Mit der Griechenland-Diskussion ist die Krise in Europa noch nicht vorbei.
Überraschend, wie es hieß, haben Bank-Vertreter die Diskussionsrunde verlassen.
Ein Schuldenschnitt scheint unausweichlich. Demnächst erwarten wir dies auch in Portugal, dessen Staatsanleihen ausfallgefährdet sind. Denn: die neuesten Daten zeigen, wie riskant die Geldanlage im Südwesten Europas ist. Die alte Weltmacht steht vor dem Aus.
Portugal unbemerkt im Desaster
Die Daten zum Ende des vergangenen Jahres kamen jetzt ans Tageslicht. Dabei ist die Situation um Lissabon, Porto und die Algarve herum schlicht desaströs. Die Konsequenz daraus: Staatsanleihen aus Portugal sind ebenso ausfallgefährdet wie es griechische Anleihen lange vor den aktuellen Ausfallverhandlungen waren.
Dies haben die Medien in Deutschland inzwischen jedoch verdrängt. Das heißt: Kaufen Sie keine portugiesischen Anleihen, wie attraktiv diese auch scheinen mögen.
Schließlich aber wird ein zweiter Krisenfall nach Griechenland auch den Euro erneut ins Desaster stürzen können. Denn: Diskussionen um einen zweiten Ausfall wiegen schwer, auch wenn Portugal von der Wirtschaftskraft her nicht bedeutend für den Euroraum sein mag.
Rating-Agenturen werden sich darauf stürzen
Überlegen Sie sich, Rating-Agenturen nehmen sich Portugal vor und künden vom kommenden Zahlungsausfall a la Griechenland.
Der Euro-Rettungsschirm EFSF, der jetzt gerade erst herabgestuft wurde, bekäme den nächsten Dämpfer. Denn a) fällt ein zweites Land für Einzahlungen aus, b) wird der Schirm noch stärker in Anspruch genommen als bis dato von den Agenturen eingepreist.
Die Zahlen zeigen, wie wahrscheinlich dieser Fall ist:
- Der private Konsum geht dramatisch zurück. Dies zeigt der Index "Private Consumption Coincident", in den die Einzelhandelsumsätze fließen, PKW-Zulassungen und Daten zur Entwicklung von Einkommens- und Vermögensetnwicklungen.
- Der Wert aktuell: -4,5%. Zum Vergleich und zur Einordnung beachten Sie bitte, dass diese Entwicklung die schlechteste der vergangenen mehr als 30 Jahre(!) ist.
- Zum Nachrechnen: Portugal hat Schulden in Höhe von etwa 100% des Bruttoinlandsprodukts (je nach den unterschiedlichen Schätzungen zum BIP verschieden). Die gerade noch verträgliche Obergrenze beträgt laut Volkswirten etwa 90%.
- Will Portugal also Schulden abbauen, dürfte der so wichtige private Konsum nicht fallen, sondern müsste steigen - um etwa 5%.
- Die Industrieproduktion führt "dank" der Sparpolitik abwärts. In den vergangenen knapp zehn Jahren verlor dieser Index knapp 22% und beträgt seit Messung ab Januar 200 statt der damaligen 100% nur noch etwa 88%.
GeVestor meint: Die Industrie produziert weniger, die Privaten konsumieren und besitzen weniger. Dies alles vor dem Hintergrund, das Portugal dringend Schulden abbauen müsste.
Binnenwirtschaftlich sieht es katastrophal aus: Das Einkommen sank im dritten Quartal 2011 um 4,4%. Im fünften Quartal hintereinander verdienten die Portugiesen weniger als im entsprechenden Vorjahresquartal.
Das bedeutet: Der Durchmarsch nach unten läuft. Griechenland ist das Vorbild, wenngleich Portugal weniger "Bilanzbetrug" als die Griechen vorweisen. Kaufen Sie keine portugiesischen Staatsanleihen, selbst wenn die Renditen zweistellig sind oder werden.
Zweistellige Renditen sind nur dann real, wenn das Land zurückzahlen kann. Griechenland zeigt, was tatsächlich passiert.


