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Rentnerprivileg – Was hat es damit auf sich?

Manche Arbeitnehmer sehnen den Tag schon seit langem herbei, andere fürchte ihn wie die Pest. Gemeint ist natürlich der Zeitpunkt der Pension und das daran anschließende Dasein als Rentner.

Das Rentnerprivileg

Aber auch, wenn man dem Ruhestand eher locker gegenübersteht, würde wohl kaum jemand so weit gehen, ihn als Privileg zu bezeichnen. Dennoch gibt es die Bezeichnung des Rentnerprivilegs in Wirtschafts- und Steuerfachkreisen.

Aber bevor Sie sich jetzt noch mehr aufs Rentenalter freuen der wichtigste Hinweis vorab: Das Rentnerprivileg ist schon seit geraumer Zeit abgeschafft. Trotzdem ist das Thema immer noch präsent.

Damit Sie die wichtigsten Entwicklungen in diesem Bereich nachvollziehen können, sind die Fakten noch einmal übersichtlich versammelt worden. Darum die Frage: Was genau hatte es nun mit diesem so genannten Rentnerprivileg auf sich?

Rentnerprivileg im Scheidungsfall

Das Rentnerprivileg bezeichnete einen gesetzlichen Grundsatz, der 1977 vom Gesetzgeber eingeführt wurde. Es bezog sich auf den Fall der Scheidung bei einem berenteten Ehegatten.

Dieser sollte dann nämlich seine Rente solange ungekürzt erhalten bis der andere ehemalige Ehepartner selbst ins Rentenalter eintritt. Auf diese Weise sollte der Versorgungsausgleich erleichtert und gewährleistet werden.

Das Rentnerprivileg sollte also sicherstellen, dass die eigene Rente noch einige Zeit ungekürzt gezahlt würde. Als Begründung wurde damals angeführt, dass Rentner ihre Vorsorge kaum noch verbessern und darum Abzüge nicht ausgleichen könnten.

Erst mit dem Eintritt des anderen Partners ins Rentenalter wurde die Versorgungszahlung für den Unterhalt automatisch von den eigenen Rentenbezügen abgezogen.

Rentnerprivileg ist Geschichte

Doch all das ist schon seit längerer Zeit Geschichte. Seit September 1999 gibt es das Rentnerprivileg nicht mehr. So entschied es eine Reform zum Versorgungsausgleich, die damals verabschiedet wurde.

Ziel der Reform war, die Aufteilung der Vermögens- und Versorgungsansprüche beider Eheleute nach einer Scheidung einfacher zu machen.

Seitdem wird nicht nur das Versorgungsanrecht bei der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch zum Beispiel der Beamtenversorgung, der Betriebsrenten oder privater Altersvorsorge schon bei der Scheidung vollständig geteilt.

Jeder Ehegatte bekommt für seinen Anteil beim Versorgungsträger des anderen ein eigenes Rentenkonto. Beispiel: A und B sind seit 20 Jahren verheiratet. Mit 65 geht B in Rente, er erhält monatlich 2.000 Euro. Nach kurzer Zeit des dauernden Zusammenseins scheitert die Ehe nun.

Bei dem Versorgungsausgleich werden der 10 Jahre jüngeren A die Hälfte der in der Ehe erworbenen Anwartschaften des B übertragen, so dass sich dessen Rente um 500 Euro auf 1.500 Euro vermindert.

Bis die A selbst im Rentenalter ist, und den ihr übertragenen Anteil nutzen kann, erhält der B, der an A noch Unterhalt von 400 Euro zahlen muss 1.900 Euro.

Eigene Regelungen möglich

Abgesehen von diesen Regelungen, die der Gesetzgeber besonders für strittige Fälle vorgesehen hat, sind aber natürlich auch andere einvernehmliche Lösungen möglich.

Jede beliebige Ausgleichsregelung ist erlaubt, so lange sich die Scheidenden darüber einig sind. In vielen Fällen wird heutzutage sogar vollkommen auf den Versorgungsausgleich verzichtet.

Stattdessen kann man dann zum Beispiel vereinbaren, dass der ehemalige Ehegatte seine komplette Rente behalten darf, die Frau aber dafür über Wohnrechte in der Eigentumswohnung verfügt oder ähnliches.

Wichtig ist, dass solche Vereinbarungen zwischen den geschiedenen Ehepartnern vom Familiengericht zugelassen und bestätigt werden müssen.

9. Mai 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.