Und täglich grüßt das Murmeltier: Der DAX startete heute mal wieder sehr stark und knackte den charttechnischen Widerstand bei 6.200 Punkten. Das Tageshoch lag bei 6.245 Punkten.
Doch am Nachmittag kam wieder der große Rückfall. Der DAX verlor fast 200 Punkte und stoppte erst kurz vor der 6.000-Punkte-Marke. Im Endspurt erholte sich der deutsche Leitindex und schloss mit 6.143 Punkten nur knapp unter dem Vortagesniveau.
Wieder wurde die Chance verpasst, den charttechnischen Widerstand auf Schlusskursbasis zu überwinden. Auslöser war heute die Rating-Agentur S&P. Mehrere Medien berichten, dass die Rating-Agentur schon in den nächsten Stunden oder Tagen eine neue Breitseite Richtung Europa abschießen will.
6 Euro-Länder müssen zittern
Bereits Anfang Dezember hat S&P angekündigt, die Kreditnoten sämtlicher Euro-Staaten zu überprüfen. Die Ergebnisse sollen heute, oder zumindest sehr zeitnah, veröffentlicht werden. Einige Quellen nennen bereits Details.
6 Länder sollen den Test nicht bestanden haben und eine schlechtere Note erhalten. Es handelt sich um Frankreich, Österreich, Italien, Spanien, Portugal und Belgien. S&P wollte die Gerüchte nicht kommentieren.
Doppelschlag gegen Euro-Raum
Ist die oben genannte Länder-Liste korrekt, ist das ein gewaltiger Doppelschlag gegen den Euro-Raum.
Mit Frankreich und Österreich würden 2 Euro-Staaten auf einen Schlag die Bestnote AAA verlieren. Das kann extrem negative Folgen für den Rettungsschirm EFSF haben. Der Grund: Nach der Rückstufung gibt es kaum noch AAA-Staaten im Euro-Raum. Die Durchschnittsnote verschlechtert sich. Daher müssen wir damit rechnen, dass die Refinanzierungskosten am Kapitalmarkt steigen.
Bitter wäre die Herabstufung auch für die schwachen Staaten wie Spanien und Italien. Wie gestern im Schlussgong berichtet, konnten sich die beiden Euro-Sorgenkinder zuletzt günstiger Kapital beschaffen. Die EZB hat wahrscheinlich etwas nachgeholfen, aber es ist ärgerlich, dass die gute Stimmung direkt wieder von Außen zerstört wird.
Deutschland wackelt auch
Ein weiterer Belastungsfaktor: Wenn Frankreich und Österreich die Top-Note AAA verlieren, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch Deutschland wackelt. Die Bombeneinschläge kommen immer näher.
Der reale Schaden wäre nicht so groß, da der Mythos AAA seinen Glanz schon lange verloren hat und die USA seit Sommer 2011 auch sehr gut mit einer schlechteren Kredit-Note leben können, aber im ersten Moment kann es eine Schockbewegung am Markt geben, wenn Deutschland die Top-Note verliert.
Timing ist wieder sehr ärgerlich
Eines muss klar gesagt werden: Die meisten Kredit-Noten der Staaten sind noch immer viel zu positiv. Inhaltlich kann man die Arbeit der Rating-Agenturen nur schwer angreifen. Dennoch sind auch jetzt wieder einige Fragen offen.
Muss die Rating-Agentur genau jetzt die Euro-Staaten herabstufen? Griechenland verhandelt in diesen Tagen mit den Banken und anderen Staaten über den geplanten Schuldenschnitt. Die Entscheidung muss sehr bald fallen. Und genau jetzt kommt Gegenwind von der Rating-Front (falls die Gerüchte stimmen). Ein schlechteres Timing ist kaum möglich.
Es riecht nach Manipulation
Ein zweiter Punkt: Falls die Gerüchte stimmen, muss S&P den eigenen Laden aufräumen. Es gibt offensichtlich ein Informationsleck. Schon mehrfach sind Meldungen aufgetaucht, die erst später offiziell bestätigt wurden.
Wenn Marktteilnehmer diese Informationen einige Stunden oder Tage vor der offiziellen Veröffentlichung kennen, ist das eine Einladung zum Betrug. Wer heute um 12 Uhr auf fallende Aktienkurse in Europa und auf einen fallenden Euro-Kurs gewettet hat, konnte viel Geld verdienen. Sollte die Herabstufung tatsächlich zeitnah erfolgen, müssen wir von Marktmanipulation sprechen. Das muss Konsequenzen haben.
Ein letzter Punkt: Sollte die Herabstufung tatsächlich erfolgen, ist der Zeitpunkt sehr bemerkenswert. In den USA findet am Montag kein Börsenhandel statt (Feiertag). Europa hätte dann am Montag den Schaden und die USA kommen am Dienstag wahrscheinlich mit einem blauen Auge davon. Auch dieser Punkt hätte einen unangenehmen Nachgeschmack.



