von Michael Kelnberger

Panikverkäufe ändern nichts am langfristigen Aufwärtstrend

Die Börsen befinden sich im Würgegriff der Schuldenkrise. Doch trotz der Panikverkäufe ist der langfristige Aufwärtstrend weiter intakt.

Die Börsen befinden sich im Würgegriff der Schuldenkrise. Doch trotz der Panikverkäufe ist der langfristige Aufwärtstrend weiter intakt.

Die Aktienmärkte machen es den Anlegern in diesem Jahr nicht leicht. Es ist nicht einmal eine Woche her, da sah alles danach aus, als könne der DAX in Kürze sein Jahreshoch in Angriff nehmen.

Nun sorgte die Angst vor einer Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien und Spanien erneut für einen herben Rückschlag.

Flucht aus italienischen Staatsanleihen

An den Märkten spiegelt sich derzeit die Furcht wider, die griechische Tragödie könnte sich in Italien wiederholen. Anleger flüchteten zum Wochenauftakt aus italienischen Staatsanleihen.

Im Gegenzug stiegen die Renditen für zehnjährige Papiere erstmals seit der Einführung des Euro auf über 6%.

Die Sorge um Italien sorgte für regelrechte Panikverkäufe an den Finanzmärkten. Der DAX rutschte innerhalb von drei Handelstagen um mehr als 500 Punkte ab, der Euro verlor gegenüber dem Dollar seit Freitag rund 5 Cents.

Italien ist nicht Griechenland

Auslöser für die Turbulenzen sind Befürchtungen, ein Streit zwischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi und Finanzminister Giulio Tremonti könnte die Regierung lähmen und beim Abbau des beträchtlichen Schuldenbergs behindern.

Italiens Verbindlichkeiten belaufen sich auf fast 120% des Bruttoinlandsprodukts. Dies ist die zweithöchste Quote innerhalb der Eurozone – nach der griechischen.

Trotz der ebenfalls sehr hohen Verschuldung hinkt der Vergleich mit Griechenland. Die italienische Regierung hat erst kürzlich ein neues Sparprogramm verabschiedet. Die Neuverschuldung dürfte in diesem Jahr auf rund 4% sinken und liegt damit niedriger als im Schnitt in der Eurozone.

Außerdem ist Italien ein anderes wirtschaftliches Kaliber mit einer – im Gegensatz zu Griechenland – starken Industrie.

Die Politik ist gefragt

Die Gefahr, die von dem steilen Anstieg der Renditen an den Finanzmärkten ausgeht, ist dennoch nicht zu unterschätzen.

Bei der Emission eines Geldmarktpapiers mit zwölfmonatiger Laufzeit im Volumen von 6,75 Mrd. Euro musste Italien gestern eine Rendite von 3,67% bezahlen – der höchste Zinssatz seit September 2008. Bei einer vergleichbaren Auktion hatte das Land zuletzt nur 2,14% bieten müssen.

Die Finanzierungskosten könnten weiter drastisch ansteigen, sollten die Rating-Agenturen ihre Bonitätseinstufungen für das Mittelmeerland senken.

Deshalb ist jetzt die Politik gefragt. Die Regierungen müssen den Finanzmärkten glaubwürdige Signale senden, dass sie die Schuldenkrise im Griff haben. Der erste Schritt ist, dass das Rettungspaket für Griechenland endlich in trockene Tücher gebracht wird. Ich gehe davon aus, dass sich die Lage an den Märkten dann schnell wieder normalisieren wird.

Schuldenkrise überschattet alles

Zuletzt herrschte Panik an den Börsen, die Schuldenkrise überschattet derzeit alles. Dabei sind die Aussichten alles andere als schlecht. Der Start in die Berichtssaison mit Alcoa verlief verheißungsvoll. Die deutsche Wirtschaft boomt wie nie seit der Wiedervereinigung und – nicht zu vergessen – Aktien sind äußerst günstig bewertet. So kommen die DAX-Werte im Schnitt auf ein KGV von knapp über 9.

Reaktion ist überzogen – Aufwärtstrend weiter intakt

Wenn die Börsen in Panik verfallen, heißt es Ruhe zu bewahren und möglichst sachlich zu analysieren. Mir hilft in diesem Fall immer ein Blick auf die Charts. Und der sagt mir auch diesmal klar und deutlich, dass die Reaktion der Märkte – wieder einmal – völlig überzogen war.

Der DAX hat im gestrigen Verlauf die 7.000er-Marke und die knapp darüber verlaufende, steigende 200-Tage-Linie erfolgreich getestet und von hier aus eine kräftige Erholung gestartet.

Wenngleich die zähe Konsolidierung der letzten Monate nach dem neuerlichen Rückschlag erst einmal andauert, ist der übergeordnete Aufwärtstrend weiterhin nicht in Gefahr.

 
 
Bildquelle: Tanja Bagusat - Fotolia

Autor:

Michael Kelnberger

Chefanalyst Michael Kelnberger setzt auf die nachweislich erfolgreichste Anlage-Strategie aller Zeiten: Die Trend Strategie. 

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