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Ratingagenturen in Deutschland: Das sind BayRate und Co.

Spricht man von Ratingagenturen, meint man meistens die „Großen Drei“: Standard and Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch Ratings. Ihre Ratings beeinflussen den Finanzmarkt immens, bestimmen sie doch die Kreditwürdigkeit eines Staates und legen so indirekt die Zinssätze fest, zu denen sich Staaten mit Geld im Rahmen sogenannter Staatsanleihen eindecken können.

Besonders interessant ist dabei die Einstufung Deutschlands. Denn obwohl Deutschland als wirtschaftlich starkes Land gilt, wurde im Rahmen der Finanzkrise oft von einer Abstufung durch die einzelnen Ratingagenturen gesprochen. Außerdem gibt es auch in Deutschland Ratingagenturen, die ebenso die Bonität von den Geschäftspartnern ihrer Mitglieder überprüfen.

So wird Deutschland von den „Großen Drei“ eingestuft

Deutschland gilt allgemein als wirtschaftlich stabiles Land und wurde deshalb seit jeher sowohl von Standard and Poor’s (S&P) als auch Moody’s und Fitch Ratings mit der Bestnote (Aaa bei Moody’s, AAA bei S&P und Fitch) bewertet.

Das bedeutet, dass Deutschland als Schuldner höchster Bonität eingestuft wird. Staatsanleihen sind in diesem Fall mit einem sehr geringen Ausfallrisiko behaftet, das Land wird seine Schulden sehr wahrscheinlich pünktlich tilgen.

Allerdings wurde im Rahmen der Finanzkrise seit 2007/2008 auch die Einstufung Deutschlands diskutiert und in Frage gestellt. So senkte die Ratingagentur Moody’s  im Juli 2012 den Ausblick auf die Zahlungsfähigkeit Deutschlands von stabil auf negativ, untersuchte also noch einmal speziell das Rating Deutschlands. Bereits im Juni 2011 hatte Standard and Poor’s Deutschland mit einer Abstufung gedroht.

Zwar hatten diese Ankündigungen keine weiterreichenden Folgen, doch sorgten sie natürlich für Furore auf dem Finanzmarkt. Außerdem haben sie verdeutlicht, dass selbst wirtschaftlich starke Länder vor einer Herabstufung nicht gefeit sind, und vor allem, wie einflussreich die Ratingagenturen sind – allen voran die „Großen Drei“, aber nicht ausschließlich.

Creditreform, Schufa und Co.

Neben den großen amerikanischen Ratingagenturen werden solche aus anderen Ländern häufig vergessen. So gilt beispielsweise in Deutschland das Wirtschaftsforschungsunternehmen Creditreform mit Sitz in Neuss als die größte deutsche Ratingagentur. Im Gegensatz zu den „Großen Drei“ überprüft die Creditreform allerdings hauptsächlich mittelständische Unternehmen statt Großkonzerne.

Ein weiterer Unterschied ist die Unternehmensstruktur. Denn da es sich bei der Creditreform ursprünglich um einen Zusammenschluss von Kaufleuten handelte, ist auch heute noch eine Mitgliedschaft erforderlich. Tritt man dem Verband der Vereine Creditreform e.V. bei, kann man die einzelnen Angebote des Unternehmens nutzen, wie zum Beispiel Inkassodienste oder Risikobewertungen.

Außerdem gibt es auch eine Ratingagentur in Deutschland, die jeder Mieter oder Autobesitzer kennt. Denn auch die sogenannte „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ (oder kurz: Schufa) überprüft im Rahmen der Schufa-Auskunft die Bonität zukünftiger Schuldner, seit 2011 zählen dazu auch Unternehmen.

Weitere Ratingagenturen in Deutschland: Bayrate, MAR und URA

Daneben gibt es noch einige weitere Ratingagenturen in Deutschland, wie etwa die bayerische BayRate – Bavaria Rating AG, die Euler Hermes Rating GmbH, die Gesellschaft für Mittelstands- und Ärzterating (MAR) und die Unternehmens Ratingagentur (URA).

Sie alle haben sich – wie auch Creditreform und Schufa – allerdings eher auf den Mittelstand konzentriert. Deshalb bleiben die „Großen Drei“ Standard and Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch Ratings im internationalen Vergleich nach wie vor unangefochten an der Spitze.

Dennoch standen sie im Zuge der Finanzkrise besonders in der Kritik, ihr großer Einfluss auf den Finanzmarkt wurde vielfach bemängelt. Denn die Entscheidungen der Ratingagenturen bestimmen die Verzinsung der (Staats-)Anleihen und wirken sich so auf alle Interaktionen der jeweiligen Schuldner auf dem Finanzmarkt aus.

Werden Länder oder auch Unternehmen herabgestuft, sinkt in gleichem Maß ihr Ansehen und dementsprechend sinken auch ihre finanziellen Spielräume. Dabei gibt es keine übergreifende Kontrolle der Ratingagenturen, dadurch wenig Transparenz und oftmals auch Interessenkonflikte, da die Agenturen schließlich ihre eigenen Auftraggeber bewerten.

Insofern sollten Anleger die Entscheidungen der Ratingagenturen auch immer kritisch betrachten und deren Einwirkungen auf den Finanzmarkt, seine Produkte und die verschiedenen Akteure beachten. Dabei haben kleinere deutsche Ratingagenturen zwar weniger Macht und Einfluss, Anleger sollten sie aber dennoch nicht unterschätzen.

20. Dezember 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.