende im vollen Umfang. Während der Laufzeit notiert das Zertifikat nach Kursgewinnen des Basiswerts oftmals unterhalb seines theoretischen Werts.

Dies bedeutet für Sie sowohl eine Chance als auch ein Risiko. Wenn Sie ein bereits länger am Markt befindliches Outperformance-Zertifikat erwerben, können Sie bei einer Seitwärtsbewegung bis zum Laufzeitende einen kleinen Zusatzgewinn einstreichen.

Beachten Sie dabei aber: Wenn das Zertifikat seine (gehebelten) Kursgewinne wieder verliert, wirkt der Hebel in diesem Fall auch nach unten, bis der Nominalwert wieder erreicht ist.

Der Preis: Dividendenverzicht

Selbstverständlich erhalten Sie die Hebelwirkung bei steigenden Kursen (Outperformance-Mechanismus) nicht geschenkt. Die Bank, die das Zertifikat auflegt, behält als Gegenleistung die Dividendenausschüttung der zugrunde liegenden Aktie ein.

Daher lohnt sich der Kauf eines Outperformance-Zertifikats für Sie auch nur, wenn der Kurs des Basiswerts danach tatsächlich steigt. Bei fallendem oder stagnierendem Kurs haben Sie die gleiche Kursperformance wie die Aktie. Da Sie aber auf die Dividende verzichten, machen Sie ein schlechteres Geschäft als mit dem Direktinvestment in die Aktie.

Betrachten Sie das Ganze so: Sie investieren Ihre Dividende für die Chance auf überproportionale Gewinne. Im Vergleich zu Optionsscheinen und Hebel-Zertifikaten bleibt Ihr Risiko so überschaubar.


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Outperformancezertifikate handeln – Beispiel

Angenommen der Aktienkurs liegt bei 80 € und der Anleger kauft das Zertifikat für 90 €. Festgelegt ist die Kursschwelle bei 100 € sowie eine Partizipationsrate mit 150%. Am Ende der Laufzeit steht die Aktie beispielsweise bei 120 €.

Dann wird der Gewinn von 20 €, der sich von der Kursschwelle ab bis zur Endnotierung ergeben hat, mit 1,5 malgenommen, was dann 30 € ergibt. Der Anleger bekommt also nicht nur 120 €, sondern insgesamt 150 €. Mit der Investition von 90 € für das Zertifikat, konnte er somit 60 € Gewinn herausholen.

Hätte der Anleger stattdessen direkt in die Aktie investiert, wären es nur 40 € Gewinn. Im Vergleich zur Direktanlage brachte das Outperformancezertifikat einen Vorsprung von 20 €, und das obwohl beim Kauf der Preis fürs Zertifikat 10 € teurer war als die Aktie.

Vorsicht Negativhebel: Einstiegskurs und Preis müssen passen

Noch besser ist der Effekt, wenn der Preis fürs Zertifikat und die Aktie als Basiswert gleichauf liegen. Doch Vorsicht, das Verhältnis darf sich nicht umkehren. Wer denkt, ein Schnäppchen zu machen, wenn das Zertifikat weniger kostet als die mittlerweile höhere Aktiennotierung, der geht aufs Glatteis.

Notiert die Aktie etwa schon oberhalb der Kursschwelle (Basispreis), besteht das Risiko, dass sich der Turboeffekt sofort auch auf Kursabschläge auswirkt. Ab diesem Bereich nämlich geht die Hebelwirkung in beide Richtungen. Etwas Abstand erhöht die Sicherheit.

Wer dies berücksichtigt, trägt bei Kursabschlägen kein größeres Risiko als beim direkten Aktieninvestment. Bleibt die Frage, womit man den Renditevorteil erkauft. Ganz einfach mit der Dividende, die der Emittent einstreicht. Der Anleger sieht davon nichts. Deshalb beziehen sich Outperformancezertifikate auch nur auf Basiswerte mit Dividendenzahlung.

Das ist übrigens genauso wie bei Sprinter- bzw. Sprint-Zertifikaten. Die funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie Outperformancezertifikate. Einziger Unterschied: Bei Sprintern sind die Gewinne durch einen Cap begrenzt, denn bei ihnen sind die Hebel meist höher. Outperformancezertifikate hingegen kennen keine Obergrenze. Deswegen sind sie für Anleger geeignet, die hohe Kurssteigerungen erwarten.

13. Juni 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.