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Private Equity: Heuschrecken als Feindbild

Viele deutsche Politiker halten nichts vom Konzept der Private Equity. Heuschrecken nannte der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering diese anonymen Investoren bereits 2004.

Private Equity ist eine Form eines Beteiligungskapitals, das nicht über Börsen und andere Märkte gehandelt werden. Kapitalgeber sind dabei sowohl private als auch institutionelle Anleger.

Mehr zum Thema: Was sich hinter „Private Equity“ verbirgt

Müntefering griff diese Investitionsform Ende 2004 als Heuschreckenplage an.

Private Equity: Heuschrecken-Plage für Unternehmen

In einem öffentlichen Vortrag sprach er davon, Unternehmer, „die die Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen und die Interessen ihrer Arbeitnehmer im Blick haben“ gegen Heuschrecken schützen zu müssen, die „im Vierteljahrestakt Erfolg messen, Substanz absaugen und Unternehmen kaputtgehen lassen“.

Diese Rede wurde in den parteieigenen Programmheften Anfang des Jahres mehrmals aufgegriffen und wiederverwendet.

Einer breiteren Masse publik wurde der Begriff in einem Interview, das Franz Müntefering der Bild am Sonntag im April 2005 gab. Hier wetterte er gegen manche Finanzinvestoren, die anonym Arbeitsplätze vernichten, indem sie wie Heuschrecken über Unternehmen her fielen und danach weiter zögen.

Stern veröffentlicht Liste

Gegen welche Unternehmen sich diese Kritik richtete, sagte Müntefering jedoch nicht. Wenig später veröffentlichte das Wochenmagazin „Stern“ jedoch eine Liste, die durch ein Hintergrundpapier der SPD-Fraktion gedeckt sein sollte.

Auf dieser Liste befand sich unter anderem die Bank Goldman Sachs sowie BC Partners, die Carlyle Group und CVC Capital Partners aus dem Private Equity Sektor.

In Folge dieser Artikel geriet die Gleichsetzung von Personen mit Tieren in verschiedenen Medien und Interviews stark in die Kritik.

Private Equity: Heuschrecken aus der NS-Zeit?

Im Mai 2005 veröffentlichte der deutsche Historiker Michael Wolffsohn einen Kommentar in der Rheinischen Post, in dem die aktuelle Debatte mit den Denkmustern der NS-Zeit gleichgesetzt wurde. Diese Aussage fand in Deutschland jedoch nur wenig Zustimmung.

Zum Ende des Jahres 2005 wählten Kursmakler und Wertpapierhändler den Begriff der „Heuschrecken“ der Private Equity zum „Börsenunwort des Jahres“.

Der Begriff zeige ein falsches Bild von Investoren und verunglimpfe eine gesamte Branche. Durch Private Equity finanzierte Firmen zeichneten sich im Gegenteil durch eine schnelle Wachstumsrate und die Schaffung überdurchschnittlich vieler Arbeitsplätze aus.

Mehr zum Thema: Wie Sie selber in die Finanzbrache einsteigen können

Die Folgen der Diskussion

In Folge dieser Diskussion passierte das Risikobegrenzungsgesetz im Juni 2008 den Bundestag. Dieses legt fest, dass Investoren börsennotierter Unternehmen verpflichtet sind, ihre Ziele und die Herkunft ihrer finanziellen Mittel bei Kauf von mehr als 10% der Stimmrechte offenzulegen.

Dieser Offenlegungspflicht können Unternehmen jedoch jederzeit durch eine Satzungsänderung widersprechen.

Der Begriff der Heuschrecken im Private Equity-Sektor und auch in anderen Bereichen der Börse hat sich seit dieser Diskussion jedoch verfestigt und wird auch weiterhin gebraucht.

27. Januar 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.