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Scheingewinne: Versteuern leider in vielen Fällen ein Muss

In den vergangenen Jahren boomte das Geschäft betrügerischer Firmen mit Scheingewinnen. Versteuern muss der geprellte Anleger diese in vielen Fällen dennoch. Die Liste der vermeintlich renditestarken Gesellschaften ist lang. Commodity Trading Service ist eine von ihnen. In den vergangenen Jahren soll sie ihre Anleger um rund 75 Mio. € betrogen haben. Angeblich sind dabei Scheingewinne von mehr als 400 Mio. € angefallen.

Scheingewinne: Versteuerung von Finanzamt gewollt

Das Finanzamt profitiert davon. Denn egal, ob gewöhnlicher Aktiengewinn oder ein Scheingewinn: Steuern fallen auf sämtliche Kapitalgewinne an. Damit sind die Anleger gleich doppelt getroffen. Zum einen verlieren sie ihr angelegtes Geld, zum anderen müssen sie die Scheingewinne versteuern, was in vielen Fällen noch deutlich schlimmer ausfallen kann als Ersteres.

Je nachdem, wie hoch die vermeintlichen Gewinne ausgefallen sind, können die geforderten Steuerzahlungen am Ende sogar höher liegen als der anfänglich eingezahlte Einsatz. Das Problem ist nämlich: Egal wie ein Gewinn aussieht – das Finanzamt geht davon aus, dass der Anleger sein Geld auch wirklich erhalten hat.

Ausbezahlte Gewinne unterliegen Steuerpflicht

Wird der Gewinn direkt auf dem Konto des Steuerzahlers verbucht, ist die Sache so oder so klar. In diesem Fall hat er die volle Gewalt über den Gewinn und muss diesen natürlich auch versteuern. Dabei spielt es keine Rolle, ob er wenig später sämtliche Einlagen, auf die dieser Gewinn erzielt worden ist, durch eine Insolvenz der Gesellschaft verliert.

Ein wenig komplizierter wird es dann, wenn die Gesellschaft den Gewinn einbehält und wieder für den Kunden anlegt. In diesem Fall wird die Steuerpflicht durch die Mitbestimmung des Anlegers entschieden.

Das Problem der Gewinnumlage

Geschieht diese Umlage auf freiwilliger Basis, muss das Finanzamt die Gewinne komplett versteuern. Andernfalls sollte sich der Steuerzahler schriftlich absichern lassen, dass er die Gewinne ausbezahlt haben wollte, die Gesellschaft diesen Schritt jedoch abgelehnt hat.

Diesen Beweis wird jedoch nur ein verschwindend geringer Teil der Anleger bei einer Steuerprüfung vorlegen können. Viele Steuerzahler werden hingegen von scheinbar hohen Gewinnen getäuscht, die sie zu Beginn der Vertragslaufzeit durch die Gesellschaft überwiesen bekommen. Im Zuge dessen geben sie nach kurzer Zeit ein stillschweigendes Einverständnis für die Umlage ihrer Gewinne ab. In diesem Fall erlischt natürlich die Steuerbefreiung.

Scheingewinne: Versteuern nur nach Bundesfinanzhof-Urteil nicht mehr zulässig

Wichtig ist: Diese Regelung zur Besteuerung von Scheingewinnen kann nur ein Urteil des Bundesfinanzhofs grundlegend ändern. Ein solches Urteil ist bislang nicht ergangen, obwohl kleinere Gerichte bereits im Sinne des Steuerzahlers geurteilt haben. Um sich im Zweifel nicht an die Hoffnung auf ein positives Gerichtsverfahren klammern zu müssen, sollten Gewinne also jederzeit ausbezahlt werden.

Weigert sich die Gesellschaft, ist dies schriftlich festzuhalten und dem Finanzamt mitzuteilen. Generell sollten Anleger jedes Investment skeptisch hinterfragen. Vor allem sehr hohe Renditechancen von 10% und mehr sollten die Alarmglocken zum Läuten bringen. In diesem Fall kann es sehr schnell passieren, dass Sie einer unseriösen Gesellschaft aufgesessen sind und neben hohen Verlusten auch bald noch Ihre Scheingewinne versteuern müssen.

19. Februar 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.