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Private Equity: Fluch oder Segen?

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die im Jahr 2005 durch den ehemaligen SPD-Spitzenpolitiker Franz Müntefering angestoßene Debatte zum Thema Auspressen von Unternehmen. In einem Interview sagte er seinerzeit folgendes: „Manche Finanzinvestoren bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“

Diese Äußerung brachte hinsichtlich der Debatte um Private-Equity-Gesellschaften (Finanzinvestoren) damals den Stein ins Rollen und der Begriff der „Heuschrecken“ der Finanzbrache war in diesem Zusammenhang geboren.

Musterfall Grohe

Konkreter Anlass für die Äußerungen Münteferings war das Beispiel Grohe. Bei dem in Münteferings Nachbarwahlkreis beheimateten Unternehmen, welches Sanitärarmaturen und -technik herstellt, waren seit 1999 Private-Equity-Gesellschaften am Ruder. Im Jahr 1999 erwarb die britische Beteiligungsgesellschaft BC Partners den Sanitärhersteller von den Familieneignern, die damals Kasse machen wollten.

Die aktuellen Eigentümer von Grohe, der US-Finanzinvestor Texas Pacific Group (TPG) und die Credit Swiss First Boston Private Equity, die Beteiligungsgesellschaft der Credit Suisse, übernahmen 2004 die Anteile von BC Partners und wollen jetzt wieder aussteigen.

Sprung ins Jahr 1999

Die Ankündigung des Ausstiegs der aktuellen Eigentümer wirft die Frage auf: Waren die Investoren  für Grohe Fluch oder Segen – oder beides zugleich?

Grohe hatte vor dem Einstieg der ersten Finanzinvestoren im Jahr 1999 zwar eine kerngesunde Bilanz, doch waren die Aussichten für die Zukunft nicht allzu rosig. Grohe musste neue Märkte erschließen, wusste allerdings unter der alten Führung nicht so recht wie dies gelingen sollte. Zudem hatte das Unternehmen Probleme bei der Rentabilität. Die Umsatzrendite lag 1999 bei nur 12%. Heute beträgt sie rund 20%.

Das ist ein klarer Verdienst der Finanzinvestoren und der durch diese eingesetzten neuen Unternehmensführung in Person von David J. Haines. TPG, Credit Suisse und ihr „Vollstrecker“ Haines haben seit 2004 aus Grohe ein globaleres, innovativeres, aber auch finanzschwächeres Unternehmen gemacht.

Die Kapitaldecke bei Grohe ist inzwischen recht dünn geworden. Grohe verfügte im Jahr 1999, vor dem Einstieg der ersten Beteiligungsgesellschaft, über eine Eigenkapitalquote von über 50%. Heute, im Jahr 2013, sind es noch rund 12%. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Eigenkapitalquote aller Unternehmen in Deutschland beträgt rund 22% (Tendenz steigend).

Ein weiterer negativer Aspekt ist die Tatsache, dass aktuell nur noch 2.300 der 9.000 Beschäftigten in Deutschland arbeiten. Vor 2005 waren es fast doppelt so viele. Die Erschließung neuer Märkte, vor allem in Schwellenländern, brachte aber unweigerlich auch den Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland mit sich.

Fazit: Private Equity oft Fluch und Segen zugleich

Insofern kann man in diesem konkreten Fall nicht davon sprechen, dass die Finanzinvestoren nur Fluch oder nur Segen waren. Es ist vielmehr beides der Fall. Es kommt auf den Blickwinkel an. Diejenigen, die in Deutschland ihren Arbeitsplatz verloren haben, werden die Investoren sicherlich als Fluch empfunden haben.

Im Gegensatz dazu dürften diejenigen, deren Arbeitsplätze wahrscheinlich gerettet wurden und diejenigen, die in den neuen Produktionsstätten außerhalb Deutschlands einen Arbeitsplatz bekommen haben, die Umstände eher als Segen empfunden haben.

26. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.