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Rendite: Vor und nach Steuern und Inflation

In Geld- und Sachwertanlagen zu investieren ist immer eine spekulative Angelegenheit. Was viele Anleger bei ihren Berechnungen jedoch nicht berücksichtigen: Auch der Fiskus will an den Gewinnen verdienen. Und auch eine nicht eingeplante Inflation kann die Rendite beträchtlich schmälern.

Renditen vor und nach Steuern bei Zinsen, Mieten und Dividenden

Zinseinnahmen, Mieteinnahmen und Dividenden sind steuerpflichtig. Sie zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen (Zinseinnahmen, Dividenden) oder Vermietung und Verpachtung (Mieteinnahmen).

Renditen vor und nach Steuern bei Zinsen, Mieten und Dividenden
VergleichZinsen (z.B. Anleihe Typ C)Mieten (z.B. vermietete Neubau-ETW)Dividenden (z.B. Bayer-Aktien)
laufende Rendite vor Steuer4,07%4,20%2,78%
– 40% Grenzsteuersatz-1,63%-1,70%-0,56%
= laufende Rendite nach Steuer2,44%2,50%2,22%

Bei einem angenommenen persönlichen Grenzsteuersatz von 40% ergeben sich dann beispielsweise nebenstehende Renditen nach Steuern, dabei unterliegen die Dividenden seit dem 1. Januar 2002 nur noch zur Hälfte der Einkommensteuer (Halbeinkünfteverfahren).

Renditen ohne Steuerabzug: Folgende Gewinne bleiben vom Fiskus verschont

Nicht steuerpflichtig sind aber beispielsweise:

  • Rückzahlungsgewinne bei Anleihen
  • realisierte Kursgewinne bei Anleihen nach Ablauf von zwölf Monaten zwischen Kauf und Verkauf
  • Steuerersparnis durch Abschreibungen bei Wohnimmobilien (z.B. 1,45% im 1.–10. Jahr bei vermieteten Neubau-Eigentumswohnungen)
  • Veräußerungsgewinne bei Wohnimmobilien nach Ablauf von zehn Jahren zwischen Kauf und Verkauf, falls der Verkauf im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung erfolgt
  • Veräußerungsgewinne bei Gold und anderen Sachwerten (z.B. Kunstgegenstände und Antiquitäten)
  • realisierte Kurs- bzw. Veräußerungsgewinne bei Aktien nach Ablauf von zwölf Monaten zwischen Kauf und Verkauf
  • realisierte Wertsteigerungen bei Aktienfonds, die auf Kursgewinnen beruhen, nach Ablauf von 12 Monaten zwischen Kauf und Verkauf

Rendite nach Steuerabzug: Ob Geld- oder Sachwertanlage spielt wichtige Rolle

Der Grenzsteuersatz zeigt an, wie viel Prozent eines Mehrbetrages von beispielsweise 1.000 € vom Finanzamt „wegbesteuert“ werden, beziehungsweise wie viel Prozent eines Minderbetrages (Verlust aus Vermietung und Verpachtung) als Steuerersparnis an Sie zurückfließen.

Unter Hinzurechnung dieser oft nur prognostizierten Zusatzrenditen kommen folgende Gesamtrenditen nach Steuern heraus.

Gesamtrenditen nach Steuern
Anleihen (z.B. Typ C)Immobilien (z.B. ETW)Aktien (z.B. Bayer)
laufende Rendite vor Steuer4,07%4,20%2,78%
– 40% Grenzsteuersatz-1,63%– 1,70%– 0,56%
= laufende Rendite nach Steuern2,44%2,50%2,22%
+ Rückzahlungsrendite+0,36%
+ steuerliche Zusatzrendite bei 40% Grenzsteuersatz+ 1,45%
= Basisrendite nach Steuern2,80%3,95%2,22%
+ realisierte Wertzuwachsrendite (prognostiziert)+ 3,00%22,32%
= Gesamtrendite nach Steuern2,80%6,95%24,54%

Von einer sicheren Rendite nach Steuern (mit einem Grenzsteuersatz von 40%) kann jedoch nur bei den festverzinslichen Anleihen (hier Bundesanleihe vom Typ C), die bis zur vollständigen Rückzahlung gehalten werden, die Rede sein. Bei Immobilien – und mehr noch bei Aktien – steht und fällt die Rendite nach Steuern mit der künftigen Entwicklung von Mieten und Immobilienpreisen oder von Dividenden und Kursen. Bei reinen Geldwertanlagen wie Bundesschatzbriefen und Anleihen ist es üblich, zwischen 3 Renditearten zu unterscheiden:

  • Basisrendite (= laufende Rendite plus Rückzahlungsrendite)
  • Rendite nach Steuern (= Nettorendite als Basisrendite nach Steuern)
  • Rendite vor Steuern (= Bruttorendite als Basisrendite vor Steuern)

So rechnen manche Anbieter Kunden reich!

Eigentlich braucht man sich als Anleger mit der Bruttorendite kaum zu beschäftigen. Aber: In vielen Angebotsprospekten und in manchen Beratergesprächen wird man mit „Renditen“ konfrontiert – und dabei handelt es sich meist um die Bruttorendite. Denn: Diese Prozentzahlen fallen immer höher aus als das, was für einen selbst unterm Strich tatsächlich übrigbleibt.

Um solche „Rendite“-Angebote zu überprüfen, sollte man wissen, wie die eine oder andere magere Anlageform „schöngerechnet“ wird und wie man selbst richtig kalkuliert. Die Basisrendite vor Steuern (Bruttorendite) wird dabei aus der Nettorendite durch „Hochrechnen“ mit dem Grenzsteuersatz gewonnen. Die Formel hierfür lautet:

Bruttorendite: (Nettorendite x 100) / ( 100 – Grenzsteuersatz)

Basis-, Netto- und Bruttorendite nach Steuern

Die Bruttorendite als rein „fiktive“ Rendite kann also Vergleiche mit unterschiedlichen Anlageformen ermöglichen. Für Anleger ist jedoch die Nettorendite als „echte“ Rendite nach Steuern viel aussagekräftiger. Nur sie gibt unter Berücksichtigung des individuellen Grenzsteuersatzes an, was wirklich nach Abzug von Steuern übrig bleibt (von Inflationsraten einmal abgesehen). Vergleichen Sie Basisrendite, Nettorendite und Bruttorendite einmal am Beispiel von zwei bekannten Anlageformen:

Basis-, Netto- und Bruttorenditen
beiBundesschatzbriefe (Typ b, Laufzeit 7 Jahre)Bundesanleihen (Typ C, Laufzeit 3 Jahre)
Basisrendite4,53%4,07% + 0,36%
= 4,43%
Nettorendite bei 40% Grenzsteuersatz2,72%2,80%
Bruttorendite bei 40% Grenzsteuersatz4,53%4,70%

Nur bei den Bundesschatzbriefen sind Basis- und Bruttorenditen identisch, da diese Papiere keine steuerfreie Zusatzrendite aufweisen. Mit anderen Worten: Die laufende Verzinsung wird voll der Steuer unterworfen, die Nettorendite wird nach Abzug der Steuer von der Basisrendite ermittelt (4,53% minus 0,4 x 4,53 = 2,72%). Bei den Bundesanleihen vom Typ C ist nur die laufende Rendite von 4,07% steuerpflichtig. Steuerfrei ist hingegen die Rückzahlungsrendite von 0,36%.

Rendite vor und nach Inflation: Der Inflation ein Schnippchen schlagen

Gerade bei Geldwertanlagen wie Bundesschatzbriefen und Bundesanleihen muss dem „Zinsjäger“ klar werden, dass er die mögliche Geldentwertung mit ins Kalkül einbeziehen muss. Ein Inflationsschutz ist bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 3% in den letzten 20 Jahren nur gegeben, wenn die Geldanlage mindestens 3% nach Steuern abwirft.

Ein Beispiel: Eine Bundesanleihe mit einem Nominalzins von 5,00% bringt bei spesenfreiem Erwerb und dem zu dem Zeitpunkt liegenden Kurs von 100,08% eine Rendite von 4,99%. Der Anstieg der Lebenshaltungskosten gegenüber dem Vorjahr liegt bei 1,5%.

Die Realzinsrechnung

Dieser Lebenshaltungskosten- oder Verbraucherpreisindex ist der am meisten gebräuchliche Maßstab zur Ermittlung der Inflationsrate und damit der Geldentwertung. Die Anleihe weist immerhin noch einen Realzins von 3,49 aus, wenn wie folgt gerechnet wird:

Nominalzins von Neuanleihen (entspricht etwa der Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere)4,99%
– Inflationsrate (gemessen an der jährlichen Steigerung der Lebenshaltungskosten)– 1,50%
= Realzins3,49%

Realistisch rechnende Geldanleger ziehen die Inflationsrate von der Rendite nach Steuern (Nettorendite) ab und kommen dann zu dem „Nettorealzins“. Am Beispiel einer Bundesanleihe sei dies einmal erläutert:

Nettorealzins bei Bundesanleihen
Basisrendite4,43%
Nettorendite2,80%
– Inflationsrate-1,50%
= Nettorealzins1,30%

Konsequenz: Wer langfristig mit einer Inflationsrate von 3 bis 4% rechnet, muss eine Nettorendite von mindestens 4% erwirtschaften, um der Inflation und der Steuer ein Schnippchen zu schlagen. Eines wird bei diesen ganzen Formeln deutlich: Es ist enorm wichtig als Anleger die unterschiedlichen Berechnungsarten der Rendite zu kennen und auch die Möglichkeit einer Inflation zu berücksichtigen, um nicht auf falsche Angebote hereinzufallen.

17. Juli 2005

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.