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Raus aus Zinsprodukten: Fondsbranche sieht Anleger falsch investiert

2014 war ein Rekordjahr für die deutschen Fondsanbieter. Zum Jahresende verwalteten sie fast 2,4 Billionen Euro – so viel wie noch nie. Tendenz weiter steigend.

Doch der Branchenverband BVI sieht die guten Aussichten getrübt. Neue Regulierungen wie das Beratungsprotokoll, die Vertriebsregeln oder Steuerpläne würden den Wettbewerb verzerren.

Zudem beklagt Thomas Richter im Gevestor-Interview die falsche Lenkungswirkung der Regulierung. Die Deutschen würden zwar fleißig sparen, aber falsch. Marcus Schult fragte den Hauptgeschäftsführer des BVI, was die Deutschen den falsch machten.

Klicken Sie auf den roten, runden “Play”-Button, um das Interview anzuhören.


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Thomas Richter: Die Deutschen legen zu viel in Zinsprodukte an. Es gibt momentan fast keine Zinsen mehr. Bundesanleihen haben unter einem halben Prozent Zinsen. Die ganzen Girokonten-Spareinlagen haben fast gar keine Zinsen mehr, wenn überhaupt. Insofern müssten sie eigentlich noch mehr in Fonds anlegen, obwohl die Entwicklung des letzten Jahres natürlich ganz hervorragend ist. Viele Anleger erkennen, dass sie etwas gegen die Minizinsen tun müssen. Das ist der Grund, warum sie in Fonds anlegen, denn Fonds haben die Möglichkeit, in unterschiedliche Anlageklassen zu investieren, also nicht nur in Zinsen, sondern auch in Dividenden, in Immobilien und in anderes.

GeVestor: Jetzt beklagt die Fondsindustrie eine sehr starke Regulierung. Wie viel Spielraum haben die Deutschen dann überhaupt, mit Fonds die Niedrigzinsen zu umgehen und mehr Gewinn zu machen?

Richter: Für den Privatanleger sind die Voraussetzungen sehr gut, in Fonds zu investieren. Der Privatanleger hat ein Produkt, das sehr flexibel ist. Er ist also nicht auf lange Zeit gebunden, wie bei vielen anderen Anlageprodukten. Er kann jederzeit wieder raus. Diese Regulierungsvorgaben treffen eher die Anbieter, also die Fondsgesellschaften, die sehr viele gesetzliche Verpflichtungen eingehen mussten in den letzten Jahren, die eben auch sehr teuer sind.

GeVestor: Teuer ist das Stichwort – wenn es teuer wird für den Anbieter, wird es am langen Ende wahrscheinlich auch teurer für den Nachfrager. Wie kommt der Anleger da heraus?

Richter: Der Anleger trägt diese Kosten, die den Anbieter treffen, entweder gar nicht oder nur zu einem geringen Teil. Das ist weniger ein Problem des Privatanlegers als des Anbieters selbst. Insgesamt sind die Fondskosten in den letzten Jahren nämlich stabil gewesen.

GeVestor: Das heißt, der Anleger merkt von der Regulierung gar nichts. Warum haben Sie dann etwas gegen die Regulierung?

Richter: Wir haben nichts gegen die Regulierung. Wir unterstützen die Regulierung. Wir sind auch Profiteure der Regulierung, weil die Anleger natürlich in ein reguliertes Produkt mehr Vertrauen haben als in eines vom grauen Kapitalmarkt. Das ist einer der Gründe, warum wir in diesem Jahr so erfolgreich waren. Aber es gibt natürlich auch ein Zuviel. Wir haben in den letzten Jahren 98 unterschiedliche Regulierungsvorhaben gehabt. Da sind viele dabei, die sich widersprechen. Wir haben unterschiedliche Gesetzgeber in Deutschland, in Europa, unterschiedliche Aufsichtsbehörden. Da passt an vielen Stellen die Regulierung nicht mehr zusammen. Wir haben Widersprüche, wir haben Überlappungen. Darum sagen wir, wir brauchen erst einmal eine Pause. Wir müssen evaluieren, was in den letzten Jahren passiert ist und dann können wir wieder neue Sachen angehen.

GeVestor: Da könnte manch ein Anleger auf die Idee kommen, zu sagen, „ich kann das Ganze sowieso umgehen, indem ich es selber mache“, Stichwort Digitalisierung. Digitalisierung ist etwas, wo der Selbstentscheider sich im Prinzip selbst versorgen kann. Fürchten Sie diese Entwicklung?

Richter: Überhaupt nicht. Wir haben momentan einen Prozentsatz von circa fünf an Selbstentscheidern. Das heißt, etwa fünf Prozent der Fondskunden sind Selbstentscheider. Das heißt, sie kommen nicht über einen Berater zum Fonds, sondern auf direktem Wege. Damit haben wir natürlich überhaupt kein Problem, wir sind ja die Fondsanbieter, also die Produzenten. Wenn die Anleger, die immer besser werden in Fondsinformationen, sie direkt nutzen, dann finden wir das sehr gut.

GeVestor: Bleibt die Frage – wo geht die Reise hin, wo sehen Sie die Anlagetrends in 2015?

Richter: Ich glaube, 2015 wird weiter ein Jahr des Fonds sein, weil Fonds die Möglichkeit haben, durch unterschiedliche Anlageklassen die Minizinsen zu umgehen, also höhere Renditen zu erwirtschaften, als es mit Zinsprodukten, die vermeintliche Sicherheit bieten, der Fall ist. Deswegen spricht dieses Jahr wieder sehr viel für Fonds, insbesondere auch für Immobilienfonds. Ich bin aber auch zuversichtlich, dass sich Aktienfonds wieder stärkerer Beliebtheit erfreuen werden.

12. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.