Nur einen Tag nachdem der Schweizer Pharma-Konzern Roche das Angebot für den amerikanischen Diagnostik-Spezialisten Illumina vorgelegt hat, kommt heute die Antwort des Übernahme-Kandidaten.
Illumina ist von dem Annäherungsversuch wenig begeistert und hat einen „shareholder rights plan“ verabschiedet, der den Bieter zunächst auf Distanz halten soll. Sollte ein Aktionär (Roche) mehr als 15% der Illumina-Anteile halten, werden neue Aktien ausgegeben, sodass sich die Übernahme erheblich verteuert.
Für Roche wäre in so einem Fall die Übernahme uninteressant.
Giftpillen in Deutschland fast unmöglich
Der „shareholder rights plan“ – in Deutschland „Giftpille“ genannt, ist ein beliebtes Instrument im angelsächsischen Raum, um ungewollte Übernahmen zu verhindern. Durch die Ausgabe neuer Aktien wird die Beteiligung verwässert und eine Übernahme ist so gut wie unmöglich.
Andere Giftpillen sind der Verkauf von Konzernteilen oder die Leerung der Unternehmenskasse. In Amerika sind solche Giftpillen deutlich häufiger anzutreffen als in Deutschland. Denn in Deutschland ist das Übernahme-Geschäft reglementierter und verbietet den Großteil der Abwehrmaßnahmen.
Diskussion über Gesetzesänderung
Da die Zahl feindlicher Übernahme-Versuche stark zugenommen hat, wird diskutiert, ob das europäische Übernahme-.Gesetz überarbeitet werden soll. Einen neuen Mittelweg zu finden ist allerdings schwer, denn der Wettbewerb soll durch eine Änderung nicht behindert werden.
Auf der anderen Seite müssen die Aktionäre vor Billig-Offerten geschützt werden. Der Fall Hochtief etwa hat gezeigt, dass bei der aktuellen Regelung es unter Umständen ausreichend ist, wenn nur wenige Aktionäre auf ein Übernahme-Angebot eingehen.
Wenn der Großteil der außenstehenden Aktionäre und das Management des Übernahme-Kandidaten sich jedoch gegen einen Deal aussprechen, sollten Abwehrmaßnahmen vorhanden sein.
Roche und die Giftpille: Deal ist nicht vom Tisch
Bei Roche handelt es sich bislang um einen ganz normalen Vorgang. Ein Deal ist durch die Giftpille noch lange nicht vom Tisch. Der Bieter hat Interesse angemeldet – und der Übernahme-Kandidat nimmt sich die Zeit, das Angebot in Ruhe zu prüfen.
Illumina hat die Investmentbanken Goldman Sachs sowie Bank of America Merrill Lynch mit der Prüfung der Offerte beauftragt. Wenn die Banken feststellen sollten, dass der Angebotspreis angemessen ist, wird Illumina die Giftpille zurückziehen. Dann kann es sogar eine Einigung zum aktuellen Preis von 44,50 Dollar je Aktie geben.
Stellt sich bei der Prüfung heraus, dass der Illumina-Wert leicht höher ist als das Roche-Angebot, könnten die beiden Parteien Verhandlungen beginnen, um eine Preis-Übereinkunft auszuhandeln.
Stellt sich jedoch heraus, dass der Wert deutlich höher ist, wird Illumina die Giftpille ausspielen. Für Roche bleibt dann nur noch die Möglichkeit, dass Angebot aufzustocken. In einer ersten Ankündigung hat Roche dies zwar ausgeschlossen - wie in der gestrigen Ausgabe beschrieben, muss das aber nicht die ganze Wahrheit sein: Im Übernahme-Geschäft lässt man sich nicht in die Karten schauen…



