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Reymer Klüver: Amerika muss sich wandeln

Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Buches „Amerikas letzte Chance“ von Reymer Klüver und Christian Wernicke führte GeVestor ein exklusives Interview mit einem der Autoren:

GeVestor: Was hat Sie zu Ihren ersten USA-Besuchen bewegt?

Reymer Klüver: Die reine Neugierde. Die USA waren groß und weit weg, fast ein mythischer Ort. Schon als Jugendlicher war ich von Amerika fasziniert.

GeVestor: Was in den USA hat Ihr Interesse besonders geweckt.

Klüver: Ich habe bei meinem ersten Besuch Amerika einmal von Ost nach West durchquert. Die Weite, die scheinbare Grenzenlosigkeit hat mich tief beeindruckt. Und dann die Freundlichkeit der Menschen, die dem Fremden gegenüber sehr aufgeschlossen waren, einen oft spontan eingeladen haben.

GeVestor: Wie sind Sie in Ihre Rollen als politische Korrespondenten der Süddeutschen Zeitung gekommen?

Klüver: Die einfache Antwort: Der Chefredakteur hat uns berufen. Die etwas kompliziertere: Interesse an dem Job und die Überzeugung von Kollegen, dass man auf der Stelle die geeignete Person wäre, haben sich getroffen.

GeVestor: Was hat Sie bewegt dieses Buch zu verfassen?

Klüver: Es ist eine Art Quintessenz einer langjährigen Kooperation. Wir sind beide nun schon 7 Jahre in Washington tätig. Die kommende Wahl bot die beste Gelegenheit, ein Resümee zu ziehen.

GeVestor: Wie ist Ihnen der Optimismus der Amerikaner bei Ihren ersten Besuchen in den 1980er-Jahren aufgefallen, wie waren die Menschen eingestellt?

Klüver: In persönlichen Gesprächen, v.a. in Kalifornien: Der Can-Do-Spirit, die Einstellung, dass man seine Ziele schon schaffen kann, wenn man sich nur wirklich anstrengt, die Überzeugung, dass einem die Welt offensteht, haben mich Mitte der 80er-Jahre tief beeindruckt – vielleicht auch, oder gerade im Gegensatz zur verbreiteten Stimmung damals in Deutschland.

GeVestor: Was hat sich seit Ihren ersten Besuchen in wirtschaftlicher Hinsicht in den USA geändert?

Klüver: Dieser Can-Do-Spirit, von dem ich eben sprach, ist abhanden gekommen. Nicht, dass es ihn nicht noch gäbe. Im Gegenteil, er wird ständig beschworen, und der Optimismus gerade auch intellektueller Amerikaner, dass die USA ihre gegenwärtige Misere überwinden werden, ist phänomenal.

Dennoch hat sich eine Stimmung der Begrenztheit und der Sorge vor der Zukunft eingeschlichen, die früher nicht so verbreitet war.

GeVestor: Haben sich die von ihnen beobachteten Einzelschicksale alle in allgemein erkennbare Trends einordnen lassen?

Klüver: Zumindest ließ sich in vielen unserer Begegnungen die zunehmende Zerrissenheit der US-Gesellschaft feststellen.

GeVestor: Gab es in der Immobilienkrise eigentlich auch Profiteure?

Klüver: Oh, sicherlich: z.B. all diejenigen, die zwangsgeräumte Häuser billig ersteigern konnten. Es gibt doch immer Winners und Losers.

GeVestor: Wie werden sich die Märkte nun nach der Rezession bewegen?

Klüver: Wenn ich nur eine Kristallkugel besäße…

GeVestor: Wohin geht Amerika wenn Romney der nächste Präsident werden sollte?

Klüver: Das ist natürlich schwer zu sagen. Die Befürchtung ist indes, dass sich die sozialen Gegensätze weiter verschärfen werden, weil Romney beweisen muss, dass er sparen kann – und das würde er im Sozialbereich machen.

Den Armen würden sozusagen staatliche Subventionen genommen, während die Wohlhabenderen eine weiterhin großzügige Steuerpolitik erwarten dürften. Schließlich würde die Skepsis gegenüber dem Klimawandel und eine Lockerung der unter Obama eingeführten Grenzwerte die Klimabilanz der USA weiter verschlechtern.

GeVestor: Wäre für die wirtschaftliche Situation möglicherweise die Wahl Romneys sogar vorteilhaft?

Klüver: Auch das ist schwer vorherzusehen. Romney selbst verspricht eine Senkung der Arbeitslosigkeit während der kommenden Wahlperiode auf rund 6%; das entspricht der Prognose des Congressional Budget Office. Und die wurde gemacht unabhängig davon, wer im Weißen Haus sitzen wird.

GeVestor: In den aktuellen Umfragen liegt Obama noch vor Romney. Glauben Sie, dass die gut geölte Wahlkampmaschine von Romney ihm einen Sieg ermöglichen kann?

Klüver: Das Rennen wird äußerst knapp. Es ist von so vielen Faktoren abhängig – wie ist die Stimmung im Herbst, wie läuft die Wirtschaft in den entscheidenden Swing States wie Florida oder Ohio –, als dass man jetzt eine Prognose wagen sollte. Gut geölt sind die Wahlkampfmaschinen beider Kandidaten.

Reymer Klüver berichtet seit 2005 als politischer Korrespondent der Süddeutschen Zeitung aus den USA. Lesen Sie hier mehr über die Autoren des Buches.

Das Buch ist im Berlin Verlag erschienen und kostet 19,90€.

20. August 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.