Die Aktienmärkte konnten sich am letzten Handelstag der Woche nicht für eine Richtung entscheiden. Der deutsche Leitindex DAX wechselte mehrfach die Richtung, um dann fast unverändert zu schließen. Die Investoren erwarten erst Antworten, bevor sie frisches Kapital investieren.
So wurde heute in Italien das große Spar-Programm verabschiedet. Kritiker verweisen darauf, dass einige Sparvorschläge zu schwammig formuliert seien. Die Investoren werden jetzt genau darauf schauen, ob das Programm nur heiße Luft enthält, oder ob ein ernsthafter Wille zur Konsolidierung sichtbar wird.
Gespannt blicken die Investoren auch Richtung USA. Am Wochenende läuft mal wieder ein Ultimatum ab. Der US-Präsident Barack Obama will eine Einigung zwischen Demokraten und Republikanern erzwingen, damit endlich die gesetzlich festgelegte Schuldenobergrenze erhöht werden kann.
Schweiz hofft auf eine Entspannung an der Schulden-Front
Die Schweiz ist nicht direkt von der EU-Schuldenkrise und dem drohenden US-Staatsbankrott betroffen, hofft aber dennoch jeden Tag stärker, dass endlich Lösungen präsentiert werden. Denn: In der aktuell unsicheren Phase verkaufen Investoren Euro- und Dollar-Bestände und fliehen in sichere Häfen. Das ist Gold, aber auch der Schweizer Franken.
Wie gestern hier im Schlussgong beschrieben, hat die Schweizer Währung deutlich zugelegt. Mussten vor der Finanzkrise noch 1,65 Franken je Euro gezahlt werden, ist dieser Wert in dieser Woche auf 1,15 gefallen. Eine starke Währung klingt positiv, aber eine zu starke Währung verursacht riesige Probleme. Daher hofft die Schweiz auf eine Entspannung an der Schulden-Front.
Franken-Aufwertung bringt auch Vorteile
Die Vorteile einer starken Währung liegen auf der Hand: Da der Franken stark aufgewertet hat, müssen die Schweizer deutlich weniger Franken bezahlen, wenn sie im Ausland Waren oder Dienstleistungen erwerben, die in Euro oder Dollar abgerechnet werden. Die Importe werden also immer billiger.
Gewinner sind auch die Schweizer Bürger, die im Ausland Urlaub machen. Die Kaufkraft steigt im Euro-Raum und in den USA enorm. So wird die schönste Zeit des Jahres auch noch zur „Schnäppchen-Fahrt“.
Die Nachteile dominieren
Die oben genannten Vorteile sind jedoch nur ein schwaches Trostpflaster. So spielen die günstigen Import-Preise für die Schweiz keine wichtige Rolle. Die Schweiz ist, ähnlich wie Deutschland, ein Export-Land. Die internationalen Kunden, die in der Schweiz Maschinen oder Chemie-Produkte einkaufen wollen, müssen immer mehr Dollar und Euro bezahlen.
Da die Schweizer Wirtschaft in vielen Branchen mit dem großen Nachbarn Deutschland konkurriert, ist das ein Problem. Die Kombination aus dem starken Franken und dem schwachen Euro macht Schweizer Produkte im Vergleich immer teurer und deutsche Produkte günstiger. Die Folge: Für das Jahr 2012 hat die Schweizer Regierung die Wachstumsprognose bereits gesenkt.
Leiden muss auch die große Schweizer Tourismus-Branche. Für Ausländer wird der Urlaub in der Schweiz immer teurer. Die Luxus-Gäste lassen sich davon nicht abschrecken, aber sparsame Ski-Fahrer und Wanderer können in den Euro-Ländern Österreich oder Frankreich viel Geld sparen.
Schweizer Notenbank unter Druck
Die Sorgen der Export-Wirtschaft und der Tourismus-Branche erreichen auch die Schweizerische Nationalbank (SNB). Der Druck aus Wirtschaft und Politik, am Devisenmarkt einzugreifen, wird immer stärker. Die SNB soll, so die Forderung der Wirtschaft, den Aufwärtstrend des Franken stoppen.
Die SNB zeigte sich im jüngsten Bericht „sehr besorgt“ über die Entwicklung der heimischen Währung. Indirekt wird den Währungs-Spekulanten gedroht, dass die Nationalbank eingreift und gegen die Aufwertung kämpfen wird.
Bisher ist es 2011 aber bei der Drohung geblieben. Kein Wunder, die Wunden aus dem letzten Kampf sind noch nicht verheilt. 2009 und 2010 hat die SNB im großen Stil am Devisenmarkt eingegriffen.
Das Ergebnis: Die Franken-Aufwertung wurde nicht gestoppt, am Jahresende 2010 blieb jedoch ein Rekordverlust von fast 20 Mrd. Franken. Noch so ein Horrorergebnis kann sich die Nationalbank nicht leisten. Daher ist die Zurückhaltung der Bank-Verantwortlichen verständlich. Es stellt sich die Frage, ob die relativ kleine SNB am Devisenmarkt etwas bewegen kann.
Ausländische Kreditnehmer zittern
Nicht nur die Schweizer, auch Kreditnehmer aus anderen Ländern starren gebannt auf die Franken-Aufwertung. Der Grund: In den vergangenen 20 Jahren wurden Franken-Kredite zum Verkaufsschlager. Da die Zinsen in der Schweiz niedrig waren, lockten Finanzberater mit Traum-Konditionen.
Mit einem Franken-Kredit wurde plötzlich der Traum von den eigenen 4 Wänden finanzierbar. Im Bereich der Kapitalanlage (zum Beispiel Lebensversicherungen) hebelten günstige Franken-Kredite das Rendite-Potenzial.
Das böse Erwachen setzte dann ab 2007 ein. Der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg der Schweizer Währung begann. Wer den Kredit in Franken aufgenommen hat, muss damit leben, dass die Schuldenhöhe in Euro umgerechnet plötzlich um 20 bis 30% gestiegen ist. Die 1 oder 2% Zins-Ersparnis fallen angesichts dieser Zahlen kaum noch ins Gewicht.
Gehen Sie immer nur ein Risiko ein
Was tun in dieser schwierigen Lage? Kreditnehmer sollten auf jeden Fall prüfen, ob der Kreditgeber über alle Risiken informiert hat. Wurde auf das Risiko einer Franken-Aufwertung hingewiesen? Falls es Lücken in der Beratung gab, besteht die kleine Chance, dass die Bank (oder der Finanzberater) mit sich reden lässt. Denkbar ist zum Beispiel eine günstige Umschuldung.
Grundsätzlich gilt aber meine Empfehlung: Kombinieren Sie keine Risiken! Ein Kredit ist bereits ein Risiko. Es kann sein, dass Sie plötzlich in Rückzahlungsschwierigkeiten kommen (Arbeitslosigkeit, Krankheit etc.).
Dieses Risiko gilt es unter Kontrolle zu halten. Wenn Sie dann noch ein Wechselkurs-Risiko freiwillig hinzufügen, wird das Gesamtpaket unberechenbar.



