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Riester-Rente: Was wirklich dahinter steckt

Offiziell ist die Riester-Rente, die 2000/2001 eingeführt wurde, »eine vom Staat durch Zulagen und Sonderausgabenabzugsmöglichkeiten geförderte, privat finanzierte Rente.«

Das Ziel: Alle zulagenberechtigten Personen sollen mit ihrer Hilfe eine private Altersvorsorge mit staatlicher Unterstützung aufbauen.

Was aber steckt wirklich dahinter? Machen Sie Geld kaputt oder bekommen Sie etwas vom Staat geschenkt? Dies möchte ich so objektiv wie möglich ermitteln.

So funktioniert die Riester-Rente

Um die volle Förderung zu erhalten, müssen Sie 4 % Ihres Brutto-Jahreseinkommens in einen Riester-Vertrag einzahlen.

Der Mindest-Eigenbetrag pro Jahr liegt seit 2008 bei stolzen 2.100 €.

Wer weniger einbezahlt, dem wird die Förderung anteilig gekürzt. Der Einzahlbetrag setzt sich aus Ihren eigenen Beiträgen sowie der staatlichen Förderung zusammen.

Gegenwärtig erhält man folgende Förderungen:

  • Vertragsinhaber: 154 €
  • Pro Kind: 185 € (bis zu 2007 geboren), 300 € (ab 2008 geboren)
  • Die Förderung besteht aus 2 Komponenten: einmal die Altersvorsorge-Zulage und dann der Sonderausgabenabzug.
  • Günstigerprüfung: Das Finanzamt prüft, was günstiger ist – Zulage oder Sonderausgabenabzug.
  • Eine zusätzliche Steuerersparnis kann dann entstehen, wenn die steuerliche Absetzbarkeit höher ist als der Zulagenanspruch.
  • Ergibt sich ein Differenzbetrag, wird dieser dann über die Einkommensteuer-Rückerstattung überwiesen. Die Zulage wird aber immer dem Vorsorgevertrag gutgeschrieben.

Beispiel:

Sven Schmidt, alleinstehend, 35 Jahre, mit einem jährlichen Bruttoeinkommen von 52.500 €, muss 30 % Einkommenssteuer bezahlen. Zahlt er 2.100 € in einen Riester-Vertrag ein, erhält er zunächst einen Zuschuss von 154 €.

Zudem kann er die Einkommenssteuer für die 2.100 € zurückfordern, die in den Riestervertrag flossen, was eine Steuerersparnis von rund 630 € bedeutet. Anstatt 2.100 € zahlt er in Wahrheit also nur 1.470 € Riesterbeitrag.

Wohn-Riester

Die Zahlungen, die in einen Riester-Vertrag fließen, können auch als Eigenmittel für einen Immobilienkauf angespart werden.

So können die staatlichen Zuschüsse direkt zur Tilgung eines Kredits benutzt werden.

Andererseits kann das angesparte Geld in einem Riester-Vertrag für Altersvorsorge ebenfalls komplett für den Kauf oder Bau einer Immobilie verwendet werden.

Fondsgebundener Riester-Vertrag

Einen fondsgebundenen Riester-Vertrag kann man in verschiedenen Varianten wählen, die auch miteinander kombinierbar sind – etwa die freie Auswahl von Fonds oder vorgegebene Fonds.

Dabei gilt die altbekannte Regel: Je höher der Aktienfonds-Anteil, desto höher das Risiko, aber auch bessere Renditechancen. Doch dies ist natürlich abhängig von der Anlagestrategie, den Kosten und der Summe der Überschuss-Beteiligung.

Was spricht für einen Riestervertrag?

  • Staatliche Förderung
  • Steuerersparnis
  • Anlagen sind durch die Riester-Gesetze vor dem Konkurs geschützt.
  • Zahlungen können bei Wohn-Riester auch für Immobiliendarlehen verwendet werden.
  • Zu Beginn der Auszahlungsphase muss mindestens die Summe der eingezahlten Beiträge (Eigenleistung + staatliche Zulage) garantiert werden.
  • Übertragung des vorhandenen Kapitals auf einen anderen Tarif beim selben Anbieter oder auf einen anderen Anbieter ist möglich.
  • Die Finanzierung einer Wohnung oder selbstgenutzten Immobilie ist auch im EU/EWR-Ausland möglich. Das steuerlich geförderte Altersvorsorge-Vermögen kann  hierfür genutzt werden. Es handelt sich dabei um die 27 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein und Norwegen, nicht jedoch um die Schweiz oder die Türkei. Die Förderung bleibt auch im Falle eines Wegzugs ins EU/EWR-Ausland erhalten.
  • Flexibler Rentenbeginn (zwischen 60 und 67)
  • Vertraglich garantierte lebenslange Mindestrente
  • Kapitalwahlrecht (bis zu 30 %)
  • Pfändungsschutz
  • Hartz-IV-Sicherheit.

Was spricht gegen einen Riestervertrag?

  • Volle Versteuerung im Rentenalter (nachgelagerte Besteuerung)
  • Die Altersvorsorgezulage geht nicht direkt an den Beitragszahler.
  • Die Altersvorsorgezulage muss beantragt werden.
  • Der Anspruch auf die Zulage verfällt in 4 Jahren.
  • Renten dürfen frühestens ab dem 60. Lebensjahr in Anspruch genommen werden.
  • Die Zulagen und die Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden, wenn der Vertrag vorzeitig gekündigt wird, wenn der Anspruchsberechtigte vor Rentenbeginn verstirbt (NUR der Ehepartner kann das Vertragsguthaben übernehmen, wenn auch er einen Riester-Vertrag abgeschlossen hat), wenn das Wohneigentum nicht der Altersvorsorge dient oder wenn die unbeschränkte Einkommensteuer-Pflicht in Deutschland endet.
  • Riester-Gesetze sind kompliziert.
  • Sehr hohe Kosten (I): Bei manchen Anbietern liegen die Gebühren sogar über den staatlichen Zulagen.
  • Hohe Kosten (II): Trotz Förderung schneiden Aktienindexfonds ähnlich ab, weil Ausgabeaufschläge, Verwaltungs- und Garantiekosten bei Riester-Fonds deutlich höher sind.
  • Häufig ist  die Förderung kein »Geschenk« des Staates, sondern dient nur dazu eine doppelte Besteuerung zu verringern (z. B. bei Doppelverdiener-Ehepaaren).
  • Freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung: Hier findet eine  Doppelverbeitragung statt, da sich der Beitrag in der Krankenversicherung der Rentner am Gesamteinkommen bis zur Beitragsbemessungs-Grenze bemisst; d. h. einschließlich der Auszahlung aus der Riester-Rente.

3. September 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Geldanlage-Berater Grafik 26
Von: Michael Grandt. Über den Autor

Ein Mann, der mit seiner knallharten Recherche und seinem unbestechlichen Gespür schon Tausende von Anlegern vor schweren Verlusten bewahrt hat.