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Pflegestufen: So erfolgt die Berechnung

Wenn Frau Müller im Alter pflegebedürftig  wird, müssen sie bzw. ihre Angehörigen zunächst einen Antrag auf Pflegeleistungen bei  der zuständigen Krankenkasse stellen. Diese schickt dann einen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) vorbei, der die Einstufung in die jeweilige Pflegestufe vornimmt.

Für diese Einstufung ist es sinnvoll, vorher in einem Pflegetagebuch zu dokumentieren, bei welchen Verrichtungen des täglichen Lebens Frau Müller Hilfe braucht. Dies kann zum Beispiel beim Aufstehen und Ankleiden, bei der Mund- und Körperhygiene oder bei der Zubereitung und Zuführung der Nahrung erforderlich sein. Den individuell notwendigen Zeitaufwand zu ermitteln, ist eine der Hauptaufgaben des MDK.

Pflegestufen: Berechnung anhand der Begutachtungsrichtlinien

Ein wichtiges Kriterium ist der zeitliche Aufwand, den eine Laienpflegekraft durchschnittlich für die Durchführung von Pflegemaßnahmen aufwenden muss. Für die häufigsten Pflegeverrichtungen wurden Zeitfenster ermittelt und in die Begutachtungsrichtlinien aufgenommen.

Wenn Frau Müller zum Beispiel schwer gehbehindert ist und vom Wohnzimmer in die Küche zum Essen 7 Minuten lang begleitet werden muss, kann der erforderliche Zeitaufwand hierfür anerkannt werden. Sind die Voraussetzungen insgesamt erfüllt, können Leistungen aus der Pflegeversicherung für die Pflegestufen 0, I, II und III bewilligt werden.

Voraussetzungen für die Zuordnung zu einer bestimmten Pflegestufe

Um in eine bestimmte Pflegestufe eingeordnet zu werden, muss man regelmäßig in einem bestimmten Zeitumfang auf Hilfe angewiesen sein. Um die Pflegestufe I zu erreichen, müssen regelmäßig und auf Dauer durchschnittlich Hilfen im Umfang von mindestens 90 Minuten erforderlich sein.

Bei der Berechnung der Pflegestufe I müssen wenigstens 46 Minuten auf mindestens zwei Vorrichtungen der Grundpflege entfallen, wie beispielsweise Hilfe beim Aufstehen, Waschen, Rasieren, Zähne putzen und Ankleiden. So werden für das Zähneputzen 5 Minuten anerkannt und für das Waschen des Unterkörpers durch eine Pflegeperson zum Beispiel 12 bis 15 Minuten.

Viele Menschen mit Hilfebedarf sind jedoch nicht auf so umfangreiche Hilfe angewiesen, wie zum Beispiel Demenzkranke. Diese werden daher vom Gutachter in Pflegestufe 0 eingestuft.

In Pflegestufe II wird man eingestuft, wenn täglich durchschnittlich mindestens drei Stunden lang Hilfe geleistet werden muss. Davon müssen mindestens zwei Stunden auf die Grundpflege entfallen. Zusätzlich muss die Grundpflege täglich zu mindestens drei verschiedenen Zeiten nötig sein. Weiterhin muss mehrmals wöchentlich hauswirtschaftliche Hilfe erforderlich sein.

Diese ist zu bewilligen, wenn die pflegebedürftige Person beispielsweise nicht in der Lage ist, selbst an regelmäßiges Essen zu denken oder sich ein Frühstück zusammenzustellen. Muss das Essen dann zerkleinert werden, können 2 bis 3 Minuten angerechnet werden. Ist es erforderlich, die Nahrung Bissen für Bissen anzureichen, kommen für eine Hauptmahlzeit noch einmal 15 bis 20 Minuten hinzu.

Um in Pflegestufe III eingestuft zu werden, muss täglich durchschnittlich mindestens fünf Stunden lang Hilfe geleistet werden und davon müssen mindestens vier Stunden auf die Grundpflege entfallen. Dabei muss der konkrete Hilfebedarf auch nachts gegeben sein.

Wenn stationäre Pflege notwendig ist

Stationäre Pflegeeinrichtungen dürfen in der Regel nur Menschen aufnehmen, denen im Gutachten des MDK bescheinigt wurde, dass in ihrem Fall eine vollstationäre Pflege erforderlich ist.

Dabei werden von der Pflegeversicherung längst nicht alle Kosten übernommen. Zwar werden die Pflegekosten übernommen, nicht jedoch die Kosten für Unterbringung und Verpflegung des Pflegebedürftigen. Deshalb ist eine private Pflegezusatzversicherung sinnvoll, um die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung zu ergänzen.

Hat der MDK den individuell nötigen Zeitaufwand für die Pflege von Frau Müller ermittelt, erlässt die Krankenkasse einen Pflegebescheid mit der Einstufung in die jeweilige Pflegestufe. Gegen diesen Bescheid kann Sie schriftlich innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen.

30. August 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Dr. Jürgen Nawatzki
Von: Dr. Jürgen Nawatzki. Über den Autor

Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war Dr. Jürgen Nawatzki u. a. als Finanzberater tätig und hat individuelle Lösungen zur Vorsorge, Immobilienfinanzierung und zum Kapitalaufbau für Privatkunden entwickelt. Als Autor möchte er seinen Lesern Informationen und Hintergrundwissen zu Wirtschafts- und Finanzthemen liefern.