von Jörg Mahnert

Point&Figure-Charttechnik DAX: Schwächer als Dow und S&P500

Point&Figure DAX: Extrem schwach gegenüber Dow und S&P500

Ich gebe es zu:

Ich mag den DAX.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er am 1. Juli 1988 eingeführt wurde. Schließlich feierte er genau wie ich an diesem Tag seinen Geburtstag. (Ok, er den nullten, ich einen weitaus höheren.)

Und der Kleine ist ja auch wirklich groß geworden. Und mit mittlerweile 23 Jahren müsste er ja aus dem Gröbsten heraus sein.

Aber leider macht er den Bullen in den letzten Wochen massive Sorgen.

Kursziel von 4.600 Punkten intakt

Ich bin an dieser Stelle schon mehrmals auf die hohe Wahrscheinlichkeit eingegangen, dass der DAX noch fallen wird. Wie Sie wissen, liegt das nächste Point&Figure-Kursziel bei rund 4.600 Punkten.

Die Bullen müssten sich schon sehr anstrengen, um dieses Kursziel noch abzuwenden.

Erst ein Überschreiten von rund 6.200 Punkten würde die Lage für diese Marktteilnehmer deutlich aufhellen.

DAX: Wie sieht es mit der Stärke aus?

Damit die Bullen diesen Befreiungsschlag durchführen können, müsste Stärke im DAX vorhanden sein.

Denn um dieses Ziel zu erreichen, bräuchten die Bullen eine Menge internationales Anlegergeld. Und das würde nur nach Deutschland strömen, wenn sich der DAX in den letzten Wochen stärker als andere große Indizes erwiesen hätte.

Da ist keine Stärke

Leider müssen wir nach einem Blick auf die Point&Figure-Charts der relativen Stärke des DAX im Vergleich zum Dow Jones und zum S&P500 Dramatisches feststellen.

(Bei der relativen Stärke werden in der Point&Figure-Charttechnik immer 2 börsennotierte Werte miteinander verglichen. Dazu wird täglich der Schlusskurs des ersten Wertes durch den Schlusskurs des zweiten Wertes geteilt.

Das Ergebnis wird mit dem Faktor 1.000 multipliziert. Die so erhaltene Datenreihe wird erneut in einen Point&Figure-Chart eingetragen.)

Im heutigen PointFigure-Chart finden Sie auf der linken Seite den schon für sich dramatisch wirkenden Kurschart des DAX. Er befindet sich, wie bereits geschrieben, in einem intakten Point&Figure-Verkaufssignal mit dem Kursziel von 4.600 Punkten.

Auf der rechten Seite finden Sie 2 Charts. Der obere zeigt Ihnen die relative Stärke des DAX im Vergleich zu der des Dow Jones Industrial.

Der untere stellt die relative Stärke des DAX zum S&P500 dar.

Beide Charts zeigen als letzte Säule eine O-Säule. Das zeigt Ihnen klar an, dass sich der DAX seit geraumer Zeit deutlich schlechter als diese beiden US-Indizes entwickelt.

Schwäche wird nicht gekauft

Wenn eine Aktie, oder wie hier ein Index, schwächer ist als ein anderer Wert, scheuen sich die meisten Anleger, ihn zu kaufen und konzentrieren sich stattdessen auf den stärkeren Wert.

Es steht also zu befürchten, dass die US-Anleger ihre Heimatbörse bevorzugen werden und somit der DAX noch eine ganze Weile das „Kellerkind“ bleiben wird.

Blick über den Charttechnik-Tellerrand

Es ist schon erstaunlich, dass gerade der DAX so extrem schwach ist. Bis jetzt zeigen die gemeldeten Zahlen der im DAX vertretenen Firmen nichts Dramatisches an.

So meldete BMW erst kürzlich erneute Absatz-Rekorde. Auch die Masse an Stellen-Anzeigen, in denen Fachkräfte gesucht werden, ist durchaus positiv zu sehen.

Was könnte also der Sonderfaktor sein, der den DAX so schwächt?

Eine Frage an mich selber

Da wir an der Börse die Zukunft handeln, müsste es sich um einen gravierenden Sonderfaktor im Euro-Raum handeln, der besonders Deutschland belastet.

Da stelle ich mir doch direkt einmal die Frage:

„Welches Land wäre besonders davon betroffen, wenn Frau Merkel ihre negative Haltung zu den Euro-Bonds aufgäbe?“

Schließlich würden in den Euro-Bonds die Schulden aller Länder zusammengefasst. Und das würde wegen der schlechten Bonität von Ländern wie Griechenland, Spanien und einigen mehr zu massiv höheren Zinsen für die wirtschaftlich besser dastehenden Länder führen.

Die Antwort gefällt mir nicht

Diese Zinsen müsste dann auch Deutschland bezahlen. Und das bei einer bereits jetzt massiven Verschuldung mit steigender Tendenz.

Das wiederum würde fast zwangsläufig zu Steuererhöhungen führen, denn schließlich muss das Geld für die gestiegenen Schuldzinsen irgendwo herkommen.

Und Steuererhöhungen bremsen die Wirtschaft in der Regel aus und belasten so die Aktien-Kurse.

Das könnte des Pudels Kern sein.

Mein Fazit:

Natürlich lässt es sich trefflich darüber spekulieren, was nun letztendlich der Grund für die eklatante Schwäche des DAX gegenüber Dow und S&P500 ist.

Fakt ist, dass der DAX extrem schwach ist und vermutlich auch noch eine Weile bleiben wird.

Allein das reicht schon, um vom Kauf von DAX-Aktien weiterhin Abstand zu nehmen.

Und was genau hinter der DAX-Schwäche „steckt“, werden wir garantiert noch erfahren. (Ich befürchte, dass uns die Lösung dieses Schwäche-Rätsels absolut nicht gefallen wird.)

 
 

Autor:

Jörg Mahnert

Jörg Mahnert ist der Experte für Chartanalyse und er optimierte das Handeln nach Point&Figure immer weiter.

Er veröffentlicht seine Profi-Trader-Erfahrung in seinem täglichen kostenlosen Newsletter Mahnerts Handelssignale.