Bevor ich auf das heutige Übernahme-Thema eingehe, möchte ich zunächst noch einmal kurz das Resultat der gestrigen Übernahme-Pläne von der Benetton-Familie ansprechen.
Die Gründerfamilie hat sich nicht gerade großzügig gezeigt, denn die Übernahme-Offerte beläuft sich auf enttäuschende 4,60 Euro je Aktie.
Zwar ist das immerhin noch eine satte Übernahme-Prämie von rund 40% im Vergleich zum 3-Monats-Durchschnittskurs – aber sehr weit weg vom Buchwert, der bei über 8 Euro je Aktie liegt.
Es stellt sich daher die Frage, ob der Übernahme-Plan der Familie wirklich so einfach aufgeht.
Denn viele Langfrist-Anleger sitzen auf großen Verlusten und werden nicht einfach die Chance auf einen höheren Wert aufgeben wollen.
Gut möglich, dass das letzte Wort bei dem Deal noch nicht gesprochen ist. Das sieht auch der Markt so: Die Aktie eröffnet und schließt über den Angebotspreis.
Neuer BHP-Konkurrent im Anmarsch
Zum heutigen Thema: In der Rohstoff-Branche bahnt sich ein spektakulärer Deal an. Wie heute der Minenkonzern Xstrata bestätigte, wird mit dem weltgrößten Rohstoff-Händler Glencore eine Fusion „unter Gleichen“ geprüft.
Wenn es zu einer Fusion kommt, liegt das Volumen des Deals bei gigantischen 82 Mrd. Dollar (rund 63 Mrd. Euro). Der neu entstehende Konzern wäre damit auf einer Augenhöhe mit dem australischen Minen-Giganten BHP Billiton.
Auftakt einer neuen Übernahme-Welle
Von Kappstadt bis London steigen heute die großen Minenwerte. Klappt die Fusion ist das der Auftakt einer weiteren Übernahme-Welle in der Rohstoff-Branche. Schon jetzt ist die Aktivität sehr hoch – nach der Fusion wird sie weiter ansteigen.
Besonders Minen-Konzerne aus der zweiten Reihe sind dann akute Übernahme-Ziele. Mit der Übernahme eines kleinen kanadischen Explorers werden die Konkurrenten wohl nicht antworten. Es wird in diesem Jahr weitere Milliarden-Offerten geben.
Deal schafft großes Potenzial
Die Aktien von Glencore und Xstrata reagierten auf die Fusionspläne mit satten Kursgewinnen. Während sich Xstrata um 10% verteuerte, ging es mit Glencore um 7% nach oben.
Die Vorschusslorbeeren sind berechtigt. Ein Deal würde sehr große Vorteile entlang der Wertschöpfungskette generieren. Glencore mit enormer Marktmacht als weltgrößter Rohstoff-Händler schließt sich mit den viertgrößten Minen-Konzern der Welt zusammen! – Man muss kein Analyst sein, um die Vorteile dieses Deals verstehen zu können.
Der Übernahme-Sensor erwartet eine breite Zustimmung der Aktionäre, wenn die Fusionspläne umgesetzt werden.
Anglo American könnte der nächste Schritt sein
Der Deal betrifft nicht nur Xstrata und Glencore. Auch Anglo American-Aktien ziehen an (+4,3%). Es wird (zu Recht!) spekuliert, dass nach einer Fusion der Bergbau-Konzern ins Fadenkreuz geraten könnte.
Bereits 2009 hatte sich Xstrata an Anglo American angenähert, konnte jedoch keinen Deal einfädeln. Zusammen mit Glencore ist eine Übernahme möglich. Es ist zwar nicht unmittelbar mit einem Angebot zu rechnen, doch mittelfristig könnte Anglo American der nächste Schritt sein. Wenn der Minen-Konzern dann noch zu haben ist...



