von Heiko Seibel

Schuldenkrise USA: Bernanke will handeln

Leere Kassen in den USA: Pumpt Bernanke jetzt wieder Geld in den Markt?

Leere Kassen in den USA: Pumpt Bernanke jetzt wieder Geld in den Markt?

Es knirscht und kracht im Gebälk des amerikanischen und globalen Finanzhauses. Nicht nur die PIGS-Staaten in Europa sind überschuldet. Nein, auch in den USA sind die Kassen leer.

Im nimmer enden wollenden Streit zwischen Präsident und Kongress wollte US-Präsident Barack Obama einen Durchbruch erzwingen. Die Zeit drängt, denn nach Moody's senkt auch die Ratingagentur S&P den Daumen.

Die Zweifel an den USA wachsen

Wenn es keine Einigung gibt, werden die US-Staatsanleihen möglicherweise auf Ramsch-Niveau gesenkt. In diesem Fall können wir uns auf eine massive Verkaufswelle der amerikanischen Schuldtitel einstellen.

Der Finanzmarkt reagierte schon vorab ein wenig: Mittlerweile pirschen sich die Kosten für eine Ausfallversicherung amerikanischer Staatsanleihen nach oben. Mit 56 Punkten haben wir gerade den höchsten Stand bei den Credit Default Swaps seit Februar 2010 erreicht.

Ich bin nur froh, dass wir mit unseren CFDs über ein Short-Investment auch von einer Panik am Finanzmarkt profitieren und somit unser Vermögen schützen können!

US-CDS ziehen an

Bernanke fliegt an die Geldfront

Nun naht in höchster Not offenbar die Kavallerie. Das, was früher die Reiter waren, sind in der modernen US-Armee die Helikopter – und damit hätten wir elegant den Bogen zu Ben Bernanke geschlagen.

Der US-Notenbankchef hat angesichts der Konjunkturschwäche eine neue Dollar-Schwemme in Aussicht gestellt. Damit macht er seinem Spitznamen alle Ehre: Der als Helikopter-Ben bekannte Fed-Präsident schwebt schon wieder über den Dingen.

Bernanke hat als Wissenschaftler eingehend die große Depression ab 1929 studiert. Einst empfahl der Währungshüter, zur Abwehr einer Deflation notfalls die Geldmenge so auszuweiten, als würde man die Dollar-Scheine per Hubschrauber abwerfen. Nun lässt er die Rotoren schon mal warmlaufen.

Ben öffnet erneut die Geldschleusen

Angesichts der desolaten Lage auf dem US-Arbeitsmarkt deutete Bernanke nun an, die Notenbank könnte erneut Geld in den Markt pumpen.

"Es könnte sein, dass die jüngste Konjunkturschwäche sich als hartnäckiger erweist als erwartet und dass die Gefahr einer Deflation zurückkehrt, was weitere Stützungsmaßnahmen erforderlich machen würde."

Die Fed kaufte den Geschäftsbanken von November bis Ende Juni US-Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar ab, um die Kreditvergabe anzukurbeln und die Konjunktur zu stützen.

Das Ergebnis ist bedrückend: Im ersten Quartal 2011 fiel das Wirtschaftswachstum mit 1,9 Prozent deutlich schwächer aus als im Schlussquartal 2010 mit 3,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote ging zwar zunächst von 9,8 auf 8,8 Prozent zurück, kletterte im Juni aber wieder auf 9,2 Prozent.

Der Helikopter hilft nicht mehr

Die aktuelle Situation ist eine völlig andere als auf dem Höhepunkt der Krise, als die Geschäftsbanken einander nicht mehr über den Weg trauten und die Fed mit einer ersten Runde von Wertpapierkäufen ein Austrocknen des Geldmarkts verhinderte.

Derzeit ist reichlich Liquidität im Markt. Das zeigt neben dem Schwellenländer-Boom auch der Anstieg der Rohstoffpreise. Die Gedankenspiele von Bernanke zeugen also von einer gewissen Ratlosigkeit.

Entsprechend herrscht am Markt nur noch Skepsis. Die niedrigen Zinsen verleiteten Unternehmen und Verbraucher dazu, sich immer höher zu verschulden – und damit wächst die Gefahr einer neuen Bubble, die irgendwann platzt.

Jedenfalls führte zuletzt die Aussicht auf neue Geldgeschenke nicht zur Beruhigung der Nerven.

Der VIX zieht an

Das sehen Sie ganz gut am Angstindikator VIX. Der hat zuletzt wieder hübsch angezogen, die Volatilität steigt wieder. Dabei sprachen wir doch „nur“ über eine Schuldenkrise in den PIGS-Ländern.

Schuldenkrise eskaliert

Der Druck erhöht sich: Die Ratingagentur S&P hat der US-Regierung eine schallende Ohrfeige verpasst: „Mehr als zwei Jahre nach Beginn der aktuellen Krise haben sich die US-Politiker noch immer nicht geeinigt, wie sie den finanzpolitischen Abwärtstrend umkehren oder den langfristigen Finanzdruck angehen.“

Als Folge dieser desaströsen Einschätzung hat S&P den Ausblick für die Bewertung der Kreditwürdigkeit der USA auf negativ herabgesetzt.

Im Klartext heißt das: Noch behalten die USA das höchste Rating „AAA“. S&P jedoch schätzt aktuell die Wahrscheinlichkeit, dass die wichtigste Volkswirtschaft der Welt dieses Rating in den nächsten zwei Jahren verliert aktuell auf mindestens ein Drittel ein.

Die vereinigten Schuldenstaaten von Amerika

Die Reaktion an den Finanzmärkten auf diese neue Einschätzung von S&P fiel heftig aus: Die großen Börsen gab sofort deutlich nach. Nur bei den Edelmetallen setzte sich der Höhenflug weiter fort.

Gold steht somit in diesen Tagen nur noch ganz knapp vor dem erstmaligen Sprung über die Marke von 1.500 Dollar pro Feinunze. Silber folgt diesem positiven Trend und kletterte erstmals seit 1980 wieder über die Marke von 43 Dollar pro Feinunze.

Heute haben sich die Märkte schon wieder etwas erholt. Aber die Auswirkungen der Entscheidung von S&P werden noch nachwirken. Zumal auch in Europa die Sorge vor einer weiteren Verschärfung der Euro-Krise zunimmt.

Die Gerüchte über eine mögliche Umschuldung in Griechenland halten sich hartnäckig. Heute zitiert „Die Welt“ einen griechischen Minister, der sagt, dass „es keine Frage mehr ist, ob wir umschulden, sondern nur noch wann.“

USA: 14 Billionen Schulden

Aber zurück in die USA. Die massive Ausweitung der Schulden in den USA ist kein neues Thema. Aber im Zuge der Euro-Krise haben wir die Entwicklung in der größten Volkswirtschaft der Welt etwas aus den Augen verloren.

Aber nur zwei Zahlen verdeutlichen die aktuell angespannte Lage: Die Gesamtschulden der USA belaufen sich auf 14 Billionen Dollar. Zudem liegt das aktuelle Haushaltsdefizit bei 11% der Wirtschaftsleistung.
 
Und die Dynamik der Entwicklung verdeutlich folgende Zahl: Die Schuldenquote gemessen an der Wirtschaftsleistung hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

Viele Experten gehen mittlerweile davon aus, dass diese Quote im kommenden Jahr die Marke von 100% erreicht. Dies wäre eine weitere Verschärfung der schon jetzt angespannten Schuldensituation.

Vielleicht dient der aktuelle Schuss vor den Bug durch die mächtige Ratingagentur S&P dazu, dass es zu einem Umdenken in den USA kommt. Vor allem muss es eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den regierenden Demokraten von US-Präsident Barack Obama und den Republikanern geben. I

mmerhin hat Obama schon in der vergangenen Woche in einer Rede ein massives Sparprogramm angekündigt. Dabei machte Obama klar, dass “wir mit dem auskommen müssen, was wir haben und dann unser Defizit reduzieren und zurück auf einen Pfad kommen, der es uns erlaubt, unsere Schulden zurückzuzahlen.“ Das hört sich doch schon mal gut an.

Obama will bis zu 4 Billionen Dollar einsparen

Und das Einsparpotenzial ist riesig – wie nicht anders zu erwarten in den USA: Obama möchte in den kommenden zwölf Jahren vier Billionen Dollar (ca. 2,76 Billionen Euro) einsparen.

Massive Einsparungen wird es beim Militär geben. Hier ist von 400 Mrd. Dollar die Rede. Im Sozialbereich liegt das Einsparpotenzial bei 500 Mrd. Dollar – ohne dass allerdings es zu Leistungskürzungen kommen soll.

Auch vor Steuererhöhungen schreckt US-Präsident Obama nicht zurück. Doch bei diesem Thema schalten die Republikaner auf stur. Ohne die Unterstützung der anderen maßgeblichen US-Partei ist das Sparpaket aber nicht durchzusetzen.

Nach der hitzigen Haushaltsdebatte steht in den USA eine weitere harte politische Auseinadersetzung an.

Aber harte Einschnitte sind nötig, sonst rutschen die Vereinigten Staaten in die unkontrollierte Schuldenkrise und dann kommt es sehr schnell zum Absenken des Kreditratings.

Das würde zu massiver Verunsicherung an den Finanzmärkte führen und vielleicht auch zu einer Flucht in deutsche Staatsanleihen. Denn aktuell ist das deutsche AAA-Rating nicht in Gefahr.

Wenn der Riesen-Gorilla USA jedoch kippt, war das alles nur ein fader Vorgeschmack auf die richtige Krise. Das Hoch aus dem Juni werden wir locker toppen, wenn der S&P 500  erst mal unter die Marke von 1250 Punkten fällt.

Wir bleiben also wachsam und bereiten uns auf diesen Moment vor. Da wir mit CFDs auch Short gehen können, müssen wir uns vor Krisen auch nicht fürchten.

 
 
Bildquelle: Benjamin Haas - Fotolia

Autor:

Heiko Seibel

Heiko Seibel lebt fürs Trading: 14 Stunden am Tag folgt er für Sie den neusten Entwicklungen und hält Sie auf dem Laufenden. Behalten Sie den Überblick im Trading-Bereich mit seinem kostenlosen Newsletter Trading Insider