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Sebastian Weißschnur: Achten Sie auf maßgeschneiderte Beratung

Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Buches „Finanzprodukte in Zeiten der Vertrauenskrise“ von Sebastian Weißschnur führte GeVestor ein exklusives Interview mit dem Autor:

GeVestor: Mit 144 verschiedenen Quellen ist Ihre Diplomarbeit wohl als außergewöhnlich umfangreich und gut recherchiert zu bezeichnen. Können wir demnächst auch eine Dissertation von Ihnen erwarten?

Sebastian Weißschnur: Ja. Meine Dissertation wird die „Soziale Marktwirtschaft“ in den europäischen Ländern näher untersuchen und fundiert überprüfen, ob diese in der Lage ist, sich selbst zu legitimieren.

Weiterhin wird untersucht, in welchem Umfang Staatsinterventionismus vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise zulässig ist und sinnvoll erscheint bzw. das marktwirtschaftliche System nicht untergräbt.

GeVestor: Der Finanz- und Wirtschaftskrise sei Dank ist das Vertrauen der Anleger in die Geldinstitute und Anlegeberater rapide gesunken. Heutzutage hat jeder Angst um sein Erspartes. Wie erkennt der Laie also Ihrer Meinung nach einen guten Finanzberater?

Weißschnur: Ein Berater, der heutzutage eine Geldanlage empfiehlt, sollte

  • die Anlageart und -ausrichtung sowie das Anlagerisiko genau auf den Anleger abstimmen (Anlegergerechte Beratung) und den Anleger über sämtliche anlagespezifische Risiken und Nachteile sowie Besonderheiten aufklären (Anlagegerechte Beratung)
  • anlagenimplizite Risiken minimieren, z.B. indem er den Anlagebetrag auf viele verschiedene Investments innerhalb unterschiedlicher Schwellenländer breit streut
  • Verlustrisiken hinsichtlich des Anlagebetrages minimieren, z.B. indem er Weltregionen bzw. Anlageschwerpunkte wählt, die wirtschaftlich wenig voneinander abhängig sind

Wichtig ist außerdem, dass die Beratung sich nicht von Ergebnissen der großen Ratingagenturen blenden lässt.

Diese gehören zu den einflussreichsten Akteuren am Finanzmarkt; sie beeinflussen die großen, institutionellen Anleger bei Kauf- und Verkaufsentscheidungen im Markt – und damit einen Teil der Gesamtnachfrage.

Die Hilfeschreie einiger großer Banken nach finanzieller Rettung machen auf hohem Niveau deutlich, was im schlimmsten Fall die Folge des falschen Umgangs mit Anlageentscheidungen ist.

Dieses Szenario lässt sich getrost auch auf den „Kleinanleger“ übertragen. Dieser haftet für seine Entscheidungen sogar in deutlich größerem Ausmaß, denn wenn er sich verspekuliert, ist er bankrott, ohne dass er mit Hilfe einer staatlichen Bürgschaft sein bisheriges Leben unverändert fortsetzen könnte.

Deshalb muss sich der private Geldanleger einen fachlich gut ausgebildeten und seriösen Berater wählen. Hier hilft das Internet mit entsprechenden Bewertungsportalen gut weiter.

Wichtig ist, dass alle Fragen des Anlegers ausführlich und sorgfältig geklärt werden. Das ausführliche Abwägen der Vor- und Nachteile, die vom Berater offen und fair angesprochen werden sollten, ist hier von entscheidender Bedeutung.

Ein guter Berater geht individuell auf den Anleger ein. Er hinterfragt dessen Beweggründe, Motive und Lebensumstände, um seine Anlageempfehlungen bestmöglich darauf abstimmen zu können.

Weiterhin erstellt der gute Berater ein individuelles Profil des Anlegers, in dem alle bisher getätigten Geldanlagen samt aller Anlageerfahrungen skizziert werden.

Hinzu kommt die schriftliche Erfassung der persönlichen Risikobereitschaft des Anlegers, die gemeinsam mit dem Anleger anhand von Produktbeispielen erarbeitet wird.

Ein guter Berater erstellt also ein maßgeschneidertes Konzept; er erbringt somit eine echte Dienstleistung.

GeVestor: Was würden Sie in diesen Krisenzeiten Ihren Lesern zum Thema Altersvorsorge empfehlen?

Weißschnur: Diese Frage ist pauschal kaum zu beantworten. Grundsätzlich eignen sich sachwertorientierte Anlagen in Zeiten steigender Inflation, da die Kaufkraft im Großen und Ganzen erhalten bleibt.

Dazu gehören (physisch vorhandene) Immobilien im In- und Ausland, Investmentanteile, Anteile an Projektgesellschaften oder auch Derivate (z.B. Optionen). Sofern sich staatlich geförderte Altersvorsorge-Verträge wie Riester und/oder Rürup-Renten im Einzelfalle rentabel rechnen lassen, kommen auch diese in Betracht.

Grundsätzlich empfehle ich eine breite Streuung des angelegten Geldes; unabhängig davon, ob dies kurz-, mittel- oder langfristig angelegt werden soll. Streuung und Sachwertorientierung sind v. a. in Krisenzeiten wirksame Komponenten, die zur Sicherung des Vermögens beitragen.

Sebastian Weißschnur schloss Ende 2011 sein berufsbegleitendes Studium zum Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Marketing und Logistik ab.

Zudem besitzt er Abschlüsse als Versicherungsfachwirt mit dem Schwerpunkt Marketing/Vertrieb, als Fachwirt für Finanzberatung mit dem Wahlfach „Geschlossene Fonds“ und als Masterconsultant in Finance. Lesen Sie hier mehr über den Autor.

Das Buch ist im Diplomica Verlag erschienen und kostet 38,00€.

17. September 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.