Liebe Leser,
auch heute gibt es für die Kurse kein Halten mehr.
Besonders am Vormittag reagierte die blanke Panik.
Das hat auch mich sehr überrascht. Kurz nach dem Börsenstart stieg beispielsweise der DAX leicht an und überwand sogar kurzzeitig die 6.000 Punkte Marke. Ich war beruhigt und arbeitete für einen Stunden an einem Text.
Danach traute ich meinen Augen kaum. In eben dieser Stunde hatte der DAX nicht nur gedreht. Es war zu einem massiven Kursrutsch gekommen und der DAX stand nur noch knapp über 5.500 Punkten. Eine Volatilität, also Schwankungsbreite in einem Index von 10% in einer Stunde – da kann man auf jeden Fall von Panik sprechen.
Aber diese Panik und vor allem auch hektisches Handeln sind in solchen Zeiten keine guten Berater an der Börse. Aber es fällt natürlich schwer nichts zu tun. Doch das ist in vielen Fällen das Beste.
Wie so oft, lohnt sich bei einer solchen Krise der Blick auf die großen Investoren. Was machen die in diesen Tagen?
Ein immer wieder oft angeführtes Beispiel ist Warren Buffett. Zum Einen hört man in diesen Tagen wieder häufiger sein bekanntes Zitat: „Be greedy when others are fearful an fearful when others are greedy.
Übersetzt heißt das: Man soll gierig sein, also einsteigen wenn die anderen Angst haben, und selbst Angst haben wenn die Anderen gierig sind. Bei der aktuellen Panik ist es aber für einen Einstieg wohl noch zu früh.
Immerhin hat Buffett gestern erklärt, dass er auch weiterhin US-Staatsanleihen kaufen werde - trotz der Abstufung der US-Bonität durch die Ratingagentur S&P.
Insgesamt ist Buffett aber ein Investor, der Krisen immer auch als Chancen genutzt hat. Ein besonders lukrative Beispiel ist sein Goldman Sachs Deal während der Finanzkrise. Kurz nach der Lehman Pleite war das Vertrauen der Banken untereinander nahe dem Nullpunkt. Auch Goldman Sachs benötigte dringend Kapital.
In dieser Situation stand Buffett parat und sicherte Goldman Sachs eine kurzfristige Kapitalspritze von 5 Mrd. Dollar zu. Seit 2009 haben sich Bankaktien erst einmal gut entwickelt und Buffett hat mit den Goldman Sachs Aktien gutes Geld verdient. Zudem er hatte sich noch eine 10%-ige Dividende zusichern lassen.
Bank of America verliert 20% an einem Tag
In der aktuellen Krise stehen einmal mehr Bankaktien im Fokus. Den größten Verlust bei den US-Finanzwerten gab es bei der Bank of America. Neben der schwachen Marktstimmung sorgten vor allem auch noch Berichte über eine mögliche Klage des Versicherungskonzerns AIG für den Absturz.
Dabei geht es wohl in der Klage um „massiven Betrug“ in Zusammenhang mit Immobilienkrediten. Laut einiger Medienberichte geht es hier um Schadenersatzzahlungen in Höhe von 10 Mrd. Dollar.
Heute hat sich der Kurs wieder etwas stabilisiert. Aber auf dem aktuellen Niveau von 4,75 Euro war die Aktie zuletzt im April 2009.
US-Börsen kurz nach dem Start im Plus
Heute nun legen am Nachmittag die maßgeblichen Wall Street Indizes leicht zu. Der Dow Jones hat beispielsweise den Sprung über die 11.000 Punkte-Marke wieder geschafft. Ist das der Beginn einer Marktberuhigung? Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen – vor allem nicht nach so einem panischen Vormittag an den Märkten.
Jetzt heißt es wirklich Ruhe bewahren und vielleicht eine alte Fußballerweisheit auf die Börse zu beziehen: „Der nächste Handelstag ist immer der schwerste.“
Bis morgen,
Heiko Böhmer
Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“



