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Schweizer Wirtschaft: Das ist nach der Frankenaufwertung passiert

Die Schweiz gilt als politisch stabil und wirtschaftlich stark. Aber als die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 die Deckelung des Franken gegenüber dem Euro aufgab, war dies eine große Überraschung.

Quasi über Nacht kostete der Schweizer Franken nur noch 0,99 €. Viele Experten befürchteten einen jähen Einbruch der Schweizer Wirtschaft. Nach der Frankenaufwertung würden Touristen abgeschreckt und Ausfuhren kämen für die Abnehmer zu teuer.

Schweizer Wirtschaft nach der Frankenaufwertung – was wirklich passierte

Die Ängste einer gehörigen Schwächung der eidgenössischen Ökonomie waren nicht unbegründet. Immerhin hatte die Schweizer Wirtschaft zu verdauen, dass ihre Waren im Ausland von einem Tag auf den anderen um etwa 20% teurer wurden.

Aktuell kostet ein Schweizer Franken wieder 1,09 €. Inzwischen kann festgestellt werden: Die Auswirkung für die Schweiz selbst haben sich in Grenzen gehalten. In 2015 fiel das Wachstum bei den Eidgenossen etwa um die Hälfte auf knapp unter 1%, aber schon für 2016 werden wieder 1,6% erwartet.

Auch die Arbeitslosenquote in unserem Nachbarland stieg 2015 nur auf 3,4% und soll sich im Jahr 2016 um 3,6% einpendeln. Hiervon wurden selbst die ärgsten Skeptiker, darunter einige Vertreter der SNB, positiv überrascht.

Schweizer Verbraucher flüchten ins nahe Ausland

Schweizer Verbraucher haben sich längst mit der neuen Situation abgefunden. Noch mehr als in der Vergangenheit kaufen sie weit günstiger im Ausland ein, wovon unter anderem deutsche Einzelhändler im Grenzgebiet profitieren. Darüber hinaus freuen sie sich darüber, dass sie auf ihren Urlaubsreisen weniger Geld aufwenden müssen.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass der eidgenössische Einzelhandel unter der Aufwertung der heimischen Währung deutlich zu leiden hat. Ihm fehlen pro Jahr mehr als 11 Mrd. Schweizer Franken, die jenseits der Grenzen ausgegeben werden. Beispielsweise erleben deutsche Geschäfte und Supermärkte rund um den Bodensee einen bislang nie gekannten Ansturm eidgenössischer Shopping-Pendler.

Anleger von der Aufwertung des Schweizer Franken zunächst geschockt

Auch Anleger, die auf Schweizer Aktien gesetzt hatten, sind relativ glimpflich davongekommen. Da sich die Frankenaufwertung durch nichts angekündigt hatte, war auch kaum jemand in der Lage, sich darauf einzustellen.

Nach dem ersten Schock – der Swiss Market Index (SMI) war auf ein Ein-Jahrestief bei knapp 7.900 Punkten eingebrochen – erholten sich die Aktien verhältnismäßig schnell. Bereits im August 2015 erreichte der SMI ein neues Hoch von über 9.400 Punkten.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass sich die Schweizer Wirtschaft besser als erwartet von der Frankenaufwertung erholt hat. Was bleibt sind Befürchtungen, dass eine weitere Aufwertung ins Haus stehen könnte und dass im Zuge der Schweizer Fiskalpolitik zunehmend Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden könnten.

19. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.