Russland: Staatsanleihen sind im Kommen

Im Zuge der Auseinandersetzungen mit der Ukraine verhängten die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten diverse Sanktionen gegen Russland.

Putin antwortete mit Handelsbeschränkungen und verschiedenen Eingriffen auf dem Finanzmarkt. Daher wurden seit 2013 keine Neuemissionen russischer Staatsanleihen an den internationalen Börsen ausgegeben.

Russland hatte in den zurückliegenden Monaten von einer ganzen Reihe westlicher Banken Vorschläge zur Bildung eines internationalen Konsortiums für die Emission von Staatsanleihen eingeholt – auch die Deutsche Bank soll dabei gewesen sein. Allerdings habe es am Markt verlautet, auf Drängen westlicher Behörden seien sämtliche Institute wieder auf Abstand zum russischen Anliegen gegangen.

Russische Staatsanleihen: Wie hoch ist die Chance auf eine gute Rendite?

Wegen der Aggression Moskaus im Ukraine-Konflikt verhängten die EU und die USA verschiedene Sanktionen im Finanzverkehr mit Russland. Zwar war der russische Staat nicht unmittelbar betroffen, sehr wohl aber die staatlich kontrollierte VTB, eine Großbank des Landes.

Dieser wurde untersagt, weder neue Aktien noch Anleihen im westlichen Ausland zu emittieren. Die VTB darf jedoch weiterhin als Vermittler von Papieren einer Drittpartei auftreten.

Nun brachte Russland selber eine neue Staatsanleihe an den internationalen Kapitalmarkt. Wie das Finanzministerium in Moskau vor wenigen Monaten verlautete, war eine Tochter der VTB mit der Platzierung beauftragt worden. Der Kreml machte zum Volumen der Anleihe keine Angaben. Experten gehen von mindestens 500 Mio. US-$ aus. Der aktuelle russische Haushalt gestattet Emissionen von Eurobonds von bis zu 3 Mrd. US-$.

Die neue Anleihe soll auf US-Dollar lauten, einen Zins zwischen 4,65 und 4,9% aufweisen und eine Laufzeit von 10 Jahren besitzen. Damit würde der neue Bond mit einem Aufschlag von mindestens 0,5 Prozentpunkten auf die Marktrendite einer vergleichbaren russischen Staatsanleihe gehandelt. Besonders bei darauf spezialisierten Investoren im Schwellenländerbereich sollte die Anleihe auf Interesse stoßen.

Hintergrund für die Herausgabe der neuen russischen Staatsanleihe

Der Verfall des Ölpreises hat dem russischen Staatshaushalt schwer zugesetzt. Die Finanzen Moskaus sind in besonderem Maße auf Einnahmen aus den Ölexporten angewiesen. Im Kreml rechnete man für dieses Jahr im Schnitt mit einem Preis von 50 US-$ je Barrel. Doch selbst mit diesem großzügig kalkulierten Preis würden Einnahmeverluste von umgerechnet 30,9 Mrd. US-$ anfallen, was etwa 3% des russischen Bruttoinlandsprodukts entsprechen würde.

Die Ausfälle auf der Einnahmeseite sind aufgrund des niedrigen Erdölpreises weitaus höher als mögliche und bereits realisierte Ausgabenkürzungen. Moskau stehen zur Deckung des Defizits Emissionen am inländischen Kapitalmarkt offen, die allerdings erheblich höher verzinst werden müssen als die stetig geringer werdenden Rücklagen der Staatsfonds.

Daher kehrt Russland nun zurück an den Anleihemarkt und bietet internationalen Investoren mit seiner neuen Staatsanleihe eine Chance auf zufriedenstellende Rendite.

23. November 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt