von Thomas Haak

Schlecker: Ein Beispiel für falsches Kapitalanlagen-Management

„Ich glaube, Sie haben das nicht verstanden.

Es ist nichts mehr da“ sagte Meike Schlecker, die „Erbin“ der Drogeriekette zur Frage nach dem Privatvermögen der Familie.

Mit dieser ersten Pressekonferenz seit 20 Jahren wollte sie mit Gerüchten aufräumen, ihre Familie habe Geld zur Seite geschafft.

„Das Vermögen meines Vaters war immer das Unternehmen“, sagte sie weiter.

Medienberichten zufolge wird genau der nun sein gesamtes Vermögen in die Insolvenzmasse geben müssen. Er steht buchstäblich mit leeren Händen dar.

Diversifizieren

Und so endet eine bis dato erfolgreiche Unternehmerkarriere. Über den Untergang der Familie Schlecker wird viel diskutiert. Daran möchte ich mich nicht beteiligen.

Doch zeigt sich hier, dass Vater Anton Schlecker einen schwerwiegenden Fehler machte, indem er sein gesamtes Vermögen auf nur eine Kapitalanlage setzte: sein Unternehmen. Diesen Fehler begehen trotz aller Aufklärung noch immer viel zu viele Anleger. Sie haben ihr Geld häufig viel zu wenig diversifiziert.

Sie besitzen zu viele Aktien und keine Immobilie. Sie haben zu viele Immobilien, aber keine einzige Aktie. Dabei wissen wir spätestens seit Markowitz, dass genau das zu einem echten Problem werden kann.

Der Nobelpreisträger und Wirtschaftsprofessor Dr. Harry Markowitz wies empirisch nach, dass es für einen Investor besser ist, wenn er verschiedene Wertpapiere von unterschiedlichen Unternehmen und Staaten kauft, als wenn er sein ganzes Vermögen in eine einzelne Aktie oder Anleihe steckt.

Die Auswahl verschiedener Anlageklassen, darunter sind Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Gold, Cash und Fonds, erbringt bessere Renditen, als wenn Sie alles auf eine Karte setzen.

Die Portfolio-Mischung senkt zwar Ihre Rendite, sie reduziert aber zugleich auch das Risiko: „Der größte Teil der Rendite, die ein Anleger mit seinen Wertpapieren erzielt, ist abhängig von der Art der Kapitalanlage (zum Beispiel Aktien, Anleihen, Bargeld, Sachwerte) und nur zu einem geringeren Teil von der individuellen Auswahl der einzelnen Papiere.

Darüber hinaus verringert diese Diversifizierung auf verschiedene Anlageformen das Risiko“, sagt Dr. Markowitz.

Portugal steht vor dem Aus

Noch nie war es so wichtig, sein Geld noch breiter zu streuen als bisher. Immer mehr Euro-Länder wackeln. Fällt ein Land aus der Euro-Zone, schließe ich einen Dominoeffekt nicht mehr aus. Man muss sich den Wahnsinn dieser Tage einmal vor Augen führen.

Wenn Sie heute eine griechische Anleihe kaufen würden, werden Sie mit einem Zinssatz von 28,6% „belohnt“ bzw. bestraft. Denn wenn es zu einem Schuldenschnitt kommt, der meiner Meinung nach kurz bevorsteht, könnten Sie am Ende leer ausgehen.

Ähnliches werden Sie erleben, wenn Sie eine portugiesische Anleihe zeichnen. Hier sind es „nur“ 17,4%. Zum Vergleich: Käufer deutscher Anleihen geben sich mit 1,79% zufrieden. Die Finanzmärkte sehen bereits die Zahlungsunfähigkeit Portugals.

Mit anderen Worten: Wir Steuerzahler werden schon bald neben Griechenland auch für Portugal bluten müssen. Das wird uns Deutsche überfordern.

Augenwischerei

So wie die Regierung bei der Veröffentlichung der Arbeitsmarktzahlen und Hartz IV-Empfänger trickst, so trickst sie auch in der Griechenlandfrage. Sie spricht nur von dem Rettungsschirm, an dem Deutschland mit über 255 Milliarden beteiligt ist (Bareinlage: 22 Milliarden; 235 Milliarden Garantien).

Sie erwähnt nicht, dass Deutschland auch für die griechischen Anleihen haftet, die im Besitz der Europäischen Zentralbank sind. Mithin 15 Milliarden Euro. Zudem hat keine andere Bank in der Euro-Zone so viele Kredite an andere Euroländer vergeben wie die Deutsche Bundesbank.

Insgesamt vergaben die Banker 466 Milliarden Euro an Portugal, Spanien, Griechenland und Italien.  Ohne nennenswerte Sicherheiten.

Der gestrige EU-Gipfel ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit, weil man uns als Profiteure der Krise brandmarkt und gleichzeitig noch mehr Engagement einfordert. Politik ist natürlich ein hartes Geschäft, doch wer solche politischen Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Wenn ein dreiviertel- Billionen-Euro-Engagement nicht genug ist, ist es Zeit, sich von diesen Freunden zu trennen. Verlassen wir die Eurozone, bevor wir noch weiter ausgepresst werden wie eine Zitrone.

Ach ja, wer glaubt, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet, der glaubt auch noch an die Rettung des Euros.

Lassen Sie sich den heutigen Tag nicht versauern. Das Leben ist weiterhin lebenswert.

 
 
Bildquelle: Elvira Schäfer - Fotolia