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Rentenversicherung Ausblick

Die Bundesregierung etablierte 1957 ein neues gesetzliches Rentensystem.

Grund für die Änderungen waren die leeren gesetzlichen Rentenkassen, die Weltwirtschaftskrise ab 1929 und eine missbräuchliche Verwendung des angesammelten Rentenkapitals zur Deckung der Kriegskosten.

Das bis dahin geltende Bismarcksche Alters- und Invalidensicherungs-System war nicht mehr praktikabel und belastete den Staatshaushalt.

Die Lösung war die Einführung des so genannten umlagefinanzierten Rentensystems.

Hierbei wird die aktuelle Rente nicht aus einem angesparten Kapital finanziert, sondern über den Rentenversicherungs-Beitrag aus dem Arbeits-Einkommen der jüngeren, erwerbstätigen Generation.

Die Rechtsbiometrik

Mithilfe der Rechtsbiometrik werden rechtliche Probleme, die sich aus der gewandelten Bevölkerungs-Struktur für die Alterssicherungs-Systeme ergeben, untersucht.

Die Rechtsbiometrik ist eine Untersuchungs-Methode der Identifikations-Technik.

Der Fokus dieser Methode liegt auf der Altersentwicklung von Menschen, die zum Beispiel für die Rentenversicherung von großer Bedeutung ist.

Nach Berechnungen des Jahres 2008 wird die deutsche Bevölkerung von ca. 82 Mio. Einwohnern auf ca. 65 bis 70 Mio. im Jahre 2060 schrumpfen.

Die Zahl der Rentner wird voraussichtlich im Jahre 2020 sprunghaft steigen, da die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter eintreten.

2008 lag der Anteil der über 65-jährigen bei 20,4%. Im Jahr 2060 wird diese Zahl voraussichtlich auf ca. 34% steigen. Bis dahin wird sich das Geburten-Defizit vermutlich verdreifachen.

Das bedeutet für den Arbeitsmarkt, dass die Zahl der Menschen, die im erwerbsfähigen Alter (von 20 bis unter 65 Jahren) von 60,6% (2008) auf 50,4% (2060) der Gesamtbevölkerung zurückgehen wird.

Damit sinkt auch die Zahl der potentiellen Rentenversicherungs-Beitragszahler.

Das Problem der „Biometrischen Schere“

Das Phänomen der Überalterung der deutschen Bevölkerung, welche auf rückläufigen Geburtenzahlen und zunehmender Langlebigkeit basiert, ist in der Fachwelt unter dem Begriff „Biometrische Schere“ bekannt.

Die Geburtenzahlen sind in Deutschland seit Mitte der 1960er-Jahre rückläufig.

Das bedeutet, dass es damals noch zu durchschnittlich 2,5 Geburten pro Frau kam. Nach dem Stand des Jahres 2008 sind es nur noch 1,4 – mit rücklaufender Tendenz.

Jedoch stieg auch etwa alle 10 Jahre die Lebenserwartung um 2 bis 3 Jahre. Das hat zur Konsequenz, dass immer mehr und immer älter werdende Rentner von immer weniger Beitragszahlern finanziert werden müssen.

Dieser Prozess kann durch die Erhöhung des Renteneintritts-Alters, Beitrags-Anpassungen und Zuwanderungen verlangsamt, jedoch nicht gestoppt werden.

Diese Situation wird sich voraussichtlich im Jahr 2020 verstärken, wenn die geburtenstärksten Jahrgänge der Nachkriegs-Geschichte das Renteneintritts-Alter erreichen.

Aufgrund dieser Problematik musste der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung seit Einführung des umlagefinanzierten Rentensystems im Jahre 1957 von 14,0 auf 19,6% fast kontinuierlich erhöht werden.

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung ist ab 01.01.2012 nach einem Beschluss des Bundeskabinetts von 19,9 auf 19,6% gesunken. Das Renteneintrittsalter wurde von 65 Jahre auf 67 Jahre erhöht.

13. Juni 2012

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.