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Quartalsbilanzen schnell und sicher prüfen

Für alle Anleger von ganz besonderer Wichtigkeit ist die regelmäßige Berichtssaison. Das bedeutet, dass innerhalb weniger Tage und Wochen zahlreiche Unternehmen ihre Quartals- bzw. Halbjahresbilanzen vorlegen.

Doch wie genau liest man solche Bilanzen und was können Sie einem Anleger verraten?

Wir möchten Ihnen an dieser Stelle einige Kennzahlen vorstellen, mit denen Sie einen kurzen, aber sehr effektiven Qualitätscheck der Quartals- und Halbjahresbilanzen vornehmen können.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und der Gewinn je Aktie

Das wohl am häufigsten herangezogene Kriterium bei der Aktienbewertung ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Es zeigt Ihnen an, mit welchem Vielfachen des Jahresgewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet wird. Richtgröße für ein günstiges KGV ist 10, der Marktdurchschnitt liegt bei rund 15.

Ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis ist isoliert betrachtet aber nicht zwingend ein Kaufargument. Sind die zukünftigen Gewinnaussichten schlecht, oder ist die Verschuldung zu hoch (Bilanzprobleme), bietet die Aktie wenig Kurspotenzial.

Hier die Formel, mit der Sie das Kurs-Gewinn-Verhältnis berechnen können:

Formel-KGV

Um das KGV berechnen zu können, brauchen Sie den Gewinn je Aktie. Diesen können Sie in den meisten Fällen den Finanzberichten der Unternehmen entnehmen. Sollte dem nicht so sein, so berechnen Sie den Gewinn je Aktie wie folgt:

Formel-EPS

Der Gewinn je Aktie wird oft als „EPS“ bezeichnet. EPS steht für „Earnings per Share“ und bedeutet im Deutschen nichts anderes als Gewinn je Aktie. Wenn Sie diese Größe nicht finden, können Sie auch den Unternehmensgewinn einfach durch die Anzahl der Aktien dividieren.

Der Gewinn je Aktie, den Sie für die Berechnung des KGVs heranziehen, kann sich auf bereits erzielte oder auf erwartete Unternehmensgewinne beziehen.


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Das KGV ist in Fachkreisen jedoch nicht ganz unumstritten. Der Grund: Der Jahresüberschuss, also die Grundlage der Berechnung, kann von den Unternehmen in die gewünschte Richtung gesteuert werden.

Legale Bilanzierungstricks können vom Management genutzt werden, um den Jahresüberschuss zu beeinflussen.

Kapitalstruktur und Eigenkapitalquote

Eine überaus wichtige Kennzahl zur Messung der Kapitalstruktur ist die Eigenkapitalquote (EK-Quote).

Diese Quote drückt den Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme aus. Das Eigenkapital wiederum ist die Summe aus gezeichnetem Kapital und Rücklagen – also das Geld, das auch dem Unternehmen gehört und nicht geliehen werden muss.

Die Formel zur Berechnung sieht wie folgt aus:

Formel-EKQ

Ein konkretes Zahlenbeispiel: Ein Unternehmen hat ein gezeichnetes Kapital von 2.000.000 Euro, Rücklagen in Höhe von 200.000 Euro und eine Bilanzsumme von 4.000.000 Euro.

Die Berechnung sieht dann wie folgt aus: (2.000.000 + 200.000) geteilt durch 4.000.000 und das Ergebnus multipliziert mit 100, ergibt 55 %.

Das Eigenkapital ist bei einer Aktiengesellschaft das von den Aktionären zur Verfügung gestellte Kapital. Daher haben Sie als Aktionär einen Anspruch auf den anteiligen Gewinn des Unternehmens.

Sehr wichtig für Sie als Anleger: Je höher die Eigenkapitalquote, desto weiter ist ein Unternehmen von einem Konkurs wegen Überschuldung entfernt. Zudem ist ein Unternehmen mit einer höheren Eigenkapitalquote weniger abhängig von Banken als eines mit einer niedrigen Eigenkapitalquote.

Eine sehr niedrige Eigenkapitalquote (unter 10% bis 20% der Bilanzsumme) ist ein relativ zuverlässiges Zeichen für ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten eines Unternehmens.

Allerdings wird die Beurteilung der Eigenkapitalquote dadurch erschwert, dass eine optimale Eigenkapitalquote nicht für alle Unternehmen gleich ist.

Sie sollten daher stets die EK-Quote des von Ihnen begutachteten Unternehmens mit der durchschnittlichen EK-Quote der Branche, in der das Unternehmen tätig ist, vergleichen. Im Finanzsektor zum Beispiel sind niedrige Quoten normal, während in der Softwarebranche hohe EK-Quoten üblich sind.

Es kann jedoch auch innerhalb der Branchen größere Abweichungen geben, ohne dass dies zwingend ein Alarmzeichen sein muss. Wichtig ist auch stets die Entwicklung der EK-Quote im zeitlichen Verlauf.

Die Eigenkapitalrendite

Bei der Berechnung der Eigenkapitalrendite werden der Gewinn und das Eigenkapital in Relation gesetzt. Diese Kennzahl gibt an, wie rentabel das von den Aktionären zur Verfügung gestellte Eigenkapital vom Unternehmen eingesetzt wurde.

Die entsprechende Formel sieht folgendermaßen aus:

Formel-ROE

Die Eigenkapitalrendite sollte höher sein als die Gesamtkapitalrendite, da das Eigenkapital primär das Risiko des Unternehmens trägt – und somit Sie als Aktionär und Eigenkapitalgeber.

Für dieses höhere Risiko verdient das Eigenkapital bzw. der Aktionär als Eigenkapitalgeber gegenüber den sicheren Zinsen für Fremdkapital eine Risikoprämie.

Darin liegt übrigens auch der finanztheoretische Grund für die langfristig höhere Rendite von Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren.

Informationen für Ihren Bilanz-Qualitätscheck finden

Die Informationen, die Sie für Ihren persönlichen Bilanz-Qualitätscheck benötigen, finden Sie entweder auf den Internetseiten der einschlägigen Finanzportale oder – mit wesentlich besserer Datenqualität – direkt in den Finanzberichten der Unternehmen.

Diese wiederum finden Sie auf den Internetseiten der Unternehmen in der Rubrik „Investor Relations“.

Tipp: Googeln Sie den Namen des Unternehmens mit dem Zusatz „Investor Relations“. So gelangen Sie am schnellsten ans Ziel.

18. November 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.