Enttäuschend waren die letzten Ergebnisse des kanadischen Elektronikherstellers Research in Motion (RIM), dessen wohl bekannteste Produktreihe die Blackberry-Geräte sind.
Schleppender Verkauf
Der einst visionäre Hersteller von Smartphones der ersten Stunde ist durch die Konkurrenz abgeschlagen worden. Es scheintmittlerweile, dass die Nutzer vor allem einen scharfen Blick auf das jeweilige Betriebssystem des Smartphoneshaben.
Mit den jeweiligen, stark variierenden App-Angeboten, die den Smartphone-Markt mittlerweile dominieren, scheint das auch nicht sonderlich verwunderlich.
In Deutschland haben mittlerweile 30% der Smartphones das Android-Betriebssystem von Google installiert. Den zweiten Platz belegt Nokia mit seinem Symbian-System und auf Platz 3 landet Apple mit IOS. Blackberrys eigenes System wird unter „ferner Liefen“ mit lediglich 5% gelistet. Kein Wunder also, dass sich Research in Motion im zweiten Quartal angestrengt hat.
Research in Motion unter Zugzwang
Das Monopol der Smartphones konnte sich Research in Motion nicht sichern. Vor allem haben sie das App-Geschäft, das zuerst von Apple groß aufgezogen wurde, unterschätzt und kamen nicht mehr hinterher. Auch das Tablet von RIM, Playbook, ist bis jetzt ein Ladenhüter.
Der unangefochtene Spitzenreiter ist nach wie vor Apple. Samsung kann sich aufgrund der Patentrechte nicht durchsetzen und Hersteller wie HP haben ganz aufgegeben. Es gibt Gerüchte über ein Amazon-Tablet, aber auch das müsste sich zunächst gegen Apple etablieren.
Research in Motion versucht nun vor allem mit technischen Neuerungen und mit einem breiteren Angebot für die Kunden, seine Verkaufszahlen anzukurbeln.
Eine viel beachtete Maßnahme war der Ausbau der Musik -Sparte. Diese hat Blackberry für seine Kunden attraktiver gemacht, indem mehrere Verträge mit großen Musikfirmen geschlossen und der Austausch von Musik zwischen Blackberry-Nutzern zu einem festen Bestandteil erklärt wurden.
Nutzer von Blackberry-Messenger können in ihrer Bibliothek fortan 50 Lieder speichern und monatlich 25 Lieder austauschen.
Neuer Blackberry-Hoffnungsträger
Interessant ist ebenfalls die große Neuankündigung des Blackberry Bold 9900. Es handelt sich um ein Smartphone, das Touchscreen und Tastatur miteinander vereint, um das Navigieren zu erleichtern.
Der Prozessor wurde aufgestockt auf 1,2 GHz und der Arbeitsspeicher beträgt 768 MB. Das Betriebssystem ist das neue RIM Blackberry 7 OS und die wirkliche Besonderheit ist die Integration von NFC (Near Field Communications).
Hierbei handelt es sich um eine Technologie zur Datenübertragung, ähnlich wie Bluetooth. Für die Anwender funktioniert es nach dem gleichen Prinzip, d.h. kurzer Abstand zum Empfänger für Datenübertragung oder Zugriff, doch die Technologie soll auch dazu dienen, Beträge zu bezahlen, Schlösser zu öffnen oder Tickets zu ziehen.
In Deutschland noch nicht etabliert, in anderen Ländern wie den USA, Frankreich oder Japan gibt es bereits größere Kooperationen mit Firmen.
Investiert wird ebenfalls in die zukunftsträchtigen 4G-Technologie mit Namen LTE. Noch ist die Technik nicht ausgereift, doch das Setzen auf höhere Bandbreiten in der Mobilfunktechnologie sollte wohl für einen Hersteller von Geräten eine Selbstverständlichkeit sein.
Anleger nicht glücklich
Trotz all dieser Neuerungen, Ankündigungen und Voraussagen scheinen nicht alle RIM-Anleger froh über die Leitung des Unternehmens zu sein.
In einem kritischen Brief schrieb Vic Alboini, der CEO der Jaguar Financial Corporation und Halter von 5% der RIM-Anteile, die Geschäftsleitung müsse eine radikale Kehrtwende schaffen und dürfe sich nicht weiter auf dem Status Quo ausruhen.
Dies sei nötig, um die Aktienwerte zu erhöhen und damit letztendlich das Geschäft zu retten. RIM stagniert und das gefällt den Aktionären nicht. Daher solle RIM sich entweder einer Rundum-Kur unterziehen oder über einen Verkauf nachdenken.
Prognose zu neuen Zahlen
Die Krise wird sich wahrscheinlich auch in den kommenden Quartalszahlen zeigen. Diese werden sich nicht großartig von den letzten unterscheiden, doch die angesprochenen Neuerungen können für einen leichten Aufwärtstrend in den nächsten Quartalen sprechen.
Nichtsdestotrotz, Blackberry muss in Zukunft versuchen wieder „cool“ zu werden und an die Nutzerfreundlichkeit heranzureichen. Doch cooler werden als Apple? Da wird man sich etwas einfallen lassen müssen.


