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Rolf Breuer: Eine Karriere, ein Skandalinterview und späte Folgen

Rolf Breuer erreichte etwas, was nicht viele Menschen schaffen. Eine Karriere, die ihn vom einfachen Bankangestellten bis in die Chefetage der Deutschen Bank führte. Ein Werdegang wie aus dem Bilderbuch. Auf der anderen Seite schaffte Breuer es auch, mit einem einzigen Interview einen Skandal zu schaffen, der die Gerichte über Jahre beschäftigte und die Deutsche Bank und ihn persönlich eine Menge Geld kostete.

Rolf Breuer: Der Weg an die Spitze

Rolf-Ernst Breuer kommt 1937 in Bonn zur Welt. Nach seiner Lehre bei der Deutschen Bank studiert Breuer Rechtswissenschaften an den Universitäten Lausanne, München und Bonn. 1967 promoviert Breuer an der Universität Bonn in den Rechtswissenschaften.

Zurück bei seinem alten Arbeitgeber, der Deutschen Bank, arbeitet Breuer zunächst in einer Filiale in Karlsruhe. 1969 wechselt er in die Börsenabteilung der Deutschen Bank in Frankfurt und steigt bis 1974 bis zum Direktor der Börsenabteilung auf. Ab 1985 ist Rolf Breuer Mitglied im Vorstand der Deutschen Bank. Neben seiner Vorstandstätigkeit ist er in den Jahren 1993 bis 2005 auch Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse AG.

In den Jahren 1997 bis 2002 ist Rolf Breuer Vorstandssprecher und von 2002 bis 2006 Aufsichtsratsvorsitzender bei der Deutschen Bank. Breuer hatte noch weitere Aufsichtsratsmandate, unter anderem bei e.on, Lufthansa und Siemens.

Das Skandalinterview

Im Februar 2002 gibt Breuer ein Interview, das in die Geschichte eingehen wird. In diesem Interview zur Situation der Leo Kirch-Gruppe gefragt, äußert Breuer sich sehr kritisch über die finanzielle Lage des Medien-Konzerns. Leo Kirch gibt Breuer persönlich die Schuld am Zusammenbruch seines Imperiums. „Der Rolf hat mich erschossen“, sagt Kirch in einem der vielen folgenden Prozesse. Kirch verklagt die Deutsche Bank auf Schadensersatz, und ein über Jahre andauernder Rechtsstreit beginnt.

Die Folgen von Rolf Breuers Interview für die Deutsche Bank

Die sich über Jahre hinziehenden Prozesse um den Zerfall der Kirch-Gruppe und ob und wie viel Schuld Rolf Breuers Aussagen dabei zuzuweisen ist, kosten die Deutsche Bank nicht nur viel Geld und Nerven. Das Vertrauen vieler Anleger und Kunden in die Verschwiegenheit des Unternehmens hat gleichfalls gelitten, denn schließlich sitzt Breuer immer noch im Chefsessel.

Die Deutsche Bank hatte zum Zeitpunkt des Interviews Geschäftsbeziehungen zu Teilen der Kirch-Gruppe und die Aussagen des Vorstandssprechers sind damit als ein Verstoß gegen das Bankgeheimnis zu bewerten.

Im Gerichtsentscheid des BGH (pdf) im Januar 2006 bekommt Kirch für einige Teile seines Konzerns Schadensersatz zugesprochen. Die Höhe des Schadensersatzes und weitere Forderungen von Kirch werden aber die Deutsche Bank, die Presse und die Gerichte noch weitere Jahre beschäftigen.

Im Frühjahr 2014 einigt sich die Deutsche Bank schließlich mit den Erben des mittlerweile verstorbenen Leo Kirch auf eine Schadensersatzzahlung in Höhe von 775 Mio. €, zuzüglich Zinsen.

Die Folgen des Interviews für Rolf Breuer

Rolf Breuer persönlich war nicht direkt für die Folgen seines Interviews zu Schadensersatz verpflichtet, denn es bestand kein direktes Vertragsverhältnis zwischen seiner Person und der Kirch-Gruppe. Aber auch wenn Breuer keine direkten Zahlungen an Kirch leisten und seine Position im Vorstand der Deutschen Bank nicht aufgeben musste, unbeschadet ist auch er nicht aus der Sache hervorgegangen.

Eine Einstellung des Strafprozesses um eine Falschaussage Breuers in den Kirch-Gruppe-Prozessen wird nur gegen eine Zahlung von 350.000 € erreicht. Auch die Deutsche Bank will einen Teil der Summe, die sie als Schadensersatz zahlen muss, von Breuer zurückhaben. Zur Vermeidung weiterer Gerichtsprozesse und um die Angelegenheit endgültig vom Tisch zu haben, einigen sich Medienberichten zufolge die Deutsche Bank und Breuer auf eine Zahlung von 3 Mio. € aus seinem Privatvermögen.

Rolf Breuer: Eigentlich hätte er es besser wissen müssen

Auch wenn die Prozesse nun ruhen werden und Rolf Breuer den Ruhestand ohne weitere Störungen durch dieses eine Interview genießen kann, eine Frage bleibt offen: Wie konnte ein mediengewandter und erfahrener Manager vom Format Rolf Breuers sich zu einer solchen Aussage hinreißen lassen?

Breuer spricht fließend Englisch und Französisch – ausgerechnet in seiner Muttersprache entfährt ihm eine Aussage, die solche Folgen hat. Auch als studierter Jurist hätte ihm die Tragweite seiner Worte bewusst sein müssen. Im Nachhinein wird wohl auch Breuer denken, es wäre besser gewesen, nichts zu sagen. Für viele Führungspersönlichkeiten wird das Beispiel Breuer eine Mahnung zur Vorsicht bei öffentlichen Äußerungen sein.

28. März 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rüdiger Dalchow. Über den Autor

Seit 1995 ist er selber aktiv an den Märkten tätig und hat dabei sowohl Hochs als auch Tiefs erlebt. Aus dieser Erfahrung heraus ist es sein Ziel, dem privaten Anleger oftmals zu kompliziert dargestellte Zusammenhänge an der Börse möglichst einfach, aber dennoch effektiv näherzubringen. Seit 2011 führt sein Blog www.aktienhandel-einsteiger.de mit interessanten Fachartikeln und Interviews durch das Aktiendickicht.