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Produktion in der Industrie: Nachhaltigkeit, Förderungsmaßnahmen und Kennzeichnungen

Nachhaltiger Wirtschaften bedeutet, auf Unternehmens- und auf Produktebene schrittweise mehr Verantwortung für Mensch und Natur zu übernehmen – vom Unternehmensstandort über die Wertschöpfungskette bis hin zur Gesellschaft.

So lautet eine Definition des Zentrums für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) über moderne Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene. Jedoch ist die Nachhaltigkeit nicht nur ein neuzeitliches Anliegen. Im 18. Jahrhundert sorgte die Energiekrise in Europa unter anderem dafür, dass Holz zur Mangelware gehörte – laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war das Thema „Holznot“ in aller Munde. Eine extreme Abholzung des Baumbestandes in den europäischen Wäldern ist die Folge gewesen.

Das hat der Forstmann Hans Carl von Carlowitz im Jahr 1713 zu stoppen versucht. Er verfasste das erste Werk zum Thema nachhaltige Forstwirtschaft. Darin weist er darauf hin, dass nur so viele Bäume gefällt werden sollten, wie auch wieder nachwachsen können. Somit gilt Carlowitz sozusagen als Begründer der Nachhaltigkeit.

Doch inwieweit ist das Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft dieses Jahrhunderts angekommen? Wie nachhaltig agieren einzelne Industriezweige und welche Gütesiegel sowie Fördermaßnahmen existieren im Bereich der nachhaltigen Produktion?

Was bedeutet Nachhaltigkeit?

Die Nachhaltigkeit ist ein gemeinschaftlicher Prozess, der innerhalb und außerhalb der Unternehmen kommuniziert werden sollte. Dabei basiert der Nachhaltigkeitsbegriff auf drei verschiedenen Säulen.

1. Ökologische Nachhaltigkeit

Bei der ökologischen Nachhaltigkeit geht es um den bewussten Einsatz von Ressourcen.

  • Umwelt schützen

Die natürlichen Ressourcen sind zu erhalten und teilweise ist ihre Verfügbarkeit zu erhöhen. Das bezweckt nicht nur eine Ressourcenschonung, sondern auch eine Steigerung der Energieeffizienz oder der Gebrauch von erneuerbaren Energien und Rohstoffen. Daneben ist auf eine umweltfreundliche Herstellungskette zu achten, die den Schadstoffausstoß gering hält.

2. Ökonomische Nachhaltigkeit

Im Gegensatz zu der ökologischen Nachhaltigkeit, geht es bei der ökonomischen, nicht um die Aufrechterhaltung der Ressourcenverfügbarkeit, sondern um den Erhalt eines funktionierenden Wirtschaftssystems.

  • Nachhaltiges Wirtschaften

Wirtschaftliche Faktoren, wie die Preisstabilität oder eine faire Außenwirtschaft, zählen zu der ökonomischen Nachhaltigkeit. Neben dem Wirtschaften gehören der transparente und verantwortungsbewusste Umgang mit den unternehmerischen Handlungen sowie die Kooperation zwischen Staat und Unternehmen dazu.

  1. Soziale Nachhaltigkeit 

Die soziale Nachhaltigkeit bezieht sich auf alle Handlungen, die den Umgang mit oder die Ausbildung von Personal betreffen. 

3. Soziale Chancengleichheit schaffen

Innerhalb des Unternehmens sollten das Humankapital sowie das Sozialkapital gestärkt werden. Zudem sind Arbeits- und Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.

Grafik 6

Unternehmerische Nachhaltigkeitsförderung

Im Jahr 2001 ist von der Bundesregierung zum ersten Mal der Rat für Nachhaltige Entwicklung berufen worden. Dieser setzt sich für eine deutschlandweite Nachhaltigkeitspolitik ein, welche allen drei erwähnten Grundpfeilern der Nachhaltigkeit Beachtung schenkt. Die 15 Mitglieder agieren auf nationaler und internationaler Ebene als Berater der Bundesregierung und fördern die Präsentation der Nachhaltigkeitsdebatte in der Öffentlichkeit.

1. Deutscher Nachhaltigkeitskodex: Beruht noch auf freiwilliger Basis 

Am 13. Oktober 2011 hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung den Deutschen Nachhaltigkeitskodex beschlossen. Damit soll der Nachhaltigkeitsgedanke deutscher Unternehmen vorangebracht werden. Bisher ist der Kodex jedoch nur als Leitfaden zu verstehen. Dennoch nutzen diesen immer mehr Unternehmen, um freiwillig über ihre Nachhaltigkeitsleistungen Auskunft zu geben. In diesem Jahr ist die Teilnehmerzahl von 66 auf 111 angestiegen.

Ab dem Jahr 2017 ist die Offenlegung nichtfinanzieller Kennzahlen für kapitalmarktorientierte Unternehmen jedoch Pflicht. Darunter fallen Angaben über die Handlungsweisen im Bereich der Nachhaltigkeit. Laut einer Pressemitteilung des Rates für Nachhaltige Entwicklung sind dann etwa 6.000 Unternehmen, die mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen, eine Bilanzsumme von mehr als zwanzig Millionen Euro und einen Nettoumsatz von mehr als vierzig Millionen Euro haben, in der Bringschuld.

  • Bewertungskriterien und Zielsetzung

Um dieser Pflicht Genüge zu tun, können die folgenden zwanzig Kriterien genutzt werden. Anhand derer haben Unternehmen bereits seit Entstehung des Kodexes die Möglichkeit, eine Entsprechungserklärung bezüglich ihrer durchgeführten Maßnahmen im ökologischen, ökonomischen und sozialen Bereich abzugeben. 

Die Angaben sind Messfaktoren, mithilfe derer das Ziel des Kodexes erreicht werden kann. Dieses besteht hauptsächlich darin, nachhaltiges Wirtschaften voranzutreiben. Die nachfolgende Grafik bildet einige Strategien und deren Ziele ab.

Grafik 2

(Quelle: Statistisches Bundesamt).

2. Umweltbewusstes Handeln in der Industrie

Bewusstes nachhaltiges Handeln, wie es der Kodex vorgibt, kann besonders den Industrieunternehmen zu Gute kommen.

  • Industrie als Motor der Nachhaltigkeit

Hinsichtlich ihrer Innovationsfähigkeit deckt die Industrie eine wichtige Kraft ab, die auf die Entwicklung der Nachhaltigkeit einwirkt. Denn Innovationen gehen meist auch mit der Optimierung von Handlungsabläufen einher. 

  • Nachhaltigkeit fördert Wettbewerbsfähigkeit

Industrieunternehmen, die nachhaltig und innovativ handeln, steigern somit ihre Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland zählt zu den Spitzenreitern, was Innovationen und technische Entwicklungen angeht. Das ist ein entscheidender Vorteil der Industrie, der das zukünftige Überleben auf dem internationalen Markt sichert. Denn das Thema Nachhaltigkeit wird zunehmend wichtiger. Was nicht zuletzt auch an den Verbrauchern liegt, die unter anderem immer mehr Wert auf nachhaltige Produkte legen (vgl. 4.a.i.) und die Unternehmen dazu veranlassen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.   

Modeindustrie

Die Modeindustrie ist ein Teilzweig der Textilindustrie. Diese galt im 19. Jahrhundert als Wegbereiter der industriellen Revolution. Vor mehreren Jahrhunderten sind die Textilien noch vor Ort in den textilen Produktionsstätten Europas und Nordamerikas produziert worden. Mit den Jahren veränderte sich diese „heimische“ Produktionskette und die Herstellung wurde in Länder mit einem niedrigeren Lohnniveau verlegt.

1. Nachhaltigkeit: Rohstoffe und Herstellung

„Kleider machen Leute“ – diese Aussage galt nicht nur unter den Adligen, die zu ihrer Zeit ihren Status in der Gesellschaft durch aufwendig hergestellte Kleidung und teure Materialien zeigten. Heute unterliegt Mode vor allem kurzlebigen Trends, die für die Konsumenten schnell und in großer Anzahl produziert werden müssen. 

  • Naturfasern und Kunstfasern

Produziert wird der textile Körperschmuck in über 160 Ländern und zwar zu 80 bis 90 Prozent von Frauen, das beschreibt dieser Artikel, der die lange Produktionskette vom Rohstofferzeugnis bis hin zur Entsorgung am Beispiel der Jeanshose ausführlich darlegt. Im Laufe dieser Kette legt ein Kleidungsstück mehrere Kilometer zurück. Um die Produktion nachhaltig zu gestalten, sollten Rohstoffe verwendet werden, die eine gute Umweltbilanz besitzen.

Die üblichen Rohstoffe in der Herstellung von Kleidung sind Naturfasern und Kunstfasern (Chemiefasern). Beide Faserarten haben Vor- und Nachteile, was ihre Nachhaltigkeit betrifft. Naturfasern sind nachwachsende Rohstoffe und somit Naturprodukte. Diese Ressourcen sind im Gegensatz zu der Basis von Kunstfasern, welche aus Erdöl besteht, regenerierbar. Dennoch ist die Kunstfaser in mancher Hinsicht sogar nachhaltiger als einige Naturfasern.

Die Chemiefasern, die am häufigsten Anwendung finden, sind die Polyester-Fasern. Diese verhalten sich in ihrer gesamten Öko-Bilanz besser als zum Beispiel die Baumwolle.

Exkurs: Mit textilen Rohstoffen Ressourcen sparen 

In heißen Regionen, wie zum Beispiel Abu Dhabi, treiben hohe Versickerungsverluste den Wasserverbrauch in die Höhe. Als Alternative für die Beregnungsanlagen gibt es so genannte Unterflur-Bewässerungen, die auf einer textilen Basis beruhen und Wasser sparend sind. 

Daneben gibt es in nebelreichen Gegenden bestimmte Nebelkollektoren, die die Feuchtigkeit auffangen und zusätzliches Trinkwasser hervorbringen. In Gebieten, die reich an Nebelaufkommen sind, lassen sich in einer Nacht bis zu 50 Liter auffangen. In der Wüste Namib lässt sich mithilfe eines Kollektors pro Quadratmeter Kollektorfläche ein Liter gewinnen.

In der Medizin werden außerdem textile Stents bei Herzoperationen und in der Automobil- oder Luftfahrtindustrie Carbonfasern eingesetzt.

  • Zukünftige Optimierungsprozesse

Generell ist der Einsatz von Chemikalien in der Textilbranche weiter zu reduzieren oder zumindest auf unbedenkliche Stoffe zurückzugreifen, obwohl sich laut textil-mode.de viele Unternehmen der Textilindustrie bereits für eine nachhaltige Produktion im In- und Ausland einsetzen.

Circa 60 Prozent der Unternehmen würden sich zertifizieren lassen und andere Unternehmen, die auch seit Jahren nachhaltig agieren, würden häufig nur die relativ hohen Zertifizierungskosten abschrecken.

2. Kennzeichnung nachhaltiger Textilien

Für die Nachhaltigkeit der textilen Rohstoffe ist es in jedem Fall wichtig, dass diese unter guten ökologischen Voraussetzungen gewonnen und verarbeitet werden. 

Auf dem Markt existieren einige Gütesiegel, die für eine umweltbewusste und faire Produktion stehen, zum Beispiel nachfolgende: 

  • GOTS-Siegel

Dieses Siegel besteht aus einem weißen Hemd, das auf einem grünen Kreis abgebildet ist. Es steht für Naturtextilien, die unter besonderer Berücksichtigung einer nachhaltigen Herstellung innerhalb der gesamten Produktionskette entstanden sind. Außerdem müssen die Textilien, die dieses Siegel tragen zu 70 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen und die enthaltenen chemischen Stoffe bestimmte Kriterien zur Umweltverträglichkeit erfüllen.

  • Das Label „Textiles Vertrauen“

Mit dem Kennzeichen „Textiles Vertrauen“ sind über 100.000 Zertifikate für auf Schadstofffreiheit geprüfte Textilien ausgestellt worden. Außerdem zeichnet ein weiteres Label des Prüf- und Zertifizierungssystems OEKO-TEX besonders umwelt- und sozialfreundliche Produktionsstätten aus. Weltweit sind laut David Pilcher, Business Development Manager bei OEKO-TEX seit Einführung im Jahr 2013 circa 32 (Stand März 2015) zertifiziert worden.

Ernährungsindustrie

In der Ernährungsindustrie arbeiten in Deutschland circa 560.000 Beschäftigte. Dieser Industriezweig ist der drittgrößte in Deutschland und exportiert ungefähr 32 Prozent der hiesig erzeugten Güter ins Ausland. Der Lebensmitteleinzelhandel ist dabei der größte Absatzkanal für die Ernährungsindustrie. Der Umsatz des Lebensmittelhandels stieg im Jahr 2014 auf 186,8 Milliarden Euro.

1. Verbrauchertrend: Wunsch nach nachhaltig erzeugten Produkten

Da die Ernährungsindustrie einen großen Stellenwert in der deutschen Industrielandschaft einnimmt, hat sich diese besonders an den Konsumententrends zu orientieren. Nur mit einer nachhaltigen Firmenpolitik und Reaktionen auf die Trends, bleibt diese auf Dauer wettbewerbsfähig.

  • Qualitätsbewusstsein steigt

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie hat in dieser Meldung die Ergebnisse einer Umfrage der Forsa zusammengestellt, die die Konsumententrends in Bezug auf die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln darlegt. Dabei sind 1.010 Bundesbürger nach ihrer Meinung zum Thema „Nachhaltige Lebensmittel“ befragt worden. Die Umfrage hat ergeben, dass sieben von zehn Bundesbürgern eine nachhaltige Produktionskette von Lebensmitteln als wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in der Ernährungsindustrie ansehen. Insgesamt sind 35 Prozent der Meinung, dass vor allem die Wirtschaft in der Pflicht ist, sich um das Voranbringen der Nachhaltigkeit zu kümmern. Und nur 27 Prozent denken, dass sie selber für einen verantwortungsbewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen einzustehen haben.

Insgesamt steigt bei den Verbrauchern seit ein paar Jahren der Wunsch nach mehr Qualität und der Preis gerät eher in den Hintergrund. Im Jahr 2014 haben 51 Prozent der Deutschen gesagt, dass ihnen bei der Auswahl der Produkte während des Einkaufs die Qualität derselben am wichtigsten ist.

2. Handlungsweisen zur Kennzeichnung und Durchführung von Nachhaltigkeit

Aufgrund des Konsumententrends in Richtung Qualitätsbewusstsein und nachhaltig produzierten Lebensmitteln, hat die Ernährungsindustrie bereits gehandelt. Sie treibt die nachhaltige Lebensmittelproduktion sowie die Kennzeichnung von Nachhaltigkeit voran.

  • Gütesiegel

Lebensmittel werden unter anderem mit verschiedenen Gütesiegeln gekennzeichnet, so dass der Verbraucher beim Kauf einen vertrauenswürdigen Hinweis auf eine nachhaltige Herstellung bekommt.

Das Siegel, das wohl am häufigsten beim Einkauf auffällt, ist das Bio-Siegel. 2001 ist dieses einheitlich für die Kennzeichnung von Lebensmitteln eingeführt worden, die nach EU-Rechtsvorschriften für einen ökologischen Anbau beziehungsweise eine ökologische Produktion sowie eine artgerechte Tierhaltung spricht. Es gibt jedoch noch einige andere Siegel, die Produkte aus nachhaltiger Herstellung kennzeichnen, diese Auflistung verschafft einen Überblick.

  • Nachhaltige Rohstoffnutzung

Die Ernährungsindustrie hat in ihrem Jahresbericht für 2015 bereits einige Aktivitäten im Rahmen des nachhaltigen Wirtschaftens unternommen. Und zwar nicht nur hinsichtlich der Kennzeichnung, sondern auch in Bezug auf die Energieeffizienz, die Abfallvermeidung und das Rohstoffmanagement.

Im Bereich des Rohstoffmanagements setzt sich die deutsche Ernährungsindustrie unter anderem für die Förderung von nachhaltigem Palmöl ein. Dieses zählt weltweit zu den wichtigsten Pflanzenölen – es macht ein Drittel des gesamten Pflanzenölbedarfs aus. Angebaut wird dieses hauptsächlich in Malaysia und Indonesien. Genutzt wird das Palmöl zur Herstellung von Fertiggerichten, Saucen, Süßigkeiten oder Margarine.

Im Jahr 2013 ist bereits die Hälfte des genutzten Palmöls in der Ernährungsindustrie als nachhaltig zertifiziert worden. Zudem machen die deutschen Mitglieder den größten Teil des offiziellen Zertifizierungsstandards „RSPO – Round Table on Sustainable Palm Oil“, der im Jahr 2004 gemeinsam von der Umweltorganisation WWF und der Wirtschaft festgelegt worden ist, aus. Ungefähr 150 Mitglieder aus Deutschland nutzen nachhaltiges Palmöl.

  • Transparenz und Nachhaltigkeitspolitik

Auf Händler und Herstellerseite scheint eine geführte Nachhaltigkeitspolitik ein wichtiger Faktor für die Zukunftssicherung des Unternehmens darzustellen (siehe untenstehende Grafik).

Grafik 3

Eine Umfrage des Zentrums für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) und der Lebensmittel Zeitung im Jahr 2014 hat ergeben, dass Händler und Hersteller die Nachhaltigkeit vor allem als Chance für die Sicherung der zukünftigen Entwicklung sehen. Jeweils 84 Prozent der befragten Händler (129) und der befragten Hersteller (218) aus der FMCG-Branche (Fast Moving Customer Goods) sahen eine sehr hohe und eher hohe Möglichkeit für die eigene Zukunftssicherung. Unter diese Branche fallen Warengüter des täglichen Bedarfs, wie Lebensmittel. Zudem sind eine nachhaltige Handlungsweise und ein transparenter Umgang mit derselben wichtig, um auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Grafik 4

(Quelle: plattform-nachhaltigkeit.com)

Das Unternehmen HIPP ist ein Beispiel dafür, wie in der deutschen Ernährungsindustrie externe und interne Nachhaltigkeitspolitik betrieben wird.

Auf der Internetseite wird dem Verbraucher genau beschrieben, welchen Stellenwert nachhaltiges Handeln in der Unternehmensführung einnimmt. Es sind Nachhaltigkeitsberichte, Leitlinien und Umweltprojekte aufgeführt. Außerdem wird gezielt auf die Nachhaltigkeit der Produkte hingewiesen, indem auf ihre umweltbewusste Verpackung, die Qualitätskontrollen, den ökologischen Anbau sowie das Gütesiegel eingegangen wird. Was hinter dem Gütesiegel des Unternehmens steckt und was die nachhaltige Produktionskette beinhaltet, veranschaulicht das Unternehmen in einer Grafik.

Diese öffentliche Nachhaltigkeitspolitik sichert dem Unternehmen unter anderem seine zukünftige Entwicklung beziehungsweise Marktposition. Denn im Laufe der Jahre sind bereits erste Erfolge erzielt worden. Im Jahr 2012 ist HIPP als eines der deutschen TOP drei Unternehmen mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden. Zudem haben 8143 Verbraucher im Rahmen einer Marktforschungsstudie aus 104 Unternehmen, HIPP als das nachhaltigste benannt. Und zwar unter Betrachtung aller drei Säulen: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Damit die Öffentlichkeit immer aktuelle Informationen erhält, hat das Unternehmen auf der Webseite sogar eine Rubrik „Nachhaltigkeit aktuell“ eingerichtet. Auf diesen Zug der transparenten Nachhaltigkeit steigen immer mehr Unternehmen auf. 

Papierindustrie

Die deutsche Papierindustrie hat von Januar bis Oktober 2015 insgesamt 18.939 Tonnen Papier produziert. Im Vorjahr sind in demselben Zeitraum 18.888 Tonnen hergestellt worden – das ist ein Zuwachs von 0,3 Prozent. Die untenstehende Grafik zeigt den Gesamtverbrauch und die gesamte Produktion von Papier und Pappe im Jahresvergleich von 2013 und 2014.

1. Nachhaltige Herstellung: Holz versus Altpapier

Die Herstellung von Papier kann auf zwei verschiedene Arten erfolgen. Wobei eine nachhaltiger ist, als die andere.

  • Rohstoff Holz

Bei der Produktion von Papier wird unter anderem Holz verwendet beziehungsweise der darin enthaltene Stoff Zellulose. Mithilfe verschiedener Arbeitsprozesse, wie Dämpfen, Wässern und das Hinzufügen von Chemikalien, lockern sich die Holzfasern und die Zellulose lässt sich daraus gewinnen. Der Zellstoff wird chemisch gebleicht und zu Papier verarbeitet. 

Die Gewinnung der Zellulose beziehungsweise die Nutzung von Holz zur Papierherstellung, verbraucht nicht nur den natürlichen Rohstoff Holz, sondern auch Energie und Wasser. Für ein Päckchen Kopierpapier, das aus Frischfasern besteht, werden zum Beispiel 130 Liter Wasser, 26,8 Kilowattstunden Energie sowie 7,5 Kilogramm Holz benötigt. 

  • Rohstoff Altpapier

Ressourcensparender ist in jedem Fall die Papierherstellung mit Altpapier. Die Wälder werden geschont, da kein Holz, sondern Altpapier gebraucht wird. Zudem fällt der Energie- und Wasserverbrauch geringer aus, denn die Zellstoffproduktion entfällt.

Zur Gewinnung der Fasern wird das Altpapier – Zeitungen oder Papierverpackungen – zu einem „Papierbrei“ zusammengemischt und die Fasern werden auf diese Weise herausgefiltert sowie enthaltene Farbstoffe entzogen. Für ein Päckchen Kopierpapier werden dann nur 51 Liter Wasser, 10,5 Kilowattstunden Energie und 2,8 Kilogramm Altpapier benötigt. Somit ist die Nutzung von Altpapier eine bestehende nachhaltige Alternative zur Papierherstellung in der Papierindustrie.

Insgesamt werden bei der Herstellung von Papier mit Altpapier ungefähr 60 Prozent Energie und 70 Prozent Wasser sowie deutlich weniger Schadstoffe an die Umwelt abgegeben.

Grafik 5

(Quelle: Verband Deutscher Papierfabriken / Papierkompass 2013/2014)

2. Umgang mit Papier 

Der Verbraucher kann die Papierindustrie in dem nachhaltigeren Umgang mit Papierprodukten unterstützen. 

  • Einsparung von Papier

Generell ist es natürlich förderlich, wenn insgesamt weniger Papierverbrauch stattfindet. Das führt bereits zu einer Ressourcenschonung und zu einer geringeren Abholzung des Baumbestandes. Denn nicht zuletzt geht die Schonung der Ressource Holz, auf den Begründer der Nachhaltigkeit – Hans Carl von Carlowitz –  zurück (siehe Einleitung) und ist der Stein des Anstoßes gewesen.

Und das Papier, das benutzt wird, sollte ordnungsgemäß entsorgt werden, so dass eine nachhaltige Weiterverarbeitung möglich ist. Dabei ist darauf zu achten, dass nur Papiere, die zu 100 Prozent aus recycelbarem Material bestehen, zusammen entsorgt werden. Zudem gehören keine Verbundverpackungen, wie Getränkekartons oder andere Verpackungsmaterialien, die beschichtet sind, zum Altpapier. So kann das Altpapier nachhaltig entsorgt, wiederverarbeitet und eine nachhaltige Produktion in der Papierindustrie vorangetrieben werden.

  • Recyclingpapier und Umweltsiegel

Voraussetzung für eine nachhaltige Entsorgung ist, dass der Verbraucher auf Recyclingpapier zurückgreift, welches überhaupt erst die Voraussetzung für eine umweltbewusste Entsorgungsmöglichkeit bietet. Es gibt einige Hinweise der Verbraucherzentrale, die dem Käufer dabei helfen, Papier zu erkennen, dass nur aus recycelbaren Material besteht.

Aber nicht nur im Hinblick auf die Produktion und die Bestandteile der Papierprodukte bemüht sich die Papierindustrie. Daneben gibt es einige Gütesiegel auf dem Markt, die für Umweltbewusstsein stehen, beispielsweise der „Blaue Engel“, das „FSC-Siegel“ oder der Aufdruck „Klimaschutzpapier“. 

Fazit 

Die genannten Industriezweige agieren hinsichtlich der Produktion in vielen Fällen, was zum Beispiel die Rohstoffe angeht, nachhaltig. So setzt die Papierindustrie auf wiederverwertbare Ressourcen und die Ernährungsindustrie auf nachhaltig produziertes Palmöl.

Einige Unternehmen aus der Textilbranche haben sich bereits für ihren Einsatz im Bereich der nachhaltigen Produktion im In- und Ausland zertifizieren lassen sowie Gütesiegel, die für eine umweltbewusste Produktion stehen, eingeführt. Diese Siegel sind jedoch auch innerhalb der anderen Industriezweige eingeführt worden.

Zudem wird die nachhaltige Entwicklung der Unternehmen nicht nur von diesen, sondern auch von der Bundesregierung gefördert. Hilfestellung bietet der Deutsche Nachhaltigkeitskodex, der ab 2017 auch zur verpflichtenden Angabe der unternehmerischen Handlungen im Bereich der Nachhaltigkeit genutzt werden kann.

18. Januar 2016

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Markus Müller
Von: Markus Müller. Über den Autor

Markus Müller ist Experte für Vermögenaufbau und –absicherung und großem Interesse an genereller Finanzthematik.