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Pflegeversicherungsantrag abgeschickt? Diese Fallen lauern bei der Bewilligung

Mit fortschreitendem Alter nimmt die Pflegebedürftigkeit zu. Der Toilettengang, das Essen oder morgendliches Anziehen können nun nicht mehr alleine verrichtet werden und selbst für die Angehörigen ist die Betreuung zu zeitaufwändig. Sobald die Betreuung durch die Angehörigen alleine nicht mehr tragbar ist, wird es nötig einen Pflegeantrag zu stellen.

Eine fortschreitende Demenzerkrankung oder starke Senilität können die Gründe dafür sein. Um diesen Antrag zu stellen, müssen zunächst einige Voraussetzungen erfüllt sein. Doch selbst wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, heißt es noch lange nicht, dass der Antrag auch bewilligt wird.

Bei der Prüfung der Pflegebedürftigkeit der betroffenen Person schickt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) Mitarbeiter ins häusliche Umfeld, um die Situation vor Ort zu begutachten. Dabei lauern einige Fallen, die Angehörige umgehen sollten. So geben sich sowohl die Pflegebedürftigen als auch die pflegenden Angehörigen (oder eine bereits eingestellte Pflegekraft) häufig zu viel Mühe während der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung, um sich von ihrer besten Seite zu zeigen.

Die Pflegebedürftigen können sich dabei zu fit zeigen, die Pflegekräfte überengagiert. Die Pflegebedürftigkeit einer Person kann dann falsch eingeschätzt werden, und im schlimmsten Fall wird der Antrag nicht bewilligt. Um bei der Begutachtung durch den MDK ein gutes und authentisches Bild abzugeben, gibt es einige Tipps.

Die Bewilligung des Pflegeversicherungsantrags erfolgt durch die Gutachter des MDK

Nachdem der Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung gewissenhaft ausgefüllt und an die zuständige Pflegekasse geschickt wurde, beauftragt diese den MDK. Er soll das Pflegegutachten erstellen. Das Pflegegutachten beruht auf den eingeschickten Unterlagen (Atteste, Röntgenbilder, Gutachten von Ärzten etc.) und auf einem persönlichen Besuch des Gutachters.

Falls schon zum Zeitpunkt der Antragsstellung bereits eine Pflegekraft zur Unterstützung benötigt wird, muss diese zunächst aus eigener Tasche bezahlt werden. Für den Fall, dass der Pflegeversicherungsantrag genehmigt wird, werden die Kosten von der Pflegekasse im Nachhinein übernommen – allerdings nur rückwirkend bis zum Zeitpunkt der Antragsstellung und bis zur Höhe der von der Kasse genehmigten Leistung.

Jede Pflegeleistung sollte genau dokumentiert werden

Wichtig ist, dass Betroffene ab dem Zeitpunkt der Antragsstellung oder wenn möglich auch schon davor ein Pflegetagebuch führen. In diesem Tagebuch kann die erbrachte Hilfe minutiös dokumentiert werden. Das Pflegetagebuch ist ein wichtiger Beleg, um den tatsächlichen Pflegebedarf einer Person nachzuweisen. So sollte jede Kleinigkeit die Teil der Hilfestellungen ist, aufgeschrieben werden.

Das Verlassen der Wohnung für einen Arztbesuch inklusive der Wartezeit zählt ebenso als Pflegeleistung wie das Waschen oder Anziehen einer Person. Auch ob eine Person ein hohes Körpergewicht hat oder die Pflege nachts erfolgt, können Aspekte sein, die sich positiv auf den Zeitaufwand auswirken, auf Basis dessen die Einstufung erfolgt.

Pflegeversicherungsantrag: So fallen Sie bei der Begutachtung durch den MDK nicht durch

Bei einem Pflegeversicherungsantrag lauern zwar keine direkten Fallen, allerdings sollten beim Begutachtungstermin durch den MDK einige Dinge beachtet werden. Pflegebedürftige Personen können sich durch den Besuch motiviert zeigen und so deutlich fitter wirken, als sie es tatsächlich sind. Im Vorfeld sollte versucht werden, den Besuch des MDK anzukündigen und deutlich zu machen, dass es sehr wichtig ist, ein authentisches Bild abzuliefern. Die pflegebedürftige Person sollte während der Begutachtung nicht alleine sein.

Die häusliche Situation sollte so authentisch wie möglich dargestellt werden, da sonst die Pflegestufe nicht richtig eingeschätzt wird und im schlimmsten Fall der Antrag gar nicht erst bewilligt wird. Weder zu leidend noch zu fit sollte sich die pflegebedürftige Person zeigen. Die Pflegekraft sollte ebenfalls darauf achten, alles so normal zu machen wie immer.

So hoch sind die Pflegeleistungen

In der Pflegestufe 1 beispielsweise (erhebliche Pflegebedürftigkeit, ohne Demenz) erhalten Betroffene für die häusliche Pflege 244 € Pflegegeld oder 468 € für Sachleistungen. Ab 2017 erhöhen sich letztere um satte 221 € auf  689 €. Für die vollstationäre Pflege übernimmt die Pflegeversicherung in Stufe 1  1.064 € (Stand 2016).

Bei einer Ablehnung des Antrags können die Antragsteller binnen 4 Wochen Widerspruch einlegen. Falls noch nicht geschehen, sollte dann unbedingt ein Pflegetagebuch geführt werden, um die notwendige Pflegeleistung minutiös zu dokumentieren. Häufig ist das nämlich der Grund, weshalb Anträge scheitern. Hat ein erneuter Antrag auch keinen Erfolg, kann vor dem Sozialgericht geklagt werden.

Das müssen Antragssteller wissen

Nach dem Stellen eines Pflegeversicherungsantrags ist die Arbeit noch nicht getan. Für den Besuch durch den MDK sollte versucht werden, die häusliche Situation so authentisch wie möglich zu präsentieren. Darüber hinaus hilft ein Pflegetagebuch, um die tatsächliche Pflegebedürftigkeit einer Person deutlich zu machen. Wird ein Pflegeversicherungsantrag nicht bewilligt, kann vier Wochen lang Widerspruch eingelegt werden.

13. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.