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PE-Ratio, Forward-PE-Ratio, Shiller-PE-Ratio: Varianten des KGV im Überblick

Gleich ob es um einzelne Aktien oder ganze Aktienmärkte geht – die PE-Ratio ist eine Kennziffer, die zeigt, ob eine Über- oder Unterbewertung vorliegt. Und, ob es sich lohnt, zu kaufen oder auszusteigen.

Bei dieser Price-Earnings-Ratio handelt es sich um nichts anderes als das altbekannte Kurs-Gewinn-Verhältnis, KGV. Der Begriff PE-Ratio wird vorwiegend internationalen Zusammenhang verwendet. Im amerikanischen S&P 500 etwa wird von der PE-Ratio gesprochen, im DAX vom KGV. Im DAX ist sie aktuell schlechter, im S&P etwas besser.

PE-Ratio – Ermittlung und Aussage

PE-Ratio und KGV werden nach demselben Verfahren ermittelt: Der Kurs einer Aktie wird zu ihrem Gewinnanteil ins Verhältnis gesetzt. Liegt das Ergebnis unter einem Wert von 10, ist die Aktie günstig.

Das Unternehmen braucht weniger als 10 Jahre, um mit Gewinnen den derzeitigen Wert seiner Aktien zu erwirtschaften. Braucht es mehr als 20 Jahre, ist die Aktie teuer. Ein niedriges KGV ist also ein Kaufsignal.

Doch bevor man zuschlägt, sollte man genauer hinsehen, ob es sich aus dem hohen Ertrag oder dem Kurs ergibt.

Die PE-Ratio ist stets mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Das liegt zum einen an der Frage, wie der Gewinn im Jahresabschluss zustande kommt, denn Zahlen lassen sich schönrechnen.

Zum anderen ist zu unterscheiden, ob eine vorliegende PE-Ratio mit dem aktuellen Überschuss oder einem erwarteten Gewinn errechnet wurde. Im Englischen unterscheidet man entsprechend zwischen der Trailing-PE-Ratio und der Forward-PE-Ratio.

PE-Ratio – wo Vergleiche sinnvoll sind

Die PE-Ratio ist die weltweit beliebteste Kennziffer ist, muss aber im richtigen Kontext angewendet werden. So lassen sich Verzerrungen nur vermeiden, wenn die Gewinne vergleichbar sind.

Zudem sollten KGVs nur mit anderen Aktien aus derselben Branche verglichen werden. Richtwert ist der jeweilige Durchschnitt. Anhand von Durchschnittswerten ist natürlich auch ein Abgleich zum Gesamtmarkt möglich.

So präsentieren sich bei einem durchschnittlichen DAX-KGV von derzeit rund 17 die Titel von Münchner Rück, Daimler oder Allianz mit KGVs unter 10 als günstig. Bei 8 Unternehmen liegen die Werte über 20. Schlusslichter sind Commerzbank und Lanxess mit KGVs über 30. Die Deutsche Bank liegt bei 51,76.

PE-Ratio im DAX gestiegen, im S&P verbessert

Insgesamt befinden sich 18 Titel über und 11 unter dem langjährigen Durchschnitts-KGV des DAX von 14,8. Die Aktien von Merck übrigens liegt genau im Schnitt. Das DAX-KGV hat sich gegenüber den Vorjahren verschlechtert.

Hauptgrund: Die Erträge der Unternehmen stagnieren und sind teilweise gesunken. Die Kurse hingegen sind der Gewinnentwicklung vorausgeeilt und seit 2009 immer weiter gestiegen.

Gleichzeitig ist mit dem Anlagenotstand durch das niedrige Zinsniveau und dem Run auf Aktien eine Überbewertung entstanden, die sich mit den nachgebenden Gewinnen verstärkt.

Diese Tendenz ist auch am amerikanischen Aktienmarkt zu beobachten. Dabei wird gerne die sog. Shiller-PE-Ratio verwendet. Bei ihr wird der Kurs ins Verhältnis zum Gewinn der letzten 10 Jahre gesetzt.

Diese geglättete Größe gilt gerade bei Langfristvergleichen als zuverlässiger. Allerdings sind hier die Werte meist höher. Mit dem Shiller-KGV läge der DAX statt bei 17 auf 25.

Die aktuelle Shiller-PE-Ratio des S&P500 beträgt 19, nachdem sie Anfang des Jahres auf über 26 gestiegen war. Damit hat sie sich dem Durchschnittswert von 16,5 wieder angenähert. Die US-Wirtschaft legt wieder zu.

Langjähriges Shiller-PE-Ratio und Zinsniveau im S&P500

pe-ratio

Keine vorschnellen Rückschlüsse

Der naheliegende Schluss wäre, dass sich Anleger nun verstärkt amerikanischen Titeln zuwenden sollten. Doch hier ist Vorsicht geboten. Es steht das zweite Jahr nach der US-Präsidentenwahl an – für die Börsen traditionell eine schlechtere Zeit.

Dass sich im Mid-Term-Jahr die Politik weniger um deren Wohlergehen kümmert, weil keine Wahlen anstehen, zeigen die regelmäßigen Kursrückgänge in der Vergangenheit.

Und was den DAX angeht, so ist mit einer Erholung der europäischen Wirtschaft eine Rückkehr des durchschnittlichen KGV zu niedrigeren Werten nicht ausgeschlossen. Die Haussephase jedoch dürfte vorbei sein.

Dennoch bleiben Aktien auch weiterhin interessant, die die Zinsen dürften auch in naher Zukunft nicht nennenswert steigen.

7. Juni 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.