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Schweizer Zentralbank kapituliert vor EZB: Die Hintergründe

Am 15.01.2015 um 10:30 Uhr lief eine gigantische Erschütterungswelle durch die Märkte. Händler starrten kopfschüttelnd und fragend auf ihre Schirme. Insbesondere Devisenmärkte, aber auch Aktienmärkte spielten verrückt. Kurssprünge von zunächst minus und dann wieder plus 5 % bei Aktien und Kursveränderungen bis zu 20 % bei Währungen waren innerhalb weniger Minuten zu verzeichnen.

Die Frage nach dem Auslöser war schnell geklärt. Das „warum“ und die weiteren Auswirkungen im Überblick.

Die Schweizer Nationalbank (SNB) zieht die Reißleine

Um einen Kursverfall des Euro gegen den SFR (wie Mitte 2011 bereits einmal geschehen) zu unterbinden hatte seit September 2011 die SNB stets gegen einen grundsätzlich starken Schweizer Franken (SFR) immer wieder „Euros“ gekauft. So ließ sie den Kurs des EURO gegen den SFR nur auf minimal 1,20 fallen. Selbst im Dezember 2014 hatte sie noch verlautbart, dieser bewusst und offen kommunizierte „Mindestkurs“ sei „zentral“ für ihre Geldpolitik.

Sie kaufte mit dem eigenen Geld (dem Schweizer Franken), dass sie in praktisch beliebiger Menge auf die Märkte werfen konnte, Euros auf.

Durch diese faktische Bindung des Schweizer Franken an den EURO war eine Art fester Wechselkurs zwischen diesen beiden Währungen entstanden, insbesondere zum Schutz der eidgenössischen Wirtschaft. So konnte sie den Kurs über 3 Jahre praktisch stabil halten.

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Sobald der Kurs in die Nähe von 1,20 fiel, kaufte die Zentralbank Euro auf und verhinderte so ein weiteres Abrutschen des Euro. Diese Politik war fest in den Märkten verankert. Praktisch jeder Marktteilnehmer vertraute auf die SNB.

Die Folgen für die Schweiz

Auslöser für den abrupten Kursrutsch des Schweizer Franken war nun die SNB selber, die die Stützungskäufe für den Euro quasi (offiziell) für beendet erklärte. Gleichzeitig senkte sie zeitgleich den Leitzins auf um 0,5 auf jetzt -0,75 %, um die Folgen dieser geänderten Geldpolitik etwas abzumildern. In der Folge sank die Rendite auf Schweizer Bundesanleihen mit Laufzeit von 10 Jahren auf unter 0 %.

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Die Märkte wurden völlig unvorbereitet von der Aussage der SNB getroffen, die Euro-Käufe einzustellen. Dies umso mehr, als diese Aussage außerhalb der normalen Sitzungs- und Pressekonferenz-Routine stattfand. Die Zentralbank der Schweiz hat durch diese Handlungsweise an den Märkten erheblich an Vertrauen verloren. Ebenfalls ungewöhnlich für eine Zentralbank:

Die Änderung der Politik wurde nicht im Vorfeld mit einem bestimmten Umsetzungstermin angekündigt, sondern zeitgleich umgesetzt. Kein Marktteilnehmer hatte Zeit sich darauf einzustellen. Selbst Marktgerüchte über die neue Ausrichtung der SNB waren absolute Fehlanzeige. Ein wirklich einmalig bemerkenswerter Vorgang. Darum auch die extremen Marktreaktionen.


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Der Schweizer Franken wertete gegen den Euro extrem auf. Der Kurs ging innerhalb weniger Minuten von 1,20 auf unter 0,85 zurück, um sich anschließend ungefähr bei  1 : 1 einzupendeln.

Marktbeobachter vermuten, dass die SNB doch noch einmal (kurzzeitig)  in den Markt eingegriffen hat, um noch stärkere Kursausschläge zu vermeiden. Über die negativen Folgen für die Schweizer (Export-) Wirtschaft und Fremdenverkehr wurde intensiv in den Medien berichtet. Immerhin machen im Bruttoinlandsprodukt der Schweiz die Exporte ca. 50 % aus.

Über den Gewinn der SNB für das Jahr 2014 von ca. 17 Mrd. SFR hatten sich die Schweizer Kantone schon gefreut. Jetzt sieht die Sachlage so aus: durch die Aufwertung des SFR gegen alle anderen Währungen weltweit hat sich der Wert der Währungsreserven der Schweizer Nationalbank innerhalb von wenigen Minuten um ca. 50 Mrd. SFR vermindert.

Jede „normale“ Bank wäre pleite. Ob die Ausschüttung für 2014 stattfindet ist nicht bekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass die SNB für das Jahr 2015, indem die Bewertungsverluste schlagend werden, erhebliche Probleme haben wird, einen Gewinn auszuweisen.

Bei all diesen negativen Auswirkungen wird deutlich, die Schweizer Zentralbank hat nicht freiwillig so agiert, sondern sie stand mit dem Rücken an der Wand.

Das sind die Gründe für das geänderte Verhalten der SNB

In der Vergangenheit musste die SNB immer mehr Euros kaufen, um den SFR nicht zu stark werden zu lassen. Dies ist und war auf Dauer eine sehr schwierige Situation.

Am Vortag des 15.01.15 war von Seiten des EuGH die Meldung bzw. die Einschätzung zu hören, dass die von der Europäischen Zentralbank geplanten Ankäufe von Staats- und anderen Anleihen wahrscheinlich „rechtens“ seien. Dabei steht ein echtes Urteil erst im Herbst diesen Jahres an.

Diese „vorab Meinung“ wurde vom Markt als eine Art Freibrief für die EZB angesehen, die Märkte mit unglaublich viel billigem Geld zu versorgen, in Rede stehen dort Beträge von mehreren 100 Milliarden Euro, einige Marktteilnehmer erwarten sogar eher 1.000 Milliarden Euro. Die letzten Zweifel, dass die EZB vielleicht doch nicht ihre Geldschleusen historisch weit öffnen würde, waren weggewischt.

Diese Geldpolitik war und ist bei Wirtschaftswissenschaftlern, den europäischen Politikern und selbst im Rat der EZB selber höchstumstritten. Gemäß ihrer Statuten ist der EZB die Finanzierung von Staaten beispielsweise verboten.

Inzwischen hat sich aber bei der SNB (und Zentralbanken können untereinander die Handlungsweisen anderer „Schwester-Zentralbanken“ sehr gut interpretieren und durchleuchten) die Erkenntnis durchgesetzt, dass die EZB am kommenden Donnerstag, den 22.01.2015 Geschichte schreiben wird.

Und der SNB ist klargeworden, dass sie ein weiteres Festhalten an einem Wechselkurs von 1,20 für den Euro in SFR mit ihren Mitteln nicht mehr seriös verantworten kann. Trotz der erheblichen negativen Auswirkungen ihrer Kehrtwende hat sie sich zu diesem historischen und überraschenden Schritt entschlossen.

Börsianer können nun erahnen, welche Volumina die EZB am Donnerstag für ihr Kaufprogramm ankündigen wird. Dabei ist aktuell noch nicht einmal genau geklärt, wie die sich daraus ergebenden neuen Bonitätsrisiken verteilt werden sollen. Ganz zu schweigen von dem erheblichen Risiko, langfristig in Europa durch die Geldschwemme eine erhebliche Inflation hervorzurufen.

Die EZB Entscheidung am 22.01.15  – das haben die Märkte zu erwarten

Man kann sicher davon ausgehen, dass die kommende Sitzung historisch werden wird. Niemals zuvor hat die EZB vorab über einen so langen Zeitraum offen ihre beabsichtigten Maßnahmen dargestellt. Die (kontroversen) Diskussionen über die zu erwartende Geldpolitik beherrschen seit Wochen und Monaten die Medien. Die Märkte sind also vorbereitet.

Um 13:45 Uhr ist zunächst nur die Mitteilung über den neuen Leitzins zu erwarten. Es würde nicht überraschen, wenn dieser auf null oder sogar darunter gesetzt wird.

Richtig spannend wird es aber ab 14.30 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt startet die Pressekonferenz der EZB mit ihrem Präsidenten Mario Draghi, in der dieser die neue Politik verkünden und erläutern wird, anschließend werden üblicher Weise die Fragen der Journalisten beantwortet.

Spätestens mit Beginn der Pressekonferenz sind sehr starke Ausschläge an den europäischen Aktienmärken, an den Devisenmärkten (hier insbesondere im Euro/US$) und auch an den Zinsmärkten zu erwarten. Je nachdem, wie aggressiv (sprich wie hoch das Volumen ist, wie der zeitliche Rahmen und die weiteren Nebenbedingen ausgestaltet sind) die EZB die neuen Maßnahmen ausgestaltet, so bewegt werden auch die Märkte sein.

Sollte die Erwartung der Märkte übertroffen werden, und die Reaktion der SNB kann da ein Fingerzeig sein, dann sollten insgesamt Aktienmärkte profitieren, die Zinsen sinken (insbesondere von erstklassigen Schuldnern wie der BRD –aktuell liegt die Rendite von 10-jährigen Bundesanleihen bei rund 0,45 %), der Euro gegen den US$ und auch alle anderen Währungen weiter unter Druck geraten.

Auf jeden Fall sind gute Nerven bei den zu erwartenden Kursausschlägen gefragt.

Bitte achten Sie darauf: der künftige Trend wird nicht in den ersten Minuten am Markt sichtbar, sondern erst nach genauer Analyse der neuen Erkenntnisse. Das kann einen Tag oder auch mehrere Dauern.

Einiges haben die Märkte bereits „eingepreist“:

Euro schwächer gegen alle anderen Währungen weltweit (Ausnahme ist der russische Rubel), Zinsen in Europa so niedrig wie noch nie, europäische Aktienindices auf Höchstständen. All dies ist der „Politik des billigen Geldes“ der EZB bereits zu verdanken.

Es spricht einiges dafür, dass die bisherige Entwicklung auch nach der Zinsentscheidung noch einige Zeit andauern wird.

21. Januar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Stefan Waldmann
Von: Stefan Waldmann. Über den Autor

Stefan Waldmann arbeitet nach Bankausbildung und Studium der Volkswirtschaft und Sozialpsychologie seit über 20 Jahren im Kapitalmarktbereich einer großen deutschen Bank.