Am Aktienmarkt herrschte heute nervöse Unruhe. Unter dem Strich schloss der DAX auf dem Vortagesniveau. Die Investoren warten gespannt auf die Rede des US-Präsidenten.
Barack Obama wird heute ein neues Konjunkturpaket ankündigen. Die Eckpunkte dürften relativ klar sein: Es wird einen Steuerbonus für neue Arbeitsplätze geben und ein (kreditfinanziertes) Infrastruktur-Programm.
Entscheidend wird nicht sein, wie die Details aussehen, sondern, ob Obama Optimismus ausstrahlt. Sein Wahlkampfmotto „Yes we can“ kommt jetzt auf den Prüfstand.
Am Devisenmarkt spielt die Musik
Während die Investoren am Aktienmarkt auf die Obama-Rede warten, spielt die Musik derzeit am Devisenmarkt. Das ist in diesen Tagen „der“ Markt für Investoren, die schnell Geld gewinnen wollen (und oft Geld verlieren).
Die hier im Schlussgong ausführlich beschriebene Anbindung des Schweizer Franken an den Euro schlägt hohe Wellen. Der Franken notiert aktuell bei 1,21 Franken pro Euro, damit hat die Schweizer Nationalbank das erste Ziel erreicht.
Die Devisen-Trader sind aber nicht faul. Wenn die Schweiz das Spielfeld (vorerst) schließt, suchen sich die Trader eine neue Spielwiese. Das sind in diesen Tagen die norwegische Krone, die schwedische Krone oder der japanische Yen.
Geld fließt in andere Märkte
Die Devisen-Trader, die bisher auf den Schweizer Franken gewettet haben, setzen jetzt auf eine ähnliche Story. Auf Währungen, die als „sicherer Hafen“ gelten.
Direkt nach dem Eingriff der Schweizer Nationalbank sind die Kurse der norwegischen und schwedischen Krone um rund 2% gestiegen. Am Devisenmarkt ist das ein beachtlicher Sprung.
Setzt sich dieser Trend fort, könnte sich die Franken-Geschichte wiederholen: Es droht eine rasante Aufwertung, die den Wirtschaftsmotor abwürgt und im schlimmsten Fall eine Rezession auslöst.
Manipulation löst Kettenreaktion aus
Eskaliert die Lage, werden die nordeuropäischen Länder dem Schweizer Vorbild folgen und ebenfalls in den Devisenmarkt eingreifen.
Das ist typisch: Greift man künstlich in einen freien Markt ein, löst das fast zwangsläufig eine Kettenreaktion aus. Wenn ein Land die eigene Währung manipuliert (künstlich an eine andere Währung koppelt), tauchen die Probleme in anderen Ländern wieder auf.
Daher sind in der Wirtschaftstheorie staatliche Eingriffe oft negativ behaftet: Der Staat denkt nur an das eine Problem, erkennt aber nicht, dass der künstliche Eingriff neue Probleme schafft.
Es wird spannend zu beobachten sein, wohin die Schweiz die Devisen-Trader getrieben hat und wie sich die Lage in den betroffenen Ländern entwickelt. Es wäre keine Überraschung, wenn irgendwann auch Norwegen und Schweden in den Markt eingreifen und eine noch größere Welle auslösen.



