MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Rürup-Rezension: Krise 2012 in Deutschland? Schluss mit dem Gejammer!

In ihrem Buch „Fette Jahre“ zeigen Bert Rürup und Dirk Hinrich Heilmann Deutschlands Chancen und Schwächen im In- und Ausland auf – insbesondere vor dem Hintergrund der Globalisierung – und wagen eine positive Prognose.

Mit leichter Verwunderung wird man bei dem Titel des Buchs an den Film von Hans Weingarnter “Die fetten Jahre sind vorbei” aus dem Jahr 2004 erinnert. Doch damit hat das Buch wenig zu tun.

Denn hierbei handelt es sich um ein politisches Buch. Es geht von bestimmten Voraussetzungen der deutschen Politik zu Beginn der 2000er aus und zeichnet das Bild eines Deutschlands, welches seinen Wohlstand vor allem zwei Personen zu verdanken hat: Bert Rürup und Gerhard Schröder.

Trotz dieser wenig bescheidenen Erklärung soll das Buch vor allem auf die Chancen und Möglichkeiten aufmerksam machen, die Deutschland tatsächlich zu einem der führenden Wirtschaftsstandorte der Welt machen und den Menschen anhaltenden Wohlstand sichern können.

„Kein Land, selbst wenn es wie derzeit Deutschland in einer wirtschaftlich vergleichsweise guten Verfassung ist, kann es sich erlauben, eine Auszeit beim Streben nach Wettbewerbsfähigkeit zu nehmen.“, sagt Rürup im Gespräch mit GeVestor.

Die große Stärke von „Fette Jahre” ist der Optimismus, Deutschland für die Zukunft und für künftige Generationen fit zu machen.

Darüber hinaus ist der Stil der Autoren flüssig zu lesen, gut verständlich und auf ein interessiertes Publikum zugeschnitten, das nicht unbedingt in den Wirtschaftswissenschaften heimisch sein muss.

Deutschland geht es gut!

Insgesamt werden uns in vier Kapiteln Deutschlands Chancen und (überwindbare) Schwächen im In- und Ausland dargestellt. Unterstützend ziehen die Autoren häufig Diagramme und Tabellen heran, um ihre Argumente anschaulich darzustellen.

Dabei wird die heutige und zukünftige Leistungsfähigkeit Deutschlands in den Reformen der Agenda 2010 gesehen. Nicht zuletzt war dies, nach den Angaben von Herrn Rürup und Heilmann, die Umsetzung der Vorgaben des ersten Rats der Wirtschaftsweisen, denen Herr Rürup angehört hat.

Dabei hat sich seiner Ansicht nach die soziale Marktwirtschaft gegenüber dem anglo-amerikanischen Kapitalismus-Modell als überlebensfähiger erwiesen.

Trotz allem sollen weiter Reformen vorangetrieben werden. Diese werden besonders in der Weiterentwicklung der Familien-, Sozial- und Technologiepolitik gesehen. Mit anderen Worten: Weichenstellung für nachhaltige Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik.

Deutschland und der Rest der Welt

Die Frage nach der Leistung Deutschlands in Zeiten der zunehmenden Globalisierung lässt Verlierer und viele Gewinner erkennen.

Zu den eindeutigen Gewinnern dieser Entwicklung muss selbstverständlich China gezählt werden, welches ebenfalls beweist, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht zwangläufig mit einem demokratischen System vereinbar sein muss.

Doch Deutschland kann dank seiner Flexibilität und seiner stabilen Staatsfinanzen ebenfalls profitieren. Die Autoren sehen in Zukunft eine starke Verschiebung der Zentren dominanter Volkswirtschaften. Doch das muss nicht das zwangsläufige Aus für Deutschland bedeuten.

Verschiebung der Zentren und neue Aufgaben

Ein genauerer Blick auf die heutzutage starken Volkswirtschaften und die zukünftig immer bedeutender werdenden Märkte macht einen guten Teil des Buches aus.

Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Marktwirtschaften werden abgewogen und miteinander verglichen. Vorne mit dabei natürlich die Bundesrepublik Deutschland.

Bei der Lektüre wird deutlich: Die künftigen Aufgaben Deutschlands sind nichts anderes als politische Reizthemen, denen sich die Politik endlich stellen muss, auch wenn dies zu Lasten von Popularitätspunkten geht.

Die nicht unstrittigen Themen sind dabei in den Augen der Autoren einfach zu benennen: Abschaffung des Niedriglohnsektors, Einführung eines Mindestlohns, Erhöhung der Erwerbsquote von Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund, unbedingter Schuldenabbau und selbstverständlich: Die Rettung des Euro.

Auch im Gespräch mit GeVestor bestärkt der ehemalige Wirtschaftsweise diese Position noch einmal und fordert:

„Deutschland war und ist ein Hochlohnland und muss dies bleiben. Deshalb müssen wir alles daran setzen, die technologische Pole Position unserer Industrie zu verteidigen.“

Deutschland geht es gut: Keine Utopie

Trotz aller Ermahnungen und den Herausforderungen, denen sich die Politik stellen muss, sind sich die Autoren Rürup und Heilmann sicher: Deutschland kann es schaffen und weiterhin an die „Fetten Jahre“ anknüpfen.

Im Jahr 2030 wird – so die Sicht der Autoren – die Euro-Krise schon lange hinter uns liegen. Der Euro macht nunmehr 40% der Devisenreserven aus. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5% und es herrscht praktisch Vollbeschäftigung.

Deutschland wird ein offenes Land sein, das viele Menschen aus dem Ausland herbeilockt, was die Produktivität enorm steigert. Auch als Hochschulstandort wird Deutschland mit anderen weiterhin konkurrieren können.

Deutschland wird eine finanziell und intellektuell gesehen wohlhabende Gesellschaft sein, wenn es nach Heilmann und Rürup geht.

„Fette Jahre“: Generell sehr lesenswert

Das Buch von Rürup und Heilmann bleibt trotz mancher Provokation und dem in Teilen fast leichtfertigen Umgang mit Reizthemen wie Billig-Löhne im Ausland lesenswert.

Die Daten sind aktuell und es ist tatsächlich eine Wohltat einmal zu hören, wie gut es Deutschland eigentlich geht, statt den immer gleichen Schreien des Untergangs zu folgen.

Doch daran kann sich der ein oder andere auch schnell stören, denn manches Mal bleibt doch der Eindruck, dass Rürup als ehemaliger Wirtschaftsweise sich ständig auf die eigene Schulter klopft.

Selbstverständlich hatte Deutschland in der bisherigen Krise sehr starke Voraussetzungen, diese gut zu überstehen. Aber was ist etwa mit der Kritik, dass Deutschlands Handelsüberschuss das Defizit der Nachbarländer sei?

Diese und andere kritische Fragen werden außen vor gelassen oder etwas zu einfach relativiert. Und doch bleibt Rürup nutzbringend, gerade weil er wichtige alternative Sichtweisen auf Deutschland und die deutsche Wirtschaft ermöglicht, die bei vielen anderen Autoren oftmals völlig unter den Teppich gekehrt werden.

Über die Autoren

Hans-Adalbert „Bert“ Rürup hat Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Hamburg und Köln studiert und promovierte 1971 auf dem Fachgebiet der Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Er gilt als einer der berühmtesten deutschen Wirtschaftswissenschaftler und kann ein außergewöhnlich breites Spektrum an politischer Erfahrung und Einflussnahme aufweisen.

Unter anderem war er von 1996-1998 Mitglied der Kommission der Bundesregierung „Fortentwicklung der Rentenversicherung“, von 1992-2002 in der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages „Demografischer Wandel“ und von 1999-2001 Mitglied im Expertenkreis des Bundesarbeitsministers zur Vorbereitung der Rentenreform 2001.

Besondere Bekanntheit erlangte er als namensgebender Mitbegründer der so genannten „Rürup-Rente“ und als ehemaliges Mitglied der Wirtschaftsweisen.

Seit April 2010 ist Prof. Dr. Bert Rürup Vorsitzender des Kuratoriums des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Dirk Hinrich Heilmann ist seit August 2009 Chefökonom des Handelsblatts in Düsseldorf und Leiter des Ressorts Konjunktur und Geldpolitik.

Der gebürtige Bremer schloss sein Studium an der Universität zu Köln als Diplom-Volkswirt ab und absolvierte gleichzeitig eine Ausbildung zum Fachjournalisten für Politik und Wirtschaft.

Von 1993 bis 1997 arbeitete Dirk Heilmann in der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und begann ab 1998 seine Tätigkeit als Redakteur beim Handelsblatt. Heute lebt Heilmann mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Köln.

Das Buch ist im Carl Hanser Verlag erschienen und kostet 19,90€.

18. Juni 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.