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Pflegestufeneinteilung: das sind die Kriterien

Der demographische Wandel stellt an eine immer älter werdende Gesellschaft neue Herausforderungen. Auch die Pflegeversicherung ist hiervon betroffen. Mussten Rentner bis 2004 lediglich 50% ihrer Pflegeversicherung selbst bezahlen, müssen sie die Beiträge nun im vollen Umfang tragen. Liegt eine Pflegebedürftigkeit vor, wird mit der Pflegeversicherung jedoch lediglich die Grundversorgung abgedeckt. Private Vorsorge sollte demnach nicht vergessen werden.

Kriterien der Pflegestufeneinteilung

Die Pflegestufeneinteilung wird je nach Art der Betreuungsleistungen vorgenommen. Hierbei sind allgemein 3 Pflegestufeneinteilungen zu unterscheiden, eine Einteilung in Pflegestufe 0 kann seit 2008 ebenfalls vorgenommen werden.

Die Kriterien der Pflegeversicherungen für die Einteilung in bestimmte Pflegestufen sind streng bürokratisch geregelt.

Zum einen darf erst ab einer Pflegebedürftigkeit ab 6 Monaten eine Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden. Dann muss von den Mitarbeitern der Medizinischen Dienste der Krankenkassen festgestellt werden, welche Hilfestellungen der Antragsteller in der Grundpflege benötigt.

Anhand festgelegter Tabellen kann der Zeitaufwand der täglichen Pflege in den Bereichen Körperpflege, Ernährung und Mobilität errechnet werden: das vollständiges Waschen des Pflegebedürftigen wird z.B. mit 25 Minuten veranschlagt, Zahnpflege mit 5 Minuten.

Pflegestufen 1-3

Die Pflegestufe 1 beinhaltet mindestens 46 Minuten Grundpflege am Tag. Inklusive der hauswirtschaftlichen Tätigkeiten muss der tägliche Pflegeaufwand bei mindestens 90 Minuten liegen, davon müssen 2 Tätigkeiten auf die Grundpflege entfallen.

Die Pflegestufe 2 beinhaltet mindestens 120 Minuten tägliche Grundpflege, der gesamte Pflegeaufwand beträgt 180 Minuten. Die Hilfestellungen müssen zudem an 3 verschiedenen Zeiten am Tag stattfinden.

In der Pflegestufe 3 werden 240 Minuten für die tägliche Grundpflege veranschlagt, der tägliche Gesamtpflegeaufwand beträgt 300 Minuten. Es besteht zudem eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung.

Die neue Pflegestufe 0

Die Pflegestufen 1-3 konzentrieren sich stark auf die körperlichen Belange der Pflegebedürftigen, vernachlässigen jedoch den Hilfebedarf bei psychischen Erkrankungen wie etwa der Alzheimer-Krankheit. Der Schwerpunkt der Pflegestufen liegt auf der Grundpflege, die Freizeitgestaltung und eine allgemeine Betreuung spielen hierbei keine Rolle.

Seit 2008 besteht für Menschen, die regelmäßig Unterstützung brauchen, die Möglichkeit, in die Pflegestufe 0 aufgenommen zu werden. Pflegegeld und Sachleistungen können beantragt werden.

Die Pflegestufe 0 bezeichnet keine Stufe im Sinne der Pflegeversicherung, soll jedoch diejenigen Pflegebedürftigen auffangen, die noch nicht die Voraussetzungen der Pflegestufe 1 erfüllen, jedoch auf Hilfe angewiesen sind, um weiter ihren eigenen Haushalt führen zu können.

Kritik am System der Pfelegestufeneinteilung

Die Pflegestufeneinteilung ist mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden. Die Feststellung der tatsächlichen Pflegebedürftigkeit wird oftmals akribisch nachgeprüft, die Kosten dieser Prüfung sind durch den hohen Zeitaufwand und dem Personaleinsatz enorm.

Zudem wird kritisiert, dass Pflegeheime und pflegende Angehörige versucht sind, die Pflegebedürftigen hilfsbedürftiger erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich sind. Denn aktive oder wieder aktivierte Pflegebedürftige erhalten weniger Leistungen, obwohl der Aufwand und die Kosten der Pflege dennoch enorm sind. Für Angehörige birgt somit die Pflege ihrer Verwandtschaft sogar bisweilen die Gefahr der eigenen Altersarmut.

Eine Reform der Pflegeversicherungen soll in den kommenden Jahren weitere Hilfestellungen leisten. Die Einteilung in 5 Pflegestufen soll insbesondere Demenzkranken zugute kommen. Sie erhalten mehr Geld aus der Pflegeversicherung. Zudem wird der Fokus von der Grundversorgung auf weitere Bereiche wie geistige Fähigkeiten, Selbstversorgung und soziale Kontakten erweitert.

Inwiefern die Reform den Pflegebedürftigen zugute kommt, bleibt bis zur ihrer tatsächlichen Umsetzung 2017 noch abzuwarten. Wem die gesetzliche Umsetzung der Pflegeversicherung nicht ausreicht, der kann seine Versicherungslücken immer noch mit einer privaten Pflegeversicherung schließen.

20. August 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sonja Hüsken. Über den Autor

Schon vor ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre beschäftigte sich Sonja Hüsken intensiv mit dem Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft und der Frage nach der richtigen Vorsorge. Immer im Fokus: Der Mehrwert der Information für den Leser.