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Quantitätstheorie des Geldes: Inflation durch Überschuss

Bereits seit dem 16. Jahrhundert kennt man an den Finanzmärkten die sogenannte Quantitätstheorie des Geldes. Mit Hinblick auf ihren Ursprung in englischsprachigen Ländern wird diese Theorie auch oftmals mit QTM (von „Quantity Theory of Money“) abgekürzt.

Nachdem die Erschließung des amerikanischen Kontinentes immer weiter  voranschritt, stiegen die Lieferungen von Gold und Silber nach Europa. Dort wurden diese Rohstoffe eingeschmolzen und zu Münzen verarbeitet. Als Resultat hiervon kam es zu einer Inflation.

Mehr Geld = höhere Inflation

Diese Entwicklung führte den Finanzier Henry Thornton im Jahre 1802 zu dem Schluss, dass größere Mengen an Geld gleichzeitig zu einer größeren Inflation führen. Eine Steigerung der Geldproduktion war somit nicht gleichbedeutend mit einer Steigerung der Wirtschaftsleistung eines Landes.

Die Quantitätstheorie des Geldes nimmt an, dass eine direkte Verbindung zwischen der existierenden Geldmenge in einem Wirtschaftssystem und den Preisen der darin verkauften Waren und Serviceleistungen besteht.

Wertverlust durch Vervielfältigung

Die Theorie besagt, dass einer Verdopplung der Geldmenge auch eine Verdopplung der Preise folgen wird. Ein Konsument zahlt also den doppelten Preis für die gleiche Menge einer Ware.

Dies führt demnach zu einer steigenden Inflation (Prozentzahl, welche aufzeigt, in welchem Maße die Preise in einem Wirtschaftssystem ansteigen).

Ein anderer Weg, die Theorie zu verstehen ist, Geld wie einen beliebigen anderen Rohstoff zu sehen. Eine Steigerung des Angebotes resultiert in einem Wertverlust jeder Einheit dieses Rohstoffs. Ein gestiegenes Angebot an Geld führt demnach zu steigenden Preisen, da der Wert einer Geldeinheit gefallen ist.

Die Quantitätstheorie des Geldes

Die originale Theorie aus dem 16. Jahrhundert wurde von vielen Experten im Laufe der Zeit für überholt erklärt und im 20. Jahrhundert grundsätzlich verändert.

Treibende Kraft hinter dieser Überarbeitung war der Wirtschaftsexperte Irving Fischer. Dieser drückt die Quantitätstheorie des Geldes folgendermaßen aus:

MV = PT

Jeder Buchstabe steht dabei für eine Variable.

M = Money Supply (Angebot an Geld)

V = Velocity of Circulation (Zirkulation des Geldes – wie oft wechselt das Geld den Eigentümer)

P = Average Price Level (der durchschnittliche Preis)

T = Volume of Transactions of Goods and Services (in welchem Maße werden Waren und Serviceleistungen gehandelt)

Diese Formel basiert auf einem simplen Prinzip:

„Menge des Geldes“ x „Zirkulation des Geldes“ = Gesamtausgaben

Besitzt ein Wirtschaftssystem beispielsweise 5 Euro, die monatlich fünf Mal den Besitzer wechselt, betragen die Gesamtausgaben 25 Euro.

Die Quantitätstheorie des Geldes fügt nun Annahmen in diese einfache Formel hinzu. In der einfachsten Form wird angenommen, dass sowohl V (Zirkulation des Geldes) als auch T (Handel mit Waren) über kurze Sicht konstant bleiben.

Quantitätstheorie des Geldes unter Kritik

Diese einfache Ansicht wird oftmals kritisiert, da vor allem die Geldzirkulation oftmals von wirtschaftlichen Impulsen für Konsumenten und Unternehmen abhängt, die sich beinahe täglich ändern können.

Die Theorie geht ebenfalls davon aus, dass die Geldmenge – welche durch externe Faktoren bestimmt wird – die treibende Kraft hinter den wirtschaftlichen Aktivitäten eines Landes ist.  Ändert sich diese Menge, ändern sich gleichzeitig auch die Warenpreise und das Angebot an Waren und Serviceleistungen.

Dies bedeutet, dass Änderungen der Geldreserven gleichzeitig Änderungen der Ausgaben zur Folge haben. Die Zirkulation des Geldes basiert daher nicht alleine auf der Anzahl des verfügbaren Geldes oder den aktuellen Preisen.

Abschließend wird die Anzahl an Transaktionen (T) durch verschiedene Faktoren bestimmt. Darunter fallen beispielsweise Arbeitskraft, Kapital, Wissensstand, Organisation und natürliche Ressourcen eines Wirtschaftssystems. Dabei wird eine Gesellschaft im finanziellen Gleichgewicht und ohne Arbeitslosigkeit angenommen.

Wert des Geldes durch Menge bestimmt

Im Grundsatz bedeutet die Quantitätstheorie des Geldes also, dass der Wert von Geld durch die Menge an Geld in einem Wirtschaftssystem bestimmt wid.

Ein Anstieg der Geldmenge führt zu einem Verfall des Geldwertes, da es zu einer Inflationssteigerung kommt. Mit einer steigenden Inflation sinkt demnach die Kaufkraft – oder der Wert – des Geldes. Für den Kauf einer Ware wird also mehr Geld benötigt.

Damit ist die QTM einer der Grundpfeiler des Monetarismus. Verfechter dieser Theorie sagen, dass ein rasanter Anstieg der Geldversorgung zu einem rasanten Anstieg der Inflation führt.

Ist die Geldversorgung größer als die wirtschaftliche Produktionsleistung, steigt die Inflation, da zu viel Geld für zu wenig Waren und Serviceleistungen vorhanden ist. Um die Inflation zu beenden und eine Deflation zu erreichen, muss das Geldwachstum daher unter das Wirtschaftswachstum fallen.

Geldversorgung eindämmen?

Monetaristen fordern daher, dass die Geldversorgung in einem engen Fenster gehalten werden muss, um den Wert des Geldes unter Kontrolle zu halten.

Zwar kann eine kurzfristige Erhöhung der Geldversorgung eine stagnierende Wirtschaft beleben, das Konzept des Monetarismus setzt jedoch auf eine graduelle Reduzierung der Geldversorgung zur Bekämpfung der Inflation.

Die Quantitätstheorie des Geldes wurde in den 1930er Jahren von John Maynard Keynes scharf kritisiert. Er behauptete, dass eine steigende Geldversorgung zu einer sinkenden Zirkualtion des Geldes führe und das Einkommen der produzierenden Unternehmen ansteige.

Diese Annahmen wurden in den Folgejahren von vielen Wirtschaftsexperten für richtig empfunden.

Das Konzept der QTM war besonders in den 1980er Jahren sehr populär, vor allem in den USA und Großbritannien unter Ronald Reagan und Margaret Thatcher. Diese Länder versuchten in dieser Zeit, ihre Wirtschaft durch die Regelung der Geldversorgung zu stärken.

Mit der Zeit mussten die Regierungen jedoch erkennen, dass die Theorie nicht unbedingt als Allheilmittel für wirtschaftliche Krisen zu sehen ist.

28. Juli 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.