von Janne Joerg Kipp

Schifffonds und Immobilienfonds: das “große” Geschäft 2011 und 2012

Schifffonds nicht mehr attraktiv

Chefanalyst Janne Joerg Kipp warnt weiterhin: Geschlossene Fonds sind ein Brandsatz. Die Anbieter merken dies jetzt schon – und zahlreiche Investoren. Die Warnung.

Die Werbetrommel wird lauter. Geschlossene Fonds sammeln derzeit kaum noch Geld ein, die Branche aber wird unruhig. Ich warne Sie jetzt vor den nächsten Angeboten, mit denen Anbieter ihr Geschäft retten wollen. Ich warne vor allem vor zwei “modernen” Themen: Private Equity und “erneuerbare Energien”. Die Alternativen sind besser.

Immobilienfonds: Geldsammelstelle funktioniert bestens

Die Zahlen aus der Fondsbranche beeindrucken Analysten und Investoren: Geschlossene Immobilienfonds sammelten 2011 im zweiten Quartal immer noch mehr Geld ein als sie durch Kapitalabfluss verloren haben. Dies ist erfreulich für Investoren, so die gängige Behauptung. Meine Befürchtung: die ganze Branche ist ungeeignet für Ihre Vorsorge-Investments.

Passend zum dritten Quartal daher für Sie die aktuellen Zahlen sowie meine Meinung zu künftigen Investitionen bei geschlossenen Fonds. Geschlossene Immobilienfonds haben immerhin 1,28 Milliarden Euro Eigenkapital gesammelt. Dieses Kapital steckt in jeweils einzelnen Objekten – füür Investoren als unternehmerische Beteiligungen. Genau dies kann in den nächsten Jahren noch zum Problem für Investoren werden.

Denn: unternehmerische Beteiligungen bedeuten auch, dass Investoren in bestimmten Fällen haften und sogar Nachschusspflichten übernehmen. Die scheinbar risikolose Investition ist riskant – für Ihre Vorsorge. Daher ist der Trend gefährlich: alleine 18 neue Fonds hat die Branche im zweiten Quartal 2011 aufgelegt und erfolgreich am Markt platziert. Ich rechne aufgrund dieses Erfolges und aufgrund der zunehmenden Werbung mit weiteren neuen Fonds.

Erneuerbare Energien: Verluste, Trend aber bleibt bestehen

Gefährlicher noch als geschlossene Immobilienfonds ist der Trend bei geschlossenen Fonds für Objekte auf erneuerbare Energien. Auch dies sind unternehmerische Beteiligungen mit Verlust- und Haftungsgefahr für Sie. Die aktuellen Zahlen zeigen: die Nachfrage sinkt nur scheinbar. Die Gefahren steigen.

Die Branche hat gegenüber 2010 im zweiten Quartal 2011 28% weniger eingesammelt. Trotz Japan und der Angst vor der Atomkraft. Immerhin ist die Branche innerhalb des Sektors der geschlossenen Fonds die Nummer drei hinter Immobilienfonds und Schifffonds.

Nur: 116,3 Millionen € Zufluss gegenüber 161,1 Millionen € 2010 sind ein beachtlicher Rückschritt. Hinter den Zahlen aber steckt eine andere Wahrheit. 2010 teilten sich 16 Fonds den Zufluss, sammelten also etwa 10 Millionen € pro Fonds ein. 2011 sind es nur 5 neue Fonds, die demnach ungefähr 23 Millionen € pro Fonds einsammeln.

Die Branche wird daher mächtiger. Dies habe ich im “Neuen Deutschen Geldanlagebrief bereits mehrfach angekündigt. Achtung: investieren Sie weiterhin nur, wenn Sie die Chancen hinreichend beurteilen können.

Mehr Geld pro Fonds: Investitionsrisiko steigt

Je mehr Geld aber ein Fonds einsammelt – für ein Objekt – desto höher auch das Risiko einer unternehmerischen Fehlinvestition. Dass die Branche bis dato erst 5 Fonds auf den Markt gebracht hat, diese aber mehr Kapital einsammelten, zeigt:

die Werbung sowie die Emissionstätigkeit werden zulegen. Und genau dies befürchte ich, weil das Geld meist in Windkraftanlagen oder in die Solarenergie fließt. Als Investor wären Sie damit aber direkt abhängig von den Subventionen, die der Staat zahlt.

Sobald der Subventionsstrom in Deutschland nachlässt, werden aus den schönen Gewinnprognosen reale Verluste. Ich befürchte: gerade geschlossene Fonds können zur Falle werden. Denn: sinken die Gewinne oder steigen gar die Verluste, kommen Sie aus den Fonds nicht mehr heraus.

Kaum zu handeln: Schifffonds

Dies gilt jetzt bereits für die meisten Schifffonds. Schon vor Jahren warnte ich im “Neuen Deutschen Geldanlagebrief” allein aus einem einfachen Grund davor, in die Fonds zu investieren:

Von Schiffen verstehe ich nichts – und die meisten privaten oder selbstständigen Investoren ebensowenig. Das Einzige, was Sie an der Hand haben, sind Prospekte sowie Gewinnversprechen.

Inzwischen stagniert der Markt nicht nur, er verliert weiter Geld. Zum Einen sind viele Schiffe nicht so rentabel wie versprochen, zum anderen sinkt der Zufluss in die Fonds. Alleine im zweiten Quartal 2011 sank die Neu-Investitionssumme um gut 11%. Am Grund meiner Ablehnung hat sich nichts geändert: das Geschäft ist einfach undurchschaubar. Investieren Sie nicht.

Unternehmensbeteiligungen: Der Schrumpfbereich

Auch der Markt für “Private-Equity-Fonds” verliert zusehends. Dies sind Fonds, die sich an Unternehmen beteiligen. Als Investor haben Sie auch bei diesen Fonds alle Rechte und Pflichten, die sich aus ihrer eigenen unternehmerischen Beteiligung ergeben.

Unternehmerische Beteiligungen halte ich für hervorragend, da Unternehmen dauerhaft Geld verdienen werden. Dieses Argument allerdings gilt aus meiner Sicht in erster Linie für Aktien-Beteiligungen an Unternehmen, die permanent berichten müssen.

Unternehmen, die aufgrund der Börsenrichtlinien die Öffentlichkeit über Neuigkeiten unterrichten müssen. Dies gilt für Private-Equity-Fonds nicht unbedingt. Die Fonds selbst berichten auch, aber in selteneren Abständen. Daher ist die Transparenz geringer.

Auch auf diesem Markt jedoch rechne ich damit, dass Sie künftig verstärkt Werbung lesen werden. Die Private-Equity-Fonds haben im zweiten Quartal 2011 gegenüber dem zweiten Quartal 2010 61% weniger Kapital eingesammelt. In Zahlen: 61,5 Millionen € gegenüber immer 156,9 Millionen € im Vorjahr. Statt 7 neuer Fonds waren es 2011 nur 2 Fonds. Daher wird die Werbung zunehmen.

Geld sucht Anlagechancen – Fondsanbieter wittern Geschäfte

Die Zahlen zeigen bereits, welche Fondssektoren sich um Ihr Vermögen bemühen werden. Private-Equity-Fonds, geschlossenen Immobilienfonds sowie Schifffonds und Fonds auf erneuerbare Energien. Dies sind meine “Favoriten”, wenn es um die künftige Werbemacht geht.

Wenn Sie Ihre Vorsorge noch ausbauen wollen, geraten Sie ins Visier der Anbieter. Diese machen sich die aktuelle Finanzmarktkrise zunutze. Geschlossene Fonds bieten einen einzigen Vorteil: es sind Sachinvestitionen.

Genau dieses Argument habe ich jetzt bereits in diversen “redaktionell” getarnten Beiträgen gelesen. Sachwerte helfen zwar dann, wenn es um den Schutz vor der Papiergeldflut geht. Nur ist auf der anderen Seite das Risiko hoch, wenn Sie jeweils nur in ein Objekt und jeweils Laufzeitgebunden investieren müssen.

Meine Empfehlung: Investieren Sie tatsächlich in Sachwerte. Nur: geschlossene Fonds sind für den Zweck der Vorsorge sowie den Schutz ungeeignet. Investieren Sie vor allem in Werte, die nicht von einer bestimmten Laufzeit abhängen.

Ein Beispiel sind Aktien. Auch dabei beteiligen Sie sich unternehmerisch: können aber jederzeit wieder aussteigen. 2011 und 2012 werden die Jahre, in denen Aktien Gewinner sind. Schifffonds und Immobilienfonds (geschlossene) sind hingegen nach den jüngsten Zahlen eine neue (Werbe-)falle.

PS: Auf der Empfehlungsliste des „Neuen Deutschen Geldanlagebriefs“ steht auch ein Immobilienfonds – allerdings ein “offener”, der “HausInvest”. Anders als bei geschlossenen Fonds investieren Sie nicht nur in Sachwerte, sondern zudem laufzeitlos. Dies ist der entscheidende Unterschied.

 
 
Bildquelle: Gina Sanders - Fotolia

Autor:

Janne Joerg Kipp

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage. Aktuelle Hinweise und Empfehlungen zur Vorsorgeoptimierung erhalten Unternehmer und Entscheider im kostenlosen Newsletter Wirtschaft Vertraulich.