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Russland: Kaum Anschluss an den weltweiten Interbankenmarkt

Der Begriff Kreditklemme weckt bei Anlegern ungute Erinnerungen. In der Finanzkrise kam der Interbankenhandel zum Erliegen.

Die Banken liehen sich untereinander kein Geld mehr. Die Notenbanken mussten einspringen und zusammen mit staatlichen Hilfsprogrammen das Finanzsystem vor dem Kollaps bewahren.

Kaum Anschluss an den internationalen Devisenmarkt

Seit den westlichen Sanktionen kämpft auch Russland um den Anschluss an den Interbankenmarkt. Die Zugänge großer russischer Banken zu wichtigen Auslandspartnern sind blockiert. Gleichzeitig steht die russische Wirtschaft im Ausland mit grob 500 Mrd. US-$ in der Kreide. Da immer weniger europäische oder US-Banken bereit sind, Kredite zu verlängern oder neue zu vergeben, müssten russische Banken einspringen.

Die aber stehen genauso unter Druck wie die russische Industrie. Aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs durch Sanktionen und Ölpreisverfall hat zudem der Rubel innerhalb eines Jahres rund die Hälfte an Wert gegenüber dem Dollar verloren.

Wegen der Exportabhängigkeit brauchen Russlands Unternehmen und Banken vor allem Dollar-Devisen, die sie nicht erst zum schlechten Kurs umtauschen müssen. Das jedoch wird immer schwieriger. Die Refinanzierungsmöglichkeit der Banken auf dem Interbankenmarkt ist erheblich eingeschränkt. Das bekommen auch die kleineren Banken zu spüren, die nicht von den Sanktionen betroffen sind.

Russlands Interbankenmarkt als Heimspiel

Am dem für die kurzfristige Liquiditätsbeschaffung notwendigen Interbankenmarkt in Russland dominieren mittlerweile einheimische Banken. Ebenso ist der Anteil sogenannter Offshore-Standorte wie Zypern gestiegen. Diese Marktpartner jedoch können nicht die ausländischen Finanzierungen ersetzen, gerade was den Dollar angeht.

Der beschränkte Anschluss Russlands an den weltweiten Interbankenmarkt erzeugt eine Liquiditätsverknappung, die über die Notenbank ausgeglichen werden muss. Doch mit zunehmender Spannung und Nervosität schaukelt sich die Verknappung hoch.

Rubelverfall treibt Nervosität

So hatte die Zentralbank etwa Ende letzten Jahres auf den dramatischen Rubelverfall mit massiver Leitzinserhöhung reagiert. Das wiederum trieb die Zinsen am Interbankenmarkt in die Höhe. Die Folge: Für die Banken wurde es noch unattraktiver, mit geliehenem Geld Fremdwährungen zu kaufen.

Zwar erholte sich der Rubel leicht, doch schon kam das nächste Problem. Die großen Rating-Agenturen hatten Russland auf Ramschniveau herabgestuft. Der Leitzins fiel wieder und damit der Rubel. Die Falle schnappt also von zwei Seiten zu.

Russland will sich aus der Situation lösen und kämpft an mehreren Fronten. Zum einen stützt die Regierung Banken und Unternehmen mit Geld aus seinen Devisenreserven.

So mussten jüngst die Gazprom-Bank und die Trust-Bank vorm Bankrott gerettet werden. Da sich aber derartige Rettungsaktionen häufen, sind die Reserven von einst 500 Mrd. US-$ in kurzer Zeit auf rund 490 Mrd. US-$ geschrumpft.

Versuche, dem Dollar zu entkommen

Auf der anderen Seite versucht Russland, zusammen mit China und anderen BRICS-Ländern ein Gegengewicht zum westlich dominierten Finanzsystem aufzubauen und die Abhängigkeit vom Dollar beseitigen.

Teil davon ist die von China aufgebaute Rating-Agentur Dagong. Die kommt in ihrer Bewertung zu bemerkenswert anderen Ergebnissen als die dominierenden drei US-Agenturen. Doch Dagong ist erst in den Anfängen.

China zeigt sich aber auch entschlossen, Russland mit direkten Geldmitteln unter die Arme zu greifen. Über ein Swap-Abkommen hat es seinem Nachbarn 24,1 Mrd. US-$ zur Verfügung gestellt. Die Summe ist wohlgemerkt umgerechnet, denn China tut dies erstmals in eigener Währung. Yuan und Rubel können getauscht werden, was die Nachfrage erhöhen und den Kurs stützen soll.

China-Ambitionen auf wackeligen Beinen

Doch angesichts der gewaltigen Probleme Russlands ist die Summe erstens gering. Und zweitens ist mehr als fraglich, ob die Bemühungen der BRICS-Staaten Früchte tragen. In wichtigen politischen Fragen sind die Länder eher zerstritten und mit unterschiedlichen Systemen mehr Konkurrenten als Partner. Vor allem ist der Argwohn gegenüber China groß.

Abgesehen davon sind diese Länder kein wirklicher Ersatz für den internationalen Interbankenmarkt. Von den größten Banken der Welt sitzt keine in Russland und nur drei in China.

Marktpotenziale weggebrochen

Für die meisten Anleger ist der fehlende Anschluss Russlands an den Interbankenmarkt wenig erfreulich. Russland ist allein wegen seiner Größe und Potenziale von Bedeutung.

Doch der Absatzmarkt kommt immer mehr abhanden, was auch den deutschen Unternehmen zu schaffen macht. Russland war noch Anfang 2014 die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Jetzt rangiert es an 15. Stelle und befindet sich in der Gesellschaft von Mexiko oder Indonesien.

9. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.